2004 beginnt mit der Gründung des Künstlerkollektivs « Les Dissonances » durch den Violinisten David Grimal ein wunderbares Abenteuer. Der Name „Les Dissonances“ ist eine Hommage an das berühmte Quartett von Mozart, soll aber auch den Willen zu einem konstruktiven Bruch mit Denkgewohnheiten zum Ausdruck bringen. Die Musiker der Dissonances begegnen und versammeln sich im Sinne eines gemeinsamen Ideals. So beruht die Zusammenarbeit der Solisten und Musiker aus den größten französischen und internationalen Orchestern und der jungen Talente, die am Anfang ihrer Karriere stehen, seit Beginn auf dem Streben nach Exzellenz und Teilhabe am Projekt.
Erklärtes Hauptziel der Dissonances ist es, neues Publikum zu erobern, das von der sogenannten „klassischen Musik“ eingeschüchtert wird, sowie der Zuhörerschaft eine eigene Auffassung der großen Werke des Repertoires zu bieten.
Das musikalische Ensemble, in unterschiedlicher Besetzung und ohne Dirigenten, behält sich absolute Freiheit in seiner Programmgestaltung vor. Die gespielten Werke erstrecken sich von Meisterwerken des sinfonischen Repertoires (Strauss, Bach, Schubert, Beethoven) bis hin zu zeitgenössischen Uraufführungen (Thierry Escaich, Brice Pauset, Marc-André Dalbavie…). Aber auch andere musikalische Formen, wie die Kammermusik, haben ihren Platz im Repertoire des Ensembles, damit die Verflechtungen zwischen den Werken besser aufgezeigt werden können.
Die Vielfalt der Orte, an denen gespielt wird, trägt ebenso dazu bei, sich neuem Publikum zu öffnen. Die größten Häuser empfangen das Ensemble, aber auch ungewöhnlichere Orte, zum Beispiel die Kirche Saint Leu im Rahmen der “Anderen Saison”, die zugunsten der Obdachlosen organisiert wird. Innerhalb dieser “Saison” wird jeden Monat ein Konzert angeboten, für das die Musiker freie Wahl in der Programmgestaltung haben. Künstler aller Kunstarten werden zu den Konzerten eingeladen, die sie mitgestalten: Choreographen, Regisseure, Filmemacher... Die Gesamtheit der Einnahmen geht an den Verein “Les Margéniaux” (“Die Margenialen”), der Hilfsmaßnahmen für Notstände oder mittelfristige soziale Projekte finanziert und begleitet, welche von sozialen Instanzen vorgeschlagen werden.
Das Kollektiv bringt sich zusätzlich übers ganze Jahr in verschiedenen erzieherischen und pädagogischen Aktionen ein, die vor Ort stattfinden (residence in situ), oder in Form von Werkstätten (die “P’titssonnances” – die Kleinsonanzen), pädagogischen Konzerten oder offenen, kommentierten Proben.
Schon bei ihren ersten Aufnahmen unter dem Label Ambroisie-Naïve Métamorphoses, das den Metamorphosen von Richard Strauss und der Verklärten Nacht von Arnold Schönberg gewidmet war, haben Les Dissonances begeisterte Anerkennung bei der Kritik gefunden: das französische Label f f f f der Zeitschrift Télérama, BBC Music Choice, Arte Selektion. Les Dissonances haben daraufhin ihre Aufnahmen dem Label Aparté anvertraut: die Beethoven-CD (7. Sinfonie und Violinkonzert), die im Oktober 2010 erschienen ist, hat die 4 f f f f von Télérama erhalten und wurde von der Tageszeitung Le Monde in die Selektion 2010 aufgenommen. Für die CD Vier Jahreszeiten von Vivaldi und Piazzolla, die im Dezember 2010 erschienen ist, wurden die Einnahmen dem Verein „Les Margéniaux“ gespendet.
Im Dezember 2013 starten Les Dissonances ihr eigenes Label Dissonances Records, unter dem nacheinander folgende CDs erscheinen : Brahms, Violinkonzert und 4. Sinfonie (März 2014); Mozart – Integrale der Konzerte für Violine, Klarinette und Oboe (2015).
Eine langjährige Zusammenarbeit mit Heliox Films und Frédéric Delesques hat zur Folge, dass viele qualitativ hochwertige Videoaufzeichnungen entstanden sind. Sie werden regelmäßig im Sender Mezzo TV und anderen Sendern auf der ganzen Welt übertragen, so dass sie Millionen von Zuschauern erreichen.
Les Dissonances sind seit 2008 an der Oper von Dijon “artists in residence”, sie treten regelmäßig in der Pariser Cité de la Musique auf, sowie im Volcan – Nationaltheater von Le Havre, und immer mehr auch auf ausländischen Bühnen, in Deutschland, in den skandinavischen Ländern, in Rumänien usw.
Les Dissonances haben ihr Bestehen vorwiegend selbst getragen, mit den Einnahmen aus den Konzerten. Sie erhalten eine Unterstützung des Kultusministeriums, diese betrug aber 2013 nur 6% ihres Budgets. Hinzu kommen noch private Sponsoren. Die Gesamtheit der Neueinnahmen wird der Entwicklung neuer künstlerischer, erzieherischer oder solidarischer Projekte gewidmet.
Das Ensemble wird projektweise auch von französischen Institutionen wie der Spedidam und der Adami unterstützt und es ist Mitglied der FEVIS und des Bureau Export.