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Titel

Elke Heidenreich: »Ein Tag, an dem ich nicht lese, findet nicht statt.« - Literaricum 2022
Elke Heidenreich hat das Literaricum 2022 eröffnet. In unseren Podcast-Folgen aus Lech am Arlberg steht ein Gespräch mit ihr am Schluss. Elke Heidenreich spricht über den Bartleby, das Gefährliche an lesenden Kindern und warum früher nicht alles besser war. Und Elke Heidenreich erläutert, warum man ihr keine Bücher und Manuskripte zusenden sollte. Am Eröffnungstag des Literaricum 2022 trifft sich Wolfgang Tischer im Foyer des Hotels Burg mit Elke Heidenreich zum ausführlichen Gespräch. Die Atmosphäre ist entspannt, auch Elke Heidenreich ist zum ersten Mal in Lech am Arlberg. Natürlich geht es am Anfang des Gesprächs um Bartleby, den Schreiber. Heidenreich verweist auf das Buch von Juliane Marie Schreiber. In der Absurdität und Ironie von Melvilles Erzählung sieht Heidenreich zudem Parallelen zu Kafkas Erzählung »Der Hungerkünstler«. Die absolute Verweigerung sei keine Lösung. Das ewige Nein aber auch das ewige Ja seien ebenfalls keine Lösung, diese müsse in der Mitte liegen. Den Bartleby habe sie schon in jungen Jahren gelesen, sagt Heidenreich, doch »wenn man jung ist, versteht man Absurdes nicht gut«. Wie witzig, düster und grotesk zugespitzt der Text ist, habe sie erst später gemerkt. Lesebiografie mit Büchern von Frauen Mit ihrem im letzten Jahr erschienenen Buch »Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben« hat Elke Heidenreich ihre ganz persönliche Lesebiografie aufgeschrieben. Zwar wurde sie immer wieder danach gefragt, doch eigentlich wollte sie das zunächst nicht. »Es ist mein Beruf, was soll ich da schreiben?«, sagt Heidenreich. Schließlich waren es dann die Bücher von Frauen, die den roten Faden bildeten. »Nicht aus feministischen Gründen«, betont Heidenreich. Vielmehr wurde in ihrer Kindheit streng nach »Jungenbüchern« und »Mädchenbüchern« unterschieden. Später trafen sich dann zwar alle bei Enid Blyton und Karl May, und dennoch blieben die »Jungs« bei den Jungenbüchern und lasen auch später so gut wie keine Bücher von Frauen. Das sei zwar, betont Elke Heidenreich, eine Verallgemeinerung, aber dennoch hält sie es da mit ihrer Freundin Ruth Klüger (1931-2020), die feststellte, dass Frauen anders lesen als Männer. Bedauert es Elke Heidenreich, dass unlängst nach einem Talkshow-Auftritt bei Markus Lanz niemand über ihr Buch sprach, aber alle über ihre Kritik an einer jungen Grünen-Politikerin? Heidenreich ist das egal. Shitstorms verfolge sie nicht. Wer nach dem Buch suche, der finde es. Tatsächlich suchen viele Menschen nach solchen medialen Auftritten nach den Kontaktdaten von Elke Heidenreich im Netz. Ihre E-Mail- oder Postadresse werde man dort nicht finden, stellt Heidenreich im Gespräch klar. Mit ständiger Regelmäßigkeit wird daher ein schon älterer Beitrag im literaturcafe.de zu einer Art totem Briefkasten, weil Google ihn offenbar nach oben spült. Auch nach dem Lanz-Auftritt gab es dort meist zustimmende Kommentare oder Nachrichten direkt an Elke Heidenreich zu lesen. »Unfassbare Mengen« an Zusendungen Wie viele Briefe und Bücher und Manuskripte bekommt Elke Heidenreich geschickt, wenn selbst Personen, die einmal entfernt mit ihr zu tun hatten, mit Nachrichten an sie überhäuft werden? Es seien »unfassbare Mengen«, sagt Elke Heidenreich im Podcast. Allerdings rät sie allen ab, ihr Manuskripte oder Bücher zuzuschicken. Seit 2003, seit ihrer Fernsehsendung »Lesen!«, beschäftige sie eine Sekretärin, die u. a. alle Manuskripte kommentarlos zurückschickt. Sie könne nichts vermitteln, betont Elke Heidenreich mit Nachdruck. Man möge es an geeignete Verlage schicken. Doch nicht alles, was geschrieben werde, müsse auch gedruckt werden. Es sei schön, wenn man nur für sich oder die Familie schreibe, wenn man das, was einen beschäftigt rausließe. Scheiben sei eine wunderbare Therapie. Und wie verändert sich die Welt des Lesens und der Literaturvermittlung? Als Literaturkritikerin, das betont Elke Heidenreich in ihrem Buch, hat sie sich nie gesehen. Sie sei eine Literaturvermittlerin und auf keinen Fall eine »Literaturpäpstin«. Welche Rolle wird das Lesen künftig spielen? Welche Rolle wird das Lesen künftig in dieser Welt noch spielen? Darüber mag Elke Heidenreich nicht urteilen. Sie glaube auch nicht, dass in dieser Hinsicht früher alles besser gewesen sei. Es sei anders gewesen. Auch in ihrer Kindheit. Das lesende Kind sei das einfache Kind. Es sitze brav in seiner Ecke und mache nichts. Aber das lesende Kind werde das schwierige Kind, denn es liest sich weg aus seiner Umgebung. »Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich in diesem Elternhaus nicht mehr bleiben will«, erzählt Elke Heidenreich. Dennoch sagt sie: »Die Allianz ›Mensch, Sessel, Lampe, Buch‹ ist unschlagbar!« Diese werde bestehen bleiben. Und die Literatur im Fernsehen? Haben mediale Empfehlungen noch Einfluss auf die Bestsellerlisten wie zur Zeit von »Lesen!« oder des alten Literarischen Quartetts mit Reich-Ranicki? Die Leidenschaft sei in den heutigen Formaten weg. Heute seien das alles Selbstdarsteller, die das machten. Auch von Denis Scheck hält sie nicht viel. Vielleicht die letzte mit Leidenschaft Vielleicht sei sie noch die Letzte mit einer Leidenschaft für diese Sachen, vermutet Heidenreich. Allerdings: Mit Leidenschaft rasselt man oft auch rein. Wie viele Bücher liest Elke Heidenreich heute noch? Sie arbeitet für den Schweizer Literaturclub, für den Spiegel, für den WDR und eine wöchentliche Zeitungskolumne. Ihre Augen ließen langsam nach, muss Elke Heidenreich feststellen. Allerdings sagt Elke Heidenreich im Podcast-Gespräch auch: »Ein Tag, an dem ich nicht lese, findet nicht statt.« Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Elke Heidenreich das Wolfgang Tischer am Rande des Literaricum Lech geführt hat, im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten nach dem Beitrag. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr.
32:46 27.07.2022
Nicola Steiner: Zufrieden und erschöpft nach dem Literaricum 2022
Sonntagmorgen. Es ist der 16. Juli 2022. Zufrieden, aber auch erschöpft sitzt Nicola Steiner im Frühstücksraum des Hotels Burg in Lech am Arlberg. Gestern Abend ging das Literaricum 2022 mit dem Buchpreis- und Erich-Fried-Preis-Gewinner Frank Witzel zu Ende. »Die Nicola fragt uns, wenn sie was wissen will. Und sonst hat die Nicola Steiner hier das Sagen«, fasste Initiator Raoul Schrott im Podcast-Gespräch zum Auftakt die Rolle der Kuratorin zusammen. Alles hat wieder gut geklappt, zweieinhalb Tage lang drehten sich die literarischen Veranstaltungen um Herman Melvilles Erzählung »Bartleby, der Schreiber« (hier zum Download). Wer nach Lech eingeladen wird und wie sich die Veranstaltungen um den jeweiligen Klassiker im Mittelpunkt gruppieren, das sei schon »eine Art von Teamarbeit«, erzählt Nicola Steiner. Der »Bartleby« habe sie seit ihrer Jungend immer wieder »in Abständen« begleitet, weil er überall aufpoppt. Thomas Sarbacher habe sich sofort gefreut, die Erzählung ungekürzt lesen zu können. Für die Eröffnungsrede fragte Nicola Steiner ihre Kollegin Elke Heidenreich an, die zum Kritikerteam des Literaturclubs gehört. Heidenreich habe die Gabe, Literatur so zu vermitteln, dass das Publikum von Anfang an mitgenommen werde und selbst schwierige Stoffe für jeden verständlich seien. Am Eröffnungsabend, dem Donnerstag, konnte man sich davon in der neuen Dorfkirche in Lech überzeugen. Heidenreich wiederum sei bei ihrer Beschäftigung mit Bartleby auf das Buch von Juliane Marie Schreiber gestoßen. So ergibt eines das andere. Obwohl »Bartleby« ein leicht zugänglicher Stoff sei, blieb er bislang nicht nur für Nicola Steiner rätselhaft. Jetzt, nach den Veranstaltungen in Lech, wisse sie, warum der Text so geheimnisvoll sei. Das Literaricum habe die ganze Spannbreite der Deutungen aufgezeigt. Wie Bürgermeister Gerhard Lucian wünscht sich auch Nicola Steiner künftig noch mehr Interesse beim Publikum und steigende Besucherzahlen. Allerdings habe auch die mittlerweile legendäre Schwesterveranstaltung, das Philosophicum, vor über 25 Jahren klein angefangen. Wer das Literaricum erlebt hat, ist ohne Frage begeistert. Einige Besucher waren schon im letzten Jahr beim »Simplicius Simplicissimus« mit dabei und reisten wieder an. Es sei, resümiert Steiner, nun mal keine Veranstaltung für eine Laufkundschaft, sondern man müsse sich entscheiden, fürs Literaricum nach Lech zu kommen. Mundpropaganda sei wichtig, denn wie immer sei das Marketing-Budget für solche Veranstaltungen übersichtlich. Fürs kommende Jahr gibt es bereits eine »rollende Planung«. Demnächst werde das Datum fürs dritte Literaricum festgelegt, und wer das Podcast-Gespräch genau anhört, bekommt bereits einen Hinweis, um welchen Klassiker es beim Literaricum Lech 2023 gehen könnte. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Nicola Steiner, das Wolfgang Tischer am Ende des Literaricum Lech geführt hat, im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten nach dem Beitrag. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr. »Bartleby, der Schreiber« – Download als MP3-Hörbuch und Textversion Im literaturcafe.de können Sie den vollständigen Text von Herman Melville und die Hörbuchfassung von Wolfgang Tischer kostenfrei herunterladen und anhören.
19:25 23.07.2022
Thomas Sarbacher übers Vorlesen: »Ich bin ein Diener des Textes« – Literaricum 2022
Im Podcast des literaturcafe.de berichtet Sarbacher unter anderem von seiner Vorbereitung und worin der Unterschied zum Theater besteht. Thomas Sarbacher ist in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Beim Literaricum Lech war es seine Aufgabe, dem namenlosen Ich-Erzähler in Melvilles Erzählung eine Stimme zu geben. So hatte jede und jeder die Möglichkeit, vor den Diskussionen und Veranstaltungen des Literaricums, den Text vollständig zu hören. Knapp zwei Stunden dauerte die Lesung, in der sich Sarbacher zusammen mit dem Erzähler über Bartleby verwunderte, litt und ereiferte. Durch Sarbachers Lesung konnte man in Melvilles Text noch so manche Nuance entdecken, die beim eigenen Lesen vielleicht verborgen geblieben war. In Absprache mit Kuratorin Nicola Steiner gab's am Freitagmorgen um 10 Uhr keine begrüßenden Worte oder Einführungen. Thomas Sarbacher nahm einfach am Lesetisch platz und begann die Übersetzung von Jürgen Krug zu lesen: »Ich bin ein schon recht bejahrter Mann …« Wie hat sich Thomas Sarbacher diesen Text erarbeitet? Welche besonderen Aspekte hat er an Melvilles Text entdeckt? Was unterscheidet Theaterspielen von einer Lesung? Und würde Thomas Sarbacher in einer dramatisierten Fassung des Stoffes lieber den Ich-Erzähler oder Bartleby verkörpern? Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Thomas Sarbacher, das Wolfgang Tischer am Rande des Literaricum Lech geführt hat, im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten nach dem Beitrag. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr. »Bartleby, der Schreiber« – Download als MP3-Hörbuch und Textversion Am Anfang dieser Podcast-Folge hören Sie einen Ausschnitt aus Thomas Sarbachers Lesung. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen diesen Mitschnitt hier nicht komplett zur Verfügung stellen. Stattdessen können Sie den vollständigen Text von Herman Melville und die Hörbuchfassung von Wolfgang Tischer kostenfrei herunterladen und anhören.
25:54 21.07.2022
Juliane Marie Schreiber: Gegen den Terror des Positiven – Literaricum 2022
Früher war es ein Beutel Kamillentee, heute ist es »Zeit für eine Tasse Gelassenheit«. Selbst Produkte versprechen uns mittlerweile ein glückliches Leben. Diese Glücksversprechen beim Produktkauf seien die Folge des neoliberalen Denkens, sagt die Politologin Juliane Marie Schreiber. Demnach sei nicht der Staat, nicht die Gesellschaft gefragt, nein, wir selbst werden aufgefordert, beständig an unserem Glück zu arbeiten. Wer unglücklich ist, sei selbst daran schuld. Wir müssen uns optimieren und notfalls von einem »Glückscoach« auf positive Pfade bringen lassen. Bereits vor Jahren verkündete der Bestseller »Das Geheimnis« von Rhonda Byrne, wer arm oder krank sei, habe leider nicht positiv genug gedacht. Dieser Weltbestseller sei gefährlich und unwissenschaftlicher Humbug, sagt Schreiber im Gespräch. Glück werde heute als Normalzustand definiert, der es jedoch gar nicht sei. Leid und Schmerz gehören zur menschlichen Existenz. Auch Schimpfen und Fluchen könne durchaus helfen. So können andere feststellen, dass vieles kein individuelles Problem ist, sondern ein allgemeines, das man dann gemeinsam lösen kann. Bartlebys »Ich möchte lieber nicht« (Text und Hörbuch hier zum Download) wurde in jüngster Zeit vom Philosophen Slavoj Žižek positiv gedeutet. Doch Bartleby, sagt Juliane Marie Schreiber, sei nur bedingt Vorbild, da er die Verweigerungshaltung ad absurdum führe. Am Anfang sei er noch eine autonome Figur und durchaus Vorbild, am Ende habe er dies jedoch so konsequent umgesetzt, dass er daran sterbe. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Juliane Marie Schreiber, das Wolfgang Tischer am Rande des Literaricum Lech geführt hat, im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr.
21:09 19.07.2022
Raoul Schrott: Fader Literatur die Klassiker entgegenhalten - Literaricum 2022
Was ist das Literaricum? »Ein Literaturfest!«, sagt Raoul Schrott. Zusammen mit seinem Autorenkollegen Michael Köhlmeier hatte er die Idee zum Literaricum, das inhaltlich von der Literaturjournalistin Nicola Steiner kuratiert wird. Bereits seit vielen Jahren findet in Lech im Bundesland Vorarlberg in Österreich das Philosophicum statt. Im letzten Jahr kam dann zum ersten Mal mit dem Literaricum die Literatur hinzu. Das Besondere: Es geht nicht um aktuelle Bücher, sondern im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung steht jeweils ein Klassiker. Im letzten Jahr war es der Simplicius Simplicissimus, in diesem Jahr ist es die Erzählung »Bartleby, der Schreiber« von Herman Melville. Die Erzählung steht hier im literaturcafe.de komplett als Hörbuch als Text zum kostenlosen Download bereit. »Ich möchte lieber nicht«, ist der Ausspruch Bartlebys, der zum geflügelten Wort geworden ist. Verweigerung als Lösung? Positiv oder negativ? Verweigerung als Krankheit? Darüber und über andere Aspekte wurde in Lech vom 14. bis zum 16. Juli 2022 diskutiert. In der ersten Podcast-Folge aus Lech am Arlberg unterhält sich Wolfgang Tischer am Eröffnungsabend, an dem Elke Heidenreich die Eröffnungsrede hielt, mit dem Autor, Literaturwissenschaftler und »Erklärbär« Raoul Schrott über das Literaricum. Wie entstand die Idee? Warum Lech? Warum Klassiker? »Literatur ist in den letzten 30 Jahren fad und konformistisch geworden«, sagt Schrott. Das sei zwar so pauschal gesagt, wie man Literatur momentan vermarkte, doch in Lech wolle man dem bewusst die Klassiker entgegenhalten. Neben der Literatur wird im Gespräch auch auf die umliegenden Berge geschaut. Und Wolfgang Tischer spricht in dieser ersten Podast-Folge aus Lech zudem mit Bürgermeister Gerhard Lucian darüber, warum die Gemeinde die Literatur nach Lech holt.  Weitere Podcast-Folgen mit Elke Heidenreich, Nicola Steiner, Juliane Marie Schreiber, Thomas Sarbacher werden folgen. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Raoul Schrott im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr.
47:03 18.07.2022
Bachmannpreis-Podcast: Blick auf den Literaturwettbewerb 2022
Und warum hat die neue Form der Preisermittlung nicht funktioniert? Mehr Transparenz und Spannung bei der Preisvergabe wurde in diesem Jahr beim wichtigsten deutschsprachigen Literaturwettbewerb versprochen. Doch die Spannung blieb am Sonntag aus. Die Gewinner:innen wurden in diesem Jahr nicht per finaler Abstimmung vor der Kamera ermittelt, sondern allein aufgrund einer Punktewertung, die der Justitiar bekanntgab. Dass in der anschließenden Laudatio das einladende Jury-Mitglied den Text gut fand, versteht sich von selbst. Leider haben wir in diesem Jahr aber nicht erfahren, warum wer in der Jury abschließend für welchen Text gestimmt hat. Zwar war das Prozedere an sich gerechter, aber es fehlte die Dramaturgie. Zudem kam es in der Sendung immer wieder zu kleineren Ablauffehlern. Filmische Einspieler und unpassende Musik zogen die Zeremonie unnötig in die Länge. Vielleicht, so schlägt es Wolfgang Tischer im Podcast vor, kann man die Abstimmung per Punktesystem belassen, doch die Abgabe selbst erfolgt pro Jury-Mitglied nicht »über Nacht«, sondern begründet vor der Kamera. Wie beim Eurovision Song Contest würden sich nach und nach die Gewinner herausschälen. Damit die Jury nicht kurzfristig strategisch umentscheidet, hinterlegen die Jury-Mitglieder zuvor ihre Wertung in einem verschlossenen Umschlag beim Justitiar. Natürlich wären auf diesem Weg alle Preisträger auf einmal bekannt, doch das wäre nicht von Nachteil. Auch bei Sportwettkämpfen ist es nicht anders. Wichtiger ist, dass die fernsehgerechte Spannung zurückkehrt. Und sonst? Sind die Preise 2020 verdient vergeben worden? War die Performance von Mara Genschel originell? War das Jury-Team aufeinander eingespielt oder zu sehr im Flow? Und die typische Frage: Wie war der Jahrgang 2022? Andrea Diener von der FAZ und Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de blicken in einer ausführlichen Podcast-Folge auf die 46. Tage der deutschsprachigen Literatur zurück und analysieren den Literaturwettbewerb 2022. Hören Sie das ausführliche Gespräch im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr.
118:37 26.06.2022
Porträt im Podcast: Horst Ebner, Koordinator des Bachmannpreises
»Koordinator« – das klingt harmlos, umfasst aber einen großen Aufgabenbereich. Über das Jahr erfolgt die Koordination im Zweierteam, wenn der Literaturpreis dann in Klagenfurt stattfindet, arbeitet daran »ein Heer von Menschen«, wie Horst Ebner im Podcast erzählt. »Eigentlich«, so Ebner, »bin ich Kulturredakteur im Landesstudio Kärnten, zuständig für alles, vom Theater über Musik bis Malerei und dergleichen mehr.« Doch für den Bachmannpreis sei natürlich das ganze Jahr über was zu tun. Der jeweils neue Bewerb, wie man in Österreich so schön sagt, beginnt mit der Ausschreibung zum Bachmannpreis kurz vor Weihnachten. Ein besonderer Moment sei dann der Eröffnungsabend, an dem sich »dieser Zug in Bewegung setzt«. Nach zwei Jahren »Bachmannpreis spezial« ist 2022 wieder das Publikum dabei. Ebner und das technische Team rund um Regisseur Klaus Wachschütz haben Erhebliches geleistet. Gerade im ersten Corona-Jahr 2020 sei es im ORF-Studio »gespenstisch« gewesen, sagt Ebner im Gespräch. Dass man damals dennoch einen Preis hinbekommen habe, erfüllt Ebner auch heute noch mit großer Freude. Horst Ebner erläutert im Podcast, warum es in diesem Jahr für die Autor:innen eine Lesebühne im Garten gibt und was man sich vom neuen Abstimmungsprozedere erwartet. Welche Veränderungen werden die kommenden Jahre bringen? Es wird sich konsolidieren, und verbessern kann man immer, sagt Ebner. Und dann habe man noch zwei, drei Jahre Zeit, um sich auf das große Jubiläum vorzubereiten. 2026 wird der Bachmannpreis dann zum 50. Mal stattfinden. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Horst Ebner im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr.
14:53 24.06.2022
Zum Nachhören: Das literarische Buchhandlesquartett 2021
Am 27.11.2021 fand das literarische Buchhandelsquartett zum sechsten Mal statt, moderiert von literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer. Hören Sie den Mitschnitt im Podcast des literaturcafe.de und warum beim Quartett in diesem Jahr nur drei auf der Bühne saßen. Das literarische Buchhandelsquartett lehnt sich an das TV-Vorbild an, allerdings diskutieren in der Runde ausschließlich Buchhändlerinnen und Buchhändler über aktuelle Bücher. Obwohl in diesem Jahr strenge 2G+-Regeln galten und das Wetter überaus winterlich war, saßen zahlreiche Menschen im Publikum und verfolgten die lebhafte Diskussion auf der Bühne im Stuttgarter Haus der Wirtschaft. Bislang saßen dort vier Buchhändlerinnen und Buchhändler und Moderator Wolfgang Tischer. Um die Abstände einzuhalten, diskutierte Tischer diesmal in einer Doppelrolle selbst mit - kein Problem, denn Wolfgang Tischer ist ebenfalls gelernter Buchhändler. Eingeladen zur Buchdiskussion waren in diesem Jahr außerdem: Ninja Jardin, stellvertretende Filialleiterin der Buchhandlung Wittwer-Thalia in Stuttgart Barbara Knieling, Inhaberin der Buchhandlung »Lieblingsbuch« in Bietigheim-Bissingen Thomas Ott, Inhaber des Buchladens Erlkoenig in Stuttgart Leider war Herr Ott an diesem Abend dann nicht mit dabei, doch dankenswerterweise fasste er seine Buchbewertungen schriftlich zusammen, sodass dennoch seine eindeutigen Urteile über die Titel in der Diskussion zu hören waren. Den Abschluss machten nach der Diskussionrunde ebenfalls traditionell vier Buchtipps der Beteiligten.
97:02 30.11.2021
Mission Weltrettung: Dirk Rossmann über seinen Thriller »Der Zorn des Oktopus«
Ich will den Unternehmer Dirk Rossmann kennenlernen. Sein Buch »Der neunte Arm des Oktopus« ist keine Hochliteratur. Und selbst in Sachen Plot und Spannung konnte mich der Roman nicht überzeugen. Hat sich da ein Multimillionär und Drogeriekettengründer einen Traum erfüllt, einen Roman geschrieben und den Verkauf mit Fernseh- und Radiowerbung angekurbelt? Als die Buchhandlungen im letzten Lockdown-Winter schließen mussten, konnte er seinen Roman weiterhin in seinen Drogerien verkaufen. »Der neunte Arm des Oktopus« stand ganz oben auf der Bestsellerliste. Doch so einfach ist es nicht. Viele Leser:innen und selbst einige gestandene Kritiker:innen empfanden das Buch als lesenswert. Denn es ging darin um die Klimakrise und die Weltrettung. Rossmann erzählt die Geschichte, dass sich in nicht allzuferner Zukunft die USA, Russland und China zu einer Klima-Allianz zusammenschließen. Klima, Bevölkerungskontrolle und Abrüstung stehen im Fokus, und selbst Putin mutiert zum Gutmenschen, nachdem er einen Oktopus streichelt. Ein Jahr später, im Herbst 2021, erscheint das Nachfolgebuch »Der Zorn des Oktopus«. Das Buch spielt im Jahre 2029. Nachdem es 2025 einen vermuteten Anschlag auf die US-Präsidentin Kamilla Harris gab, gibt es auch im in Island angesiedelten Meta-Ministerium der Allianz merkwürdige Vorfälle. Ein kleiner Beamter, der sich bislang um Käsesorten gekümmert hat, wird zur Aufklärung entsandt. Rossmann ist mit seinen 75 Jahren noch ein drahtiger Mann, neugierig und aufgeschlossen. Seine Antworten sind geprägt aus einer Mischung von Bescheidenheit und großem Selbstbewusstsein. Das Trommeln und Werben in eigener Sache scheint sein langjähriger Freund Ralf Hoppe zu übernehmen. Hoppe ist Mitautor des zweiten Buches, betont aber, dass es vollkommen ok sei, dass Rossmanns Name auf dem Umschlag ein ganz klein wenig größer gedruckt sei. Hoppe ist Journalist, schrieb jahrelang für SPIEGEL und ZEIT und arbeitet u. a. als Scriptdoktor für Drehbücher. Sein Einfluss hat dem zweiten Buch gutgetan, denn als Thriller liest es sich wesentlich stimmiger als der Vorgänger-Band. Für ein Sachbuch hätte seine Expertise nicht ausgereicht, sagt Rossmann. Daher habe er die Meinung von Wissenschaftler lieber in einen Roman gepackt. Die Handlung von »Der neunte Arm des Oktopus« habe er ursprünglich geträumt. Bei der Zusammenarbeit an »Der Zorn des Oktopus« ging es da schon handfester zu und über einen Zeitraum von acht bis neun Monaten habe man drei bis viermal am Tag telefoniert und sich einmal in der Woche getroffen, berichtet Ralf Hoppe. Über die gemeinsame Arbeit erzählen die beiden Autoren ausführlich im Podcast des literaturcafe.de. Man glaubt Rossmann sofort sein Bedauern, dass man bei Lübbe über 100 Seiten am Manuskript gestrichen habe, denn sehr viel länger als 600 Seiten sollte der zweite Roman nicht werden. Und es wird deutlich: Dirk Rossmann hat eine Mission und eine Vision: die Welt und das Klima retten. Auf meine Frage, ob er eine Klima-Allianz, eine Art »Klima-Diktatur« wirklich für einen möglichen Weg halte, empfiehlt mir Rossman das Buch »Der Weg aus der Klimakrise« von Svend Andersen. Am Ende des Gespräches will ich zudem noch eines wissen: Im letzten Kapitel von »Der neunte Arm des Oktopus« taucht Rossmann als Figur im eigenen Roman auf. Sein Freund Gerhard Schröder soll Wladimir Putin den Roman übergeben. Ist Rossmann das im wahren Leben gelungen? Hören Sie auch hier die Antwort und das ausführliche Gespräch mit Dirk Rossmann und Ralf Hoppe im Podcast des literaturcafe.de, geführt am 22. Oktober 2021 auf der Frankfurter Buchmesse. Dirk Rossmann; Ralf Hoppe: Der Zorn des Oktopus: Roman. Gebundene Ausgabe. 2021. Lübbe. ISBN/EAN: 9783785728017.
37:13 26.10.2021
Lobbyland-Autor Marco Bülow (MdB): »Demokratie ist nicht nur eine Bringschuld vom Staat«
Am 26. September 2021 wird ein neuer Bundestag gewählt. Daher geht es in dieser Podcast-Folge um ein politisches und gesellschaftskritisches Buch. »Lobbyland – Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft« lautet der Titel des neuen Buches von Marco Bülow. Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de spricht mit dem Autor. Marco Bülow sitzt als Abgeordneter seit 2002 im Bundestag. Damals war er 31 Jahre alt. Als Kandidat der SPD für den Wahlkreis Dortmund I wurde er stets direkt gewählt. Jedoch galt er oftmals als aufmüpfig und war als Abgeordneter nicht ganz so stromlinienförmig angepasst wie andere. Im Jahre 2018 trat er schließlich aus der SPD aus. Wie viele in der SPD versprach er vor der letzten Bundestagswahl, dass es keine weitere große Koalition geben werde. Als die Meinung der SPD nach der Wahl kippte, war dies für ihn ein weiterer Grund, nach 26 Jahren Mitgliedschaft aus der SPD auszutreten. Nach zwei Jahren als parteiloser Abgeordneter trat er 2020 in die Partei »DIE PARTEI« ein. Von den Medien wird DIE PARTEI gerne als Spaßpartei oder Satirepartei bezeichnet. Ihr bekanntester Vertreter ist der EU-Abgeordnete Martin Sonneborn. Wir erwischen Marco Bülow für das Gespräch in seinem Wahlkreis in Dortmund, wo er jetzt als Kandidat für DIE PARTEI antritt. Wie sieht er nach dem Parteiwechsel seine Chancen für eine Wiederwahl? Würde er erneut direkt gewählt werden, säße er im Bundestag. Die Chancen, dass DIE PARTEI die Fünfprozenthürde überspringt, sind eher gering. Ganz ruhig, berichtet Marco Bülow, sei es im Parlament derzeit nicht. Die Lage in Afghanistan, die Flut im Ahrtal und immer noch Corona bedingen Sondersitzungen. Als fraktionsloser Abgeordneter gehöre man gar nicht zu den Hintersten der Hinterbänkler, musste Bülow feststellen. Man könne sich beispielsweise den Ausschuss selbst aussuchen, in dem man sitzt, während dies ansonsten die Fraktion vorgibt. Ebenfalls habe er Rederecht und könne bestimmen, worüber er im Bundestag rede. Fraktionen können einem schon einmal das Rederecht entziehen. Der sogenannte »Fraktionszwang« ist für Bülow einer der Dinge, die die Demokratie aushöhlen. Allerdings hüten sich alle davor, den Fraktionszwang als solchen zu benennen. Häufig ist von »Fraktionsdisziplin oder -solidarität« die Rede. Doch immer wieder gibt es Momente, in denen der »Zwang« offensichtlich wird. Doch die meisten Wählerinnen und Wähler kennen ihre Bundestagskandidatin oder ihren Kandidaten nur vom Wahlplakat. Gibt da der Fraktionszwang den Wählerinnen und Wählern nicht eine gewisse Sicherheit? Wen dem so wäre, so Bülow im Podcast, brauche man keine gewählten Abgeordneten mehr. Dann könne man auch Beamte in den Bundestag setzen, die nach Vorgabe der Fraktion oder Regierung abstimmen. Tatsächlich animiert der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow im Podcast dazu, sich öfters an seine:n Abgeordnete:n zu wenden. Denn Abgeordnete wollen vor allen Dingen ihre Ruhe haben, um sich ungestörter mit Lobbyisten zu treffen. Unruhe im Wahlkreis könne sinnvoll sein. Obwohl sich Marco Bülow für mehr Demokratie und mehr Freiheit der Abgeordneten einsetzt, sieht er keine Gefahr für Applaus von der falschen Seite: »Es ändert sich auch nichts, wenn man am 26. September zuhause bleibt und sich abschottet von diesem Wahlsystem und von der Demokratie. Demokratie ist nicht nur eine Bringschuld vom Staat, sondern auch immer wieder eine Verantwortung von der Bevölkerung.« In seinem Buch »Lobbyland – Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft« gibt Marco Bülow weitere Tipps, wie man sich mit demokratischen Mitteln für mehr Demokratie einsetzen kann. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Marco Bülow im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Marco Bülow; Martin Sonneborn (Vorwort): Lobbyland: Wie die Wirtschaft unsere Demokratie kauft. 2021. Das Neue Berlin.
33:19 30.08.2021
Hochgescheid und Toter Mann: Wie schreibt man über 101 Schwarzwaldgipfel?
Im Schwarzwald gibt es die höchsten Berge Deutschlands außerhalb der Alpen. 102 Gipfel befinden sich oberhalb von 1.000 Metern. Der Feldberg ist sicherlich der bekannteste von ihnen. Wobei: Eigentlich besteht »der Feldberg« aus insgesamt drei Erhebungen, erzählt Birgit-Cathrin Duval. Für die Reihe »101 Highlights« des Verlags Oertel + Spörer hat sie den Reihentitel wörtlich genommen und insgesamt 101 Höhen im Südschwarzwald beschrieben. Ein reiner Wanderführer sollte es von Anfang an nicht werden. Wie kamen Berge wie »Hünersedel«, »Knöpflesbrunnen«(!) oder »Hochgescheid« zu ihren Namen? Welche gruselige Geschichte steckt hinter dem Namen »Toter Mann«? Die Autorin ist buchstäblich den Namen nachgegangen, bestieg die Höhen und stieg in die Archive hinab, um den Bergen auf den Grund zu gehen. Es ist klar, dass die einfachste oder naheliegende Wortbedeutung nicht unbedingt die richtige ist. In der Abenddämmerung sitzen Birgit-Cathrin Duval und Wolfgang Tischer im Südschwarzwald vor den Mikrofonen, und die Autorin berichtet im Podcast des literaturcafe.de von ihren Recherchen und welche 101 Gipfel es in ihr Buch geschafft haben. Interessant ist zudem die Frage, wie Birgit-Cathrin Duval das umfangreiche Recherche-Material bewältigt hat. Sehr bald reichte der Büroschreibtisch für die vielen Bücher und Karten nicht mehr aus. Neben den Texten und Infos stammen – bis auf wenige Ausnahmen -, alle Fotos im Buch ebenfalls von der Autorin. Langweilige Wegbeschreibungen gibt es in den »Gipfeltouren Südschwarzwald« nicht. Aber auch keine downloadbaren GPS-Routen. Birgit-Cathrin Duval rät zum Abenteuer. Warum nicht mal eine alte Wanderkarte nutzen? Warum nicht mal in einen unbekannten Weg abbiegen, obwohl es vielleicht nicht der direkteste Weg zum Gipfel ist? Wenn man Birgit-Cathrin Duval im Podcast erzählen hört, wird schnell klar: Sie kam beim Schreiben nie in die Verlegenheit, dass sich die Bergbeschreibungen wiederholen, denn jeder Gipfel ist einzigartig. Hören Sie das ausführliche Gespräch im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Duval; Birgit-Cathrin: Gipfeltouren Südschwarzwald | 101 Highlights entdecken und erleben. Taschenbuch. 2021. Oertel u. Spörer. ISBN/EAN: 9783965550728.
46:35 13.08.2021
Bachmannpreis 2021: Jury-Stimmen nach der Preisverleihung
In dieser letzten Folge des Bachmannpreis-Podcasts 2021 blicken Andrea Diener auf Preise und Preiträger:innen. Vier Jurypreise und ein Publikumspreis sind vergeben. Juror Klaus Kastberger hat Nava Ebrahimi zum Wettbewerb eingeladen. Er hofft, die Preisträgerin heute noch in Graz persönlich zu treffen und ihr zu gratulieren. Bereits in seiner Laudatio betonte Kastberger, dass er sich freue, dass dieser nicht so ganz einfach zu lesende Text den Preis bekommen habe. »Wenn man diesen Text als realistischen Text liest, dann funktioniert er nicht«, sagt Kastberger im Podcast-Gespräch. Verlief die Jury-Diskussion in diesem Jahr ohne Publikum anders? Ja, sagt Kastberger. Aufgrund des komplett fehlenden Literaturbetriebs verbrachten die Jury-Mitglieder auch außerhalb des Studios mehr Zeit miteinander. »Ich habe den anderen zugehört wie noch nie«, sagt Kastberger. Und: »Das Sozialverhalten der Jury ist ein anderes«, wenn kein Publikum im Saal sei. »Showkämpfe« vor der Kamera seien normal. Insa Wilke, die vom Publikum zur beliebtesten Jurorin des Jahres 2021 gewählt wurde, war von der Diskussionsatmosphäre ebenfalls sehr angetan, und auch Kollegin Brigitte Schwens-Harrant erkennt zwar unterschiedliche literaturkritische Herangehensweisen der Juror:innen, aber das gehe »gut zusammen«. Neu-Jurorin Mara Delius geht ebenfalls bereichert nach Hause. Im Podcast erzählt sie, wie sie sich auf den Wettbewerb mit seinen Diskussionen vorbereitet hat und was sie für ihre zukünftige Arbeit als Literaturkritikerin aus Klagenfurt mitnimmt. In dieser Podcast-Folge sind noch zwei ganz andere Stimmen zu hören: der freie Fotograf Johannes Puch dokumentiert für den ORF die Tage der deutschsprachigen Literatur seit 20 Jahren. Seine Fotos werden von fast jeder Bildredaktion verwendet. Was war die fotografische Herausforderung in diesem Jahr mit seinen alles erfassenden Fernsehkameras? Eine wichtige Rolle beim Wettbewerb spielt auch der Klagenfurter Stadtjustitiar Andreas Sourij. Er überwacht am Eröffnungstag die Ziehung der Lesereihenfolge und am Sonntag die Abstimmungen für die vier Jury-Preise. Mit Moderator Christian Ankowitsch liefert er sich dabei immer wieder einen verbalen Schlagabtausch. Am Ende dieser Podcast-Folge gesteht der Herr Magister seine Liebe für eine ganz besondere Art von Büchern. Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Podcasts, Deezer und überall, wo es Podcasts gibt, um keine Folge aus Klagenfurt zu verpassen!
60:39 20.06.2021
Bachmannpreis 2021: Der 3. Lesetag unter Preisverdacht im Podcast
Nach zwei Tagen und zehn Texten war gestern die Lage uneinheitlich. Necati Öziri und Anna Prizkau konnte man ein klein wenig als Favoriten ausmachen. Doch ein richtig starker Text mit Preisgarantie zeichnete sich noch nicht ab – auch nicht auf Basis der Jury-Diskussionen. Vier Texte verblieben noch für Tag 3, den Samstag. Und dann begann der Tag mit »Gewässer im Ziplock« von Dana Vowinckel, in diesem Jahr die jüngste Teilnehmerin beim Bachmannpreis. Es geht um drei Generationen einer jüdischen Familie. Der Vater arbeitet in einer Gemeinde in Berlin, die Tochter ist bei ihren Großeltern in den USA. Es geht in vielfältiger Weise um Entscheidungen, und die Erzählperspektive wechselt zwischen Vater und Tochter. Ein Text, der viele aktuelle Themen aufgreift, doch nicht von vorn herein eindeutig wertend oder wegen des Effekts. Vieles bleibt wohltuend offen, und die Autorin hat bestätigt, dass aus diesem Text ein Roman werden soll. »Gewässer im Ziplock« überzeugte auch durch die sprachliche Ausarbeitung, wenngleich an diesem Text noch Feinschliff notwendig ist, wie die Jury anmerkte, die sich ansonsten einhellig begeistert zeigte. Nach dem schwächsten Text dieses dritten Tages von Timon Karl Kaleyta las dann Nava Ebrahimi. Es gehört zu den Zufällen des Wettbewerbs, dass oftmals ähnliche oder vermeintlich ähnliche Settings aufeinandertreffen. Auch hier spielt der Text in den USA, auch hier geht es um Emigration und Familienbeziehungen. Der Text von Nava Ebrahimi überzeugte durch seine vielschichtige Lesart, zu der auch der mehrfache Bruch der Handlungsebene beiträgt. Am Ende dann Nadine Schneider mit der Schilderung eines vermeintlichen Dorfidylls, unter dem Abgründe lauern. Hier blieb die Jury jedoch im Urteil uneinheitlich. Ein zeitloser Text mit Blick in Abgründe oder gerade durch seine Zeitlosigkeit wenig zeitgemäß? Die Lesenden dieses 3. Tages im Überblick: Dana Vowinckel, eingeladen von Mara Delius Timon Karl Kaleyta, eingeladen von Michael Wiederstein Nava Ebrahimi, eingeladen von Klaus Kastberger Nadine Schneider, eingeladen von Brigitte Schwens-Harrant Alle Texte können auf der Website des ORF kostenlos heruntergeladen und nachgelesen werden. Andrea Diener und Wolfgang Tischer blicken im Bachmannpreis-Podcast auf die vier Texte des dritten und letzten Lesetages und überlegen, welche sieben von 14 Texten es morgen nach einer ersten noch nicht öffentlichen Punktevergabe auf die Shortlist schaffen werden. Nur diese verbleibenden sieben Autorinnen und Autoren haben dann noch eine Chance auf die vier Jurypreise, die am Sonntagmorgen um 11 Uhr in einer öffentlichen Abstimmung ermittelt werden, darunter der Hauptpreis, der von der Stadt Klagenfurt gestiftete Bachmannpreis, dotiert mit 25.000 Euro. Außerdem wird am Sonntag der Publikumspreis vergeben, über den die Zuschauer:innen auf der Website des Bewerbs abstimmen konnten. Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Podcasts, Deezer und überall, wo es Podcasts gibt, um keine Folge aus Klagenfurt zu verpassen!
47:47 19.06.2021
Bachmannpreis 2021: Mit Tingler und Tischer an Tag 2 auf der Terrasse
Am Freitag, 18. Juni 2021, dem zweiten Lesetag beim Bachmannpreis in Klagenfurt, haben folgende Autorinnen und Autoren gelesen: Leander Steinkopf, eingeladen von Vea Kaiser Anna Prizkau, eingeladen von Philipp Tingler Verena Gotthardt, eingeladen von Mara Delius Lukas Maisel, eingeladen von Philipp Tingler Fritz Krenn, eingeladen von Klaus Kastberger Es waren durchaus Texte dabei, bei denen sich ein zweiter Blick und ein eigenes Nochmal-Lesen lohnen. Wie experimentell oder artifiziell ist ein Text mit wenig Verben? Wie originell kann man die Liebe in den Zeiten von Tinder schildern? Und wie gelangen scheinbar tollwütige Hunde in einen Text? Andrea Diener und Wolfgang Tischer können unmittelbar nach der Lesung nicht immer ein sicheres Urteil finden. Dafür herrscht bisweilen Irritation über den literarischen Zugang bei einem bestimmten Jury-Mitglied. Im ersten Teil dieser Podcast-Folge werden wieder die Texte und die Diskussionen darüber beleuchtet, wenngleich es bislang schwierig ist, klare Preisfavoriten auszumachen. Hängt alles am morgigen Samstag, an dem die letzten vier Text zu hören sein werden? Nach der Analyse und dem Blick auf den zweiten Lesetag hat sich Wolfgang Tischer mit Juror Philipp Tingler getroffen, um über sein Verständnis von Literatur und Literaturkritik zu sprechen. Nicht unerwähnt bleiben muss, dass Tingler ziemlich genau vor 20 Jahren beim Bachmannpreis auf der anderen Seite saß und als Autor einen Text präsentiert hat. Wie’s u. a. mit Juror Denis Scheck verlief, lässt sich im Website-Archiv des ORF nachlesen. Und wie verlief bei Philipp Tingler der Weg vom Ökonomen zum Autor zum Kritiker? Hören Sie es im Bachmannpreis-Podcast des literaturcafe.de. Morgen am Samstag gibt es erneut die inoffizielle Abstimmung zur beliebtesten Bachmann-Jurorin oder zum beliebtesten Bachmann-Juror. Die Abstimmung öffnet sich im literaturcafe.de unmittelbar nach der letzten Diskussion. Bis ca. um Mitternacht von Samstag auf Sonntag kann abgestimmt werden. Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Podcasts, Deezer und überall, wo es Podcasts gibt, um keine Folge aus Klagenfurt zu verpassen!
96:01 18.06.2021
Bachmannpreis 2021: Larifari am Tag 1 und mit Hubert Winkels über die Rede reden
Einige Begriffe musste man erst googeln. Die gestrige Eröffnungsrede (Link zum Text) von Hubert Winkels war nicht einfach zu verstehen. Umso schöner, dass sich Hubert Winkels für den Podcast des literaturcafe.de noch einmal die Zeit genommen hat, um seine Auffassung von Literaturkritik zu erläutern. Was muss die Literaturkritik leisten und warum ist sie für Winkels keine Volkspädagogik? Nach dem Gespräch mit Hubert Winkels sprechen Andrea Diener und Wolfgang Tischer über die fünf Lesungen des ersten Tages, Donnerstag, 17. Juni 2021, und die anschließende Jury-Diskussion. Und am Schluss gibt es noch eine gesonderte Wertung der Jury-Arbeit. Am ersten Tag haben gelesen: Julia Weber Heike Geißler Necati Öziri Magda Woitzuck Katharina Ferner Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Podcasts, Deezer und überall, wo es Podcasts gibt, um keine Folge aus Klagenfurt zu verpassen!
110:52 17.06.2021
Bachmannpreis-Eröffnung: Mehr Ingeborg in Klagenfurt und über die Rede reden
»Man hütet sich, Fragen zu stellen, bei soviel offenkundiger Sinnlosigkeit.« Läuft man im Juni 2021 durch die Fußgängerzone in Klagenfurt, so ist wieder deutlich sichtbar: es ist Bachmannpreis oder die »45. Tage der deutschsprachigen Literatur«, wie der Literaturwettbewerb am Wörthersee offiziell heißt. Überall hängen die roten Banner mit einem Zitat Bachmanns aus einem Brief an Paul Celan: »Man hütet sich, Fragen zu stellen, bei soviel offenkundiger Sinnlosigkeit.« In der Tourist-Info ist das Zitat auch als Postkarte zu haben. Das Zitat ist zudem auf den Klappliegen zu lesen, die ebenfalls wieder traditionell vor einigen Geschäften stehen. Im letzten Jahr gab es weder Banner noch Liegen. Und sie ist tatsächlich da, die siebenköpfige Jury. Mit etwas mehr Abstand sitzt sie im Studio des ORF Kärnten. Nicht mehr da ist Bürgermeisterin Mathiaschitz. Sie wurde im März 2021 abgewählt, und ihr Nachfolger Christian Scheider ist gleichzeitig ihr Vorgänger im Amt. In einem eingespielten Video am Eröffnungsabend betont er, wie wichtig der Literaturwettbewerb für die Stadt sei. Alles fast wie immer - und doch nicht Der Eröffnungsabend verläuft fast wie immer, doch es fehlen die 14 lesenden Autorinnen und Autoren, die wie im Vorjahr nicht live im Studio lesen werden. Auch das Saalpublikum muss 2021 leider noch draußen bleiben. Wie auch schon in Podcast des literaturcafe.de bedauert dies die neue Jury-Vorsitzende Insa Wilke in ihrer kurzen Antrittsrede. Dabei sei die persönliche Begegnung doch so wichtig. Man hofft also wieder einmal auf das nächste Jahr. Dass der im letzten Jahr ausgeschiedene Jury-Vorsitzende Hubert Winkels in diesem Jahr die traditionelle »Klagenfurter Rede zur Literatur« halten wird, war schon im Vorjahr ausgemacht. Doch auch Winkels war nicht vor Ort, seine im Titel leicht variierte »Klagenfurter Rede zur Literaturkritik« wurde ebenfalls voraufgezeichnet als Video eingespielt. Eine Rede, die es in sich hatte, war doch ihr Inhalt und ihre Aussagen hinter langen Sätzen und vielen Fachbegriffen verborgen, die selbst von versierten Literaturkritikern erst einmal ergoogelt werden mussten. Ein Gespräch mit Hubert Winkels über seine Rede wird in der morgigen Podcast-Folge zu hören sein. Andrea Diener, langjährige Bachmannpreis-Beobachterin und FAZ-Bücherpodcasterin, und Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de blicken in dieser Podcast-Folge auf den Eröffnungsabend und das, was da kommen mag. Welche Autorinnen und Autoren sind Andrea Diener schon bekannt. Was ist von ihnen zu erwarten? Was ist von den beiden neuen Jury-Mitgliedern Vea Kaiser und Mara Delius zu erwarten. Und schließlich: Was wollte uns Hubert Winkels mit seiner Rede sagen? Hören Sie die Analyse über den Podcast-Player unten oder überall, wo es Podcasts gibt. Am Donnerstag, 17. Juni 2021 beginnt der erste Lesetag. Lesungen und Jury-Diskussionen sind ab 10 Uhr im Fernsehen auf 3sat und per Livestream auf bachmannpreis.orf.at zu sehen. Auch morgen werden anschließend Andrea Diener und Wolfgang Tischer den ersten Lesetag im Podcast analysieren. Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Podcasts, Deezer und überall, wo es Podcasts gibt, um keine Folge aus Klagenfurt zu verpassen!
49:32 16.06.2021
Podcast: Kritikerin Insa Wilke über den Bachmannpreis spezial 2021
In Folge 1 blicken wir mit Insa Wilke nach vorn und zurück. Andrea Diener, langjährige Bachmannpreis-Beobachterin und FAZ-Bücherpodcasterin, und Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de kommentieren nächste Woche wieder täglich die Lesungen und Diskussionen. Diener ist vom heimischen Sofa aus mit dabei. Die Lesungen werden wie immer im Fernsehen auf 3sat und über die Website des Bachmannpreises per Stream übertragen. Wolfgang Tischer ist direkt vor Ort in Klagenfurt. Obwohl leider auch in diesem Jahr noch kein Saal-Publikum beim ORF zugelassen ist, gibt es hoffentlich Gelegenheit, einige Jury-Mitglieder nach den Diskussionen persönlich für den Podcast vors Mikro zu bekommen. Die erste Podcast-Folge wird es spät am 16. Juni 2021, dem Eröffnungsabend, geben, an dem auch die Lesereihenfolge ausgelost wird. Vom 17. bis zum 19. wird dann von 10 bis 15:30 Uhr gelesen und diskutiert, und am Sonntag, 20. Juni 2021, stimmt dann die Jury öffentlich darüber ab, wer von der 14 Autor:innen den mit 25.000 Euro dotierten Bachmannpreis erhält. Leider sind die Lesenden auch in diesem Jahr nicht vor Ort, sondern zugeschaltet. Wie berichtet übernimmt in diesem Jahr Insa Wilke den Jury-Vorsitz vom ausgeschiedenen Hubert Winkels. Literaturkritikerin Insa Wilke über den Bachmannpreis spezial In dieser ersten Folge des Bachmann-Podcast spricht Wolfgang Tischer mit Insa Wilke über den Bachmannpreis. Seit 2018 ist die Literaturkritikerin Insa Wilke Mitglied der Jury. Im letzten Jahr wurde sie in einer Abstimmung im literaturcafe.de zum zweiten Mal zur beliebtesten Bachmann-Jurorin gewählt. Es wird Zeit, im Podcast persönlich zu gratulieren. Ebenso gratuliert Tischer, dass Insa Wilke im letzten Jahr die 80-jährige Helga Schubert nach Klagenfurt eingeladen hat, die dann den Preis auch gewonnen hat und die derzeit mit ihrem daraufhin entstandenen Buch »Vom Aufstehen« einhellig von der Kritik gelobt wird. Doch Insa Wilke gibt sich im Podcast bescheiden: nicht sie habe Helga Schubert (wieder)entdeckt, sondern Thomas Geiger vom Literarischen Colloquium in Berlin habe Wilke auf die Autorin aufmerksam gemacht, die in den 1980er-Jahren selbst in der Jury saß. Insa Wilke berichtet im Podcast, wie sie ansonsten auf Autor:innen für den Bewerb aufmerksam wird und dass sie neben Eigeninitiative natürlich alle Einsendungen lese. Wie empfand Insa Wilke im letzten Jahr die rein digitale Jury-Diskussion aus der Ferne? Was vermisst sie am meisten? Welche Rolle spielt das umblätternde Bachmann-Publikum, das es hoffentlich im kommenden Jahr wieder geben wird? Und welche Aufgaben hat man als Jury-Sprecherin? Mara Delius und Vea Kaiser sind in diesem Jahr neu in der Jury mit dabei. Zusammen mit Brigitte Schwens-Harrant überwiegen in diesem Jahr die Frauen in der Jury. Aber sollte man Männer und Frauen wirklich zählen? Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Insa Wilke in dieser Vorab-Folge, und freuen Sie sich auf den täglichen Bachmannpreis-Podcast ab dem 16. Juni 2021 – direkt aus Klagenfurt am Wörthersee. Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de Abonnieren Sie den Podcast des literaturcafe.de auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts, Amazon Podcasts, Deezer und überall, wo es Podcasts gibt, um keine Folge zu verpassen!
21:18 12.06.2021
Podcast mit Heribert Prantl: Nach dem Jahr der Virologen wird ein Jahr der Gerichte beginnen
Im Podcast des literaturcafe.de wird Prantl leiser: Wir brauchen eine große Bilanz. Heribert Prantl gehörte viele Jahre lang zur Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Vor seiner journalistischen Laufbahn war der studierte Jurist Richter und Staatsanwalt. Doch das Wort »Ruhestand« mag Prantl gar nicht. Wöchentlich schreibt er für die Zeitung seinen Newsletter »Prantls Blick« und regelmäßige Beiträge in der Printausgabe der Süddeutschen. Nachdem er keine Redaktionssitzungen leiten müsse, käme nach der Pflicht nun die Kür. Den Wechsel von der Juristerei in den Journalismus habe er nie bereut. In seinem Buch »Not und Gebot« (siehe Rezension) kritisiert Heribert Prantl immer wieder die massiven Grundrechtseinschränkungen im Rahmen der Anti-Corona-Maßnahmen. Nie hätte er sich in seinem ganzen Berufsleben vorstellen können, dass wir über eine solche »Quarantäne von Grundrechten« reden würden. Im ausführlichen Podcast-Gespräch mit Wolfgang Tischer bekräftigt Prantl die Aussagen aus seinem Buch: »Ein Grundrecht steht mir zu – ohne jede Voraussetzung. Es hält ein Denken Einzug, dass ich mir die Grundrechte erwerben muss durch eine bestimmte Leistung.« Wenn man sich freue und wenn man lobe, was gerade an Lockerungen passiere, dann setze man immer voraus, dass die Beschränkungen der Grundrechte in toto richtig waren, so Prantl. »Aber sie waren nicht richtig und rechtmäßig!«, wettert Prantl im Podcast des literaturcafe.de. Heribert Prantl kritisiert, dass das Bundesverfassungsgericht in dieser Woche keine eindeutige Eilentscheidung zu den Grundrechtseinschränkungen getroffen habe. Prantl: »Ich werfe dem Bundesverfassungsgericht vor, dass es in der Eilentscheidung diese Ausgangsbeschränkungen zunächst akzeptiert hat und gesagt hat, das mache ich in der Hauptentscheidung – irgendwann. Das Bundesverfassungsgericht geht mit tiefgreifenden Grundrechtseinschränkungen um, als hätte es über eine Lärmschutzvereinbarung für Rasenmäher zu entscheiden. Das ist für 08/15-Entscheidungen richtig, aber wir leben nicht in 08/15-Zeiten.« In seinem Buch »Not und Gebot« und im literaturcafe.de-Podcast stellt Prantl außerdem fest: »Wir dürfen die Grundrechte nicht mit den Rechtsaußen-Leuten und mit der AfD und den ganzen Verschwörungsmystikern alleine lassen. Die Grundrechte haben das nicht verdient, dass sie – vermeintlich – von Rechtsaußen verteidigt werden. Das ist mir unheimlich!« Aber wie kann man gegen die Maßnahmen demonstrieren und protestieren, ohne mit Aluhutträgern, mit Esoterikern oder mit Rechten in einen Topf geworfen zu werden? »Wer wirft denn in einen Topf?«, fragt Heribert Prantl. »Das machen doch die Medien.« Prantl hätte sich von vielen Kolleginnen und Kollegen eine breitere Darstellung gewünscht. Es sei zu viel Hysterie und Angstmacherei im Spiel gewesen. Das Argument vom »Beifall von der falschen Seite« sei kein Argument, sondern es blockiere den Austausch von Argumenten – und zwar »zugunsten von AfD und den rechten Typen«. Prantl sieht eine Polarität in der Gesellschaft, wie er sie noch nie erlebt habe, selbst bei ähnlichen argumentativen Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Immer wieder werden die Maßnahmen verlängert und die Geschichte habe gezeigt, dass »aus Ausnahmegesetzen Alltagsgesetze wurden«. »Wir brauchen jetzt eine große Bilanz«, fordert Heribert Prantl, um all das zu analysieren, was falsch gelaufen ist. Auch wenn der Auftakt des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Eilentscheidung nicht der beste war, glaubt Prantl, dass »nach dem Jahr der Virologen ein Jahr der Gerichte beginnt«. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Heribert Prantl im Podcast des literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Außerdem stellen wir Ihnen den Zoom-Videomitschnitt des Gesprächs vom 7. Mai 2021 an dieser Stelle zur Verfügung. Viel Spaß beim Hören!
58:19 08.05.2021
Podcast: Joachim Zelter über »Die Verabschiebung« - Wir alle suchen einen Platz
Ein Mann wird ins Ausland abgeschoben, obwohl er mit einer Deutschen verheiratet ist. In »Die Verabschiebung« verarbeitet Joachim Zelter die Geschichte seiner Schwester und seines Schwagers, und im Podcast des literaturcafe.de erzählt er von der Entstehung des Romans. Wie wirklich ist Literatur? Man kennt diesen Satz aus Kinofilmen: »Basierend auf einer wahren Begebenheit«. DIESER ROMAN IST EINE FIKTION. DARIN LIEGT SEINE WAHRHEIT. ES HANDELT SICH UM EINE LITERARISCHE, MENSCHLICHE UND GESELLSCHAFTLICHE WAHRHEIT, NICHT UM DIE FAKTENGETREUE WIEDERGABE TATSÄCHLICHER EREIGNISSE. So ist es in einer knappen Vorbemerkung zu Joachim Zelters Roman »Die Verabschiebung« zu lesen. Sie kamen abends, um ihn zu holen. Er musste seine Sachen packen, innerhalb von Minuten. Von seiner Frau, die gerade ihren Vater besuchte, konnte er sich nicht mehr verabschieden. Er wurde nach Frankfurt in ein Sammellager gebracht und abgeschoben, obwohl er in Deutschland verheiratet war. Der grundrechtlich garantierte Schutz der Ehe schien nicht zu gelten. So schildert Joachim Zelter eine Abschiebung. Er schildert zuvor auch die Inspektion der gemeinsamen Wohnung durch einen Beamten des Ausländeramtes. Alles wird sprachlich umgedreht. Zelter, schon immer ein Meister des Repetitiven und der dichten Dialoge, zeigt die beklemmende Absurdität. Doch »Die Verabschiebung« ist ernster und in der Grundstimmung trauriger als seine bisherigen Romane. Ist der Beamte Zöllner eine Karikatur? Oder ist er, wie Zelter sagt, »bis zur Kenntlichkeit entstellt«? Der reale Fall, der diesem Roman zugrund liegt, sorgte im letzten Jahr in Tübingen für viel Aufsehen. Es gab eine Berichterstattung, es gab Leserbriefe, es gab Demos. Es ist der Ehemann von Zelters Schwester, der abgeschoben wurde. Auch im Buch gibt es einen Bruder, der der Schwester helfen will. Zelter bezeichnet »Die Verabschiebung« als Diskursroman. Zelter will die Diskussion anregen, aber nicht eindeutig lenken. So lässt der Roman Vieles offen und Raum für unterschiedliche Positionen. Er selbst, sagt Joachim Zelter im Gespräch, könne sich sogar in den Beamten Zöllner versetzen. Auch in dieser Figur stecke ein Teil von ihm. Der Roman ist Fiktion und setzt unterschiedliche Fälle zusammen. Er stehe exemplarisch nicht nur für einen pakistanischen Staatsbürger, der unbedingt in Deutschland leben möchte, sondern er steht am Ende für uns alle, die wir sehr verzweifelt – oder auch nicht so verzweifelt – nach einem Platz suchen, sagt Zelter im Podcast. »Die Verabschiebung« ist ohne Frage seit langem Zelters bester und bewegendster Roman. Wolfgang Tischer sprach mit Joachim Zelter. Beide waren Sie Mitte April 2021 vor Ort in Stuttgart, als die neue Edition Klöpfer im Krömer Verlag vorgestellt wurde, in der auch Zelters Roman erschienen ist. Es war eine Live-Bühnenveranstaltung im Stuttgarter Hospitalhof, die jedoch ohne Publikum stattfinden musste und gestreamt wurde. Hören Sie das ausführliche Gespräch mit Joachim Zelter im Podcast des literaturcafe.de. Darin liest Joachim Zelter auch einen Ausschnitt aus seinem Buch. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Viel Spaß beim Hören! Zelter, Joachim: Die Verabschiebung: Roman (Edition Klöpfer). Gebundene Ausgabe. 2021. Alfred Kröner Verlag. ISBN/EAN: 9783520752017
55:11 24.04.2021
Podcast: Tom Hillenbrand über Montecrypto, das Schreiben und den Bitcoin
Wieder einmal wurde der Podcast live vor (virtuellem Publikum) aufgezeichnet. Das Gespräch zwischen literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer und Tom Hillenbrand war live auf YouTube zu sehen und kann dort auch noch weiterhin angesehen werden. Gleichzeitig steht der Mitschnitt als Podcast zur Verfügung. Leider gab es bei YouTube Tonausfälle, in dieser Podcast-Folge ist das Gespräch ohne Störungen zu hören. Aktueller und spannender könnte ein Tech-Thriller nicht sein: Während der Kurs der Digitalwährung Bitcoin nicht zuletzt durch die Investitionen von Elon Musk in ungeahnte Höhen steigt,  liefert Tom Hillenbrand das passende Buch. In der Tradition von Michael Crichton verbindet Tom Hillenbrand gekonnt Spannung mit Technik-Themen. Im Podcast berichtet er, wie dies gelingen kann, ohne mit Fakten zu langweilen. Start-up-Unternehmer Greg Hollister stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Sein Vermögen soll er in der Kryptowährung Bitcoin angelegt haben. Ein wilder Haufen Schatzsucher will das Digitalgeld finden, bevor ein Finanzskandal die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen könnte. Privatermittler Ed Dante wird von der Schwester des verstorbenen Unternehmers beauftragt, das Digitalvermögen zu finden. Zusammen mit der Bloggerin Mercy Mondego macht sich Dante schließlich auf den Weg zu einer Konferenz nach Las Vegas. Kann man einen digitalen Schatz in der Wüste vergraben? Im Podcast liest Tom Hillenbrand auch zwei Ausschnitte aus dem Thriller. Im Gespräch geht es dann natürlich auch allgemein um den Bitcoin und das Thema digitale Währungen. Welche Bedeutung werden sie in Zukunft haben, nachdem bereits jetzt der Run auf das Digitalgeld enorm ist. Hören Sie im Podcast des literaturcafe.de das ausführliche Gespräche mit Tom Hillenbrand. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Viel Spaß beim Hören!
105:05 09.04.2021
Podcast: Moritz Heger über seinen Roman »Aus der Mitte des Sees«
Seit 16 Jahren lebt Lukas als Mönch in einem Benediktinerkloster. Doch dann geschehen Dinge, sie seine einst getroffene Entscheidung ins Wanken bringen. Moritz Heger hat einen Roman über das Leben im Kloster und das Schwimmen im Wasser geschrieben. Was fasziniert den Autor und was fasziniert die Menschen - trotz allgemeiner Kirchenskepsis - auch heute noch am Kosterleben? Und wie entscheidet sich Lukas? Zusammen mit seinem Freund aus Kindheits- und Jugendtagen ist Lukas einst ins Kloster gegangen. Doch dann verlässt ihn sein Freund. Er zieht nach Berlin, hat Frau und Kind. Ein Verrat an der gemeinsamen Entscheidung? Lukas ist fast 40, als »Gastbruder« ist er für die Betreuung der weltlichen Gäste zuständig, die eine Auszeit im Kloster nehmen. Lukas selbst sucht sich seine Auszeiten im nahe gelegenen Badesee. Doch dann kommt »aus der Mitte des Sees« eine Frau, eine Schauspielerin zu ihm an den Steg geschwommen. In einer leicht wirkenden und lyrischen Sprache erzählt Moritz Heger über einen kurzen Zeitraum des Klosterlebens, der Lukas viele Entscheidungen abverlangt. Lebensentscheidungen. Moritz Heger hat seinen ersten Roman »In den Schnee« 2008 im Verlag Jung und Jung veröffentlicht. »Aus der Mitte des Sees« ist sein erstes Buch im Diogenes Verlag. Aktuell - im März 2021 - führt ein anderer im literaturcafe.de bereits besprochener Roman die Bestsellerliste an. Im Podcast des literaturcafe.de blicken Moritz Heger und Wolfgang Tischer gemeinsam auf den Roman »Aus der Mitte des Sees«, seine Figuren, seine Sprache, seine Konstruktion und die Frage, was die Figur eines Mönches auch heute noch für uns so interessant macht, selbst wenn man nicht mit der (katholischen) Kirche am Hut haben sollte. Zudem liest Moritz Heger einen Ausschnitt aus seinem Werk. Hören Sie im Podcast des literaturcafe.de das ausführliche Gespräche mit Moritz Heger. Heger, Moritz: Aus der Mitte des Sees. Gebundene Ausgabe. 2021. Diogenes. ISBN/EAN: 9783257071467. Der Podcast des literaturcafe.de ist auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Viel Spaß beim Hören!
44:01 20.03.2021
Podcast: Zweimal »Laufen« mit Isabel Bogdan – und einmal Helgoland
Herbst 2019. Die Autorin und Übersetzerin Isabel Bogdan veröffentlicht beim Verlag Kiepenheuer & Witsch ihren zweiten Roman. Nach dem Debüt und Bestseller-Erfolg »Der Pfau« folgt »Laufen«. Die namenlose Protagonistin beginnt wieder mit dem Laufen, dem Joggen. Gleichzeitig muss sie einen Trauerfall im allerengsten Umfeld verarbeiten. Isabel Bogdan schildert den Lauf- und Trauerprozess in einem nahezu atemlosen inneren Monolog. Oktober 2019. Isabel Bogdan und Wolfgang Tischer treffen sich auf der Frankfurter Buchmesse, um für den Podcast des literaturcafe.de über den Roman und seine Entstehung zu sprechen. Es ist ein gutes, ein entspanntes Gespräch am Verlagsstand von Kiepenheuer & Witsch. Im Hintergrund sind die Menschenmassen in der Messehalle zu hören. Eineinhalb Jahre später ein fast unwirkliches und ungewohntes Stimmenrauschen. Doch aus irgendeinem Grund, der nicht zu benennen ist, geht das Gespräch seinerzeit im Podcast des literaturcafe.de nicht online. Frühjahr 2021. Der Roman »Laufen« erscheint als Taschenbuch, ebenfalls im Verlag Kiepenheuer & Witsch, und wird in den sozialen Medien wieder viel beachtet. Ist irgendwann die Hardcover-Käuferschicht gesättigt, die das Buch im festen Einband, mit Schutzumschlag und Lesebändchen lesen und besitzen möchte, kommt in der Regel ein Jahr später die günstigere Taschenbuchversion auf den Markt, um die zu erreichen, die sich die gebundene Ausgabe nicht leisten wollen oder können. Und auf der Festplatte liegt noch das Interview von damals, das Hardcover-Gespräch. Das Wiederhören ergibt: Es eignet sich auch als Taschenbuch-Gespräch, ist nicht veraltet, hat nur einen ungewöhnlichen akustischen Hintergrund mit vielen Menschen auf engem Raum. Und so erscheint das Gespräch von damals heute im Podcast des literaturcafe.de. Ergänzt wird es um einen aktuellen Nachtrag. Was ist seitdem geschehen? Isabel Bogdan und Wolfgang Tischer treffen sich diesmal im März 2021 per Zoom. Rund 40 Lesungen konnte Isabel Bogdan noch bestreiten. Dann kam der erste Lockdown im Frühjahr 2020 und weitere 40 Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Nur ein Bruchteil davon konnte im Sommer nachgeholt werden. Derweil schrieb Isabel Bogdan – neben ihrer Arbeit als Übersetzerin – an einem neuen Buch. Ein Helgoland-Buch, das im Herbst 2021 in der Reihe »Meine Insel« im Mare Verlag erscheinen soll. Gerade kam es vom Verlagslektorat zurück, und Isabel Bogdan hofft, die letzte Version vor der endgültigen Abgabe auf Helgoland durcharbeiten zu können. Es wäre schließlich ein beruflicher Aufenthalt auf der Insel. Hören Sie im Podcast des literaturcafe.de beide Gespräche mit Isabel Bogdan. Bogdan, Isabel: Laufen: Roman. Gebundene Ausgabe. 2019. Kiepenheuer&Witsch. ISBN/EAN: 9783462053494
42:10 05.03.2021
Podcast mit Fabian Neidhardt: »Immer noch wach« – Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?
»Bücher schreiben. Da habe ich Bock drauf«, hat Fabian Neidhardt mit 16 gesagt. 19 Jahre später erscheint sein erster Roman bei einem Verlag. Im Podcast-Gespräch mit Wolfgang Tischer gewährt Fabian Neidhardt offene und ehrliche Einblicke auf den nicht einfachen Weg zum eigenen Buch. »Immer noch wach« ist im Haymon Verlag erschienen. Ein Roman über Abschied, Trauer, Tod, die Liebe und viele schöne Dinge. Mit Anfang 30 erhält Alex, die Hauptfigur des Romans, eine erschütternde Diagnose: Er hat Krebs und wird nicht mehr lange leben. Da er seinen Vater an dieser Krankheit hat sterben sehen und man nichts für ihn tun konnte, lehnt Alex jede Behandlung ab, verabschiedet sich von seiner Freundin und seinen Freunden und zieht in ein Hospiz. Doch dann kommt einiges anders. Obwohl er immer Autor werden wollte, hat Fabian Neidhardt zunächst Sprechkunst in Stuttgart studiert und anschließend literarisches Schreiben in Hildesheim. Bereits vor seinem Schreibstudium veröffentlichte er sein erstes Buch ohne Verlag im Alleingang »Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen«. Doch selbst das Studium im Hildesheim war nicht der kürzeste Weg zu einem Verlagsvertrag. Im Podcast-Gespräch mit Wolfgang Tischer vom literaturcafe.de schildert Fabian Neidhardt offen und ehrlich seinen Weg, der unter anderem über eine der renommiertesten Literaturagenturen führte. Am 16. Februar 2021 erschien dann »Immer noch wach« im Haymon Verlag und Fabian Neidhardt und Wolfgang Tischer, die regelmäßig im Podcast des literaturcafe.de zu hören sind, unterhielten sich diesmal sehr persönlich über Fabians Weg zum Buch und warum es ohne die Arbeit des Haymon Verlags nicht das Buch geworden wäre, das ab sofort in allen Buchhandlungen erhältlich ist. Die Podast-Aufnahme am Abend des 16. Februars 2021 wurde live via YouTube und Facebook als Video gestreamt und kann dort noch angesehen werden. Die Zuschauer:innen konnten dabei Fragen stellen, die im Podcast beantwortet wurden. Hören Sie den Mitschnitt des etwas andern Buch- und Werkstattgespräch im Podcast des literaturcafe.de über den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Viel Spaß beim Hören! Fabian Neidhardt: Immer noch wach: Roman. Gebundene Ausgabe. 2021. Haymon Verlag. ISBN/EAN: 9783709981184
106:05 21.02.2021
Podcast mit Michael Maar: »Die Schlange im Wolfspelz - Das Geheimnis großer Literatur«
Vier Jahre und vier Stunden täglich am Geheimnis großer Literatur Michael Maar ist Autor, Literaturkritiker und Germanist. In seinen Büchern beschäftigt er sich immer wieder mit großen Autor:innen und ihren Werken. Warum, so wurde Maar gefragt, schreibe er nicht mal ein Buch darüber, was gute Literatur ausmacht und was »guter Stil« bedeutet? Aus der Idee für einen Essay entstand nach vier Jahren Arbeit »Die Schlage im Wolfspelz – Das Geheimnis großer Literatur«. Jeden Vormittag habe er vier Stunden geschrieben, erzählt Michael Maar im Podcast des literaturcafe.de. Es gab zunächst keinen Termin, keinen Verlagsvertrag. Entstanden ist kein herkömmlicher Schreib- oder Stilratgeber noch eine Literaturgeschichte oder gar ein weiterer Literaturkanon. Darum ging es Maar nicht. »Man muss es konkret an einem Satz zeigen« Maar blickt auf deutschsprachige Prosatexte – mit kleinen Abstechern in die Lyrik. Man muss für die Lektüre selbst nicht Goethe, Thomas Mann oder Clemens Setz gelesen haben, denn das Buch ist voll von Textausschnitten und -beispielen. »Man muss es konkret an einem Satz oder der halben Seite zeigen, sonst bringt das nichts«, sagt Maar. Beim Lesen entdecken wir auf diesem Weg gemeinsam mit dem Autor das Geheimnis großer Texte. »Den guten Stil kann es so wenig geben wie die eine schöne Handschrift«, schreibt Maar in seinem Buch, also zeigt er uns an den Texten selbst, was sie so besonders macht. Auf der anderen Seite schreckt Maar auch nicht davor zurück, auf überhöhte Texte und Schwächen hinzuweisen. Hölderlins Griechenland im Hyperion sei »ohne jede Anschauung«, da er das Land aus einem englischen Reiseführer zusammengestellt habe, die Figuren bei Fontane haben keine eigene Stimme, sondern sprechen alle wie Fontane. Die Stärke der beiden Autoren lagen eher an andere Stelle. Es ist beeindruckend, wie Maar durch die Texte wandert und bisweilen ungewöhnliche Verbindungen herstellt. Während der Arbeit am Buch habe er selbst durch Tipps und Hinweise viele Bücher und Autor:innen entdeckt und gelesen. »Achtet auf das Abgegriffene!« Beim Zoom-Gespräch für den Podcast ist Maars Arbeitszimmer aufgeräumt. Vor einem Jahr, als er noch am Buch gearbeitet habe, sagt Michael Maar, sei das ganz anders gewesen, da standen die Bücher auf dem Fensterbrett und im Buchregal zweireihig. Welchen Tipp hat Michael Maar für Autor:innen? Wie findet man seinen eigenen Stil? Natürlich durch vieles Lesen. Sein wichtigster Tipp: »Achtet auf das Abgegriffene! Nehmt nicht die nächstliegende Metapher, versucht es ohne die lateinischen Begriffe, die man überall liest, ohne »Diskurs« oder »Narrativ«, ohne »das ist spannend, was es mit mir macht«. Man muss »Die Schlange im Wolfspelz« nicht von vorn bis hinten lesen, man kann sich immer wieder Texte und Autor:innen herausgreifen. Nach der Lektüre merkt man, dass Maar sein Ziel erreicht hat: Als Leser:in und als Autor:in besitzt man eine erhöhte Sensibilität gegenüber kleinen und großen Sprachsünden. Vor allen Dingen aber wird man durch Michael Maar animiert, die ein oder andere Autorin, den ein oder anderen Autor zu lesen oder wiederzuentdecken, wie beispielsweise Johann Peter Hebel. Hören Sie im Podcast des literaturcafe.de das ausführliche Gespräch mit Michael Marr über das Geheimnis großer Literatur, über Stil und die Entstehung von »Die Schlange im Wolfspelz« und die Reaktionen der Leser:innen.
42:23 15.02.2021
Podcast: André Hille über das Schreiben und »Das Rauschen der Nacht«
»Ich bin Literaturmensch durch und durch«, sagt André Hille. »Seit ich denken kann, beschäftige ich mich mit der Literatur.« Selbst Texte geschrieben hat André Hille schon immer. Nach dem Germanistikstudium arbeitet er zunächst als Programmleiter und Lektor in einem kleinen Verlag, bevor er die Autorenschule »Textmanufaktur« gründete. Es war zu einer perfekten Zeit, als in Deutschland der Bewusstseinswandel einsetzte, dass Schreiben mehr ist als nur Begabung und Inspiration. Zusammen mit anderen hochkarätigen Dozentinnen und Dozenten unterrichtet André Hille das Schreiben, verfasste den Ratgeber »Titel, Pitch und Exposé« und organisiert die Konferenz »Narrativa«. Hille wurde zudem zum Literaturagenten und vermittelt zusammen mit seiner Kollegin Dorothee Schmidt Manuskripte an Verlage. Vor rund drei Jahren konzentrierte er sich mehr auf die unternehmerischen Tätigkeiten und trat als Dozent und Literaturagent etwas zurück. So entstand wieder mehr Raum für das eigene Schreiben. »Es war nie weg, ist immer da gewesen«, sagt Hille im Gespräch. André Hille, der in der Vergangenheit eher kürzere Texte schrieb, hat nun seinen ersten eigenen Roman veröffentlicht: »Das Rauschen der Nacht«, erschienen im Blessing Verlag. Bewusst hat sich André Hille für den Roman eine vertraute Situation ausgesucht: Ein glücklich verheirateter Familienvater mit zwei Kindern ist ins neue Einfamilienhaus aufs Land gezogen. Doch dann bricht beruflich und privat vieles über ihn herein und sein bisheriges Leben wird fundamental infrage gestellt. Im Podcast des literaturcafe.de erzählt André Hille über die Entstehung des Buches und das Schreiben des Romans. Wir erfahren, warum statische Figuren in einen Roman kein Potenzial haben und warum es so wichtig ist, für den Text den richtigen Ton zu finden. Zudem blicken wir mit dem Schreibtrainer und Literaturagenten André Hille auf die aktuelle Situation im Buchmarkt.
59:15 15.12.2020
Sehen oder Hören: Das literarische Buchhandelsquartett
Zum 4. Mal präsentieren die Stuttgarter Buchwochen das literarische Buchhandelsquartett. Wolfgang Tischer, Herausgeber des literaturcafe.de und selbst gelernter Buchhändler, diskutiert mit drei weiteren Buchhändlerinnen aus Stuttgart und der Region über aktuelle Bücher: Claudia Werning von der Buchhandlung Taube in Marbach, Susanne Zuckschwerdt von der Stuttgarter Papyrus Buchhandlung und Helke Stadelmeier vom Vaihinger Buchladen steigen in den literarischen Ring. Und zum Abschluss verraten die Vier ihre ganz persönlichen Buchtipps für den Weihnachts-Gabentisch. ▬▬▬▬▬▬▬▬▬ Die diskutierten Bücher mit Zeitmarken: Lily King: Writers and Lovers, übersetzt von Sabine Roth, Verlag C. H. Beck Jocelyne Saucier: Was dir bleibt, übersetzt von Sonja Finck und Frank Weigand, Insel Verlag Anke Gebert: Wo du nicht bist, Pendragon Verlag Deniz Ohde: Streulicht, Suhrkamp Verlag ▬▬▬▬▬▬▬▬▬ … und die vier Buchtipps zum Abschluss: Stuart Heritage: Gutenachtgeschichten für alle, die sich vor Populisten gruseln, übersetzt von Eva Regul, Kiepenheuer & Witsch Verlag Kleines Kuriositäten­kabinett der deutschen Sprache, DUDEN Verlag Thomas Hettche Herzfaden, Kiepenheuer & Witsch Verlag Rébecca Dautremer: Punkt 12, deutsch von Andrea Spingler, Insel Verlag Eine Veranstaltung des Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-Württemberg e.V. mit freundlicher Unterstützung durch das literaturcafe.de Die Stuttgarter Buchwochen finden 2020 digital statt. Alle Infos und weitere Veranstaltungen finden Sie unter ►https://www.buchwochen.de
60:55 15.11.2020
Podcast mit Jocelyne Saucier: »Im Norden Kanadas wartete ein Roman auf mich«
Die Autorin Jocelyne Saucier lebt in einem kleinen kanadischen Dorf, 700 Kilometer nördlich von Montreal. Ist es dort so, wie wir uns das vorstellen: Einsamkeit, Blockhütten, Seen und Wälder? Ganz so sei das nicht, sagt Jocelyne Saucier, als wir sie für ein ausführliches Podcast-Gespräch daheim anrufen. Zwar gäbe es dort eine Menge Seen, Wälder und Flüsse, aber natürlich gäbe es auch Städte, Dörfer, ein kulturelles Leben – und Buchhandlungen. Dennoch leben in der Region, die halb so groß ist wie Deutschland, im Schnitt nur 2 Menschen auf einem Quadratkilometer. Mit ihren Roman »Ein Leben mehr« wurde Jocelyne Saucier auch in Deutschland bekannt (siehe Buchbesprechung im literaturcafe.de). Im September 2020 ist ihr neuestes Werk »Was dir bleibt« nahezu zeitgleich im kanadisch-französischen Original und auf Deutsch erschienen, übersetzt von Sonja Finck und Frank Weigand. Im Originaltitel »À Train perdu« schwingt mehr vom Inhalt mit, wenngleich er sich in seiner Mehrdeutigkeit und Andeutung nicht übertragen lässt. »Im Zug verloren« klingt seltsam, und im Französischen kann man sogar einen Anklang an Proust verlorener Zeit heraushören (»À la recherche du temps perdu«). Thematisch und in der Form nimmt »Was dir bleibt« Vieles auf, was sich schon in »Ein Leben mehr« findet. Gladys besteigt einen Zug und kehrt nie zurück Die Hauptperson Gladys Comeau ist 76 Jahre alt. Nach dem frühen Tod ihres Mannes – der Bergarbeiter starb bei einem Grubenunglück – lebt sie in einer kleinen Siedlung in den nördlichen Wäldern Ontarios, an der Grenze zu Québec. Ihre Tochter, die nun über 50 Jahre alt ist, lebt bei ihr. Bereits in jungen Jahren unternahm Lisana einen Suizidversuch. Sie ist depressiv und scheint allein nicht lebensfähig. Und dennoch verlässt Gladys eines Tages plötzlich ihre Tochter und ihr Leben. Ohne Koffer und scheinbar unvorbereitet besteigt sie den Northlander-Zug und ist verschwunden. Selbst ihre Tochter, die die Nachbarn am Küchentisch sitzend vorfinden, weiß nicht, wohin Gladys will und warum sie weg ist. Saucier lässt die Geschichte und die Fahrt Gladys‘ von vielen Stimmen erzählen. Jahre später reist ein jüngerer Mann ihre Route nach. Er spricht mit Zugbegleitern und Menschen, die Gladys begegnet sind. Es ist der Kniff dieser Erzählweise, dass wir nur durch Dritte und nie von Gladys selbst ihre (möglichen) Motive erfahren. In »Was dir bleibt« bleibt somit auch viel den Gedanken von Leserinnen und Lesern überlassen. Zudem hat Jocelyne Saucier für ihren Roman die Geschichte der »School Trains« wiederentdeckt. Es waren als Klassenzimmer umgebaute Eisenbahnwaggons, die in die entlegenen Gegenden des kanadischen Nordens fuhren, dort für einige Tage abgestellt wurden, um so den Kindern in entlegenen Gebieten eine schulische Bildung zu ermöglichen. Von 1926-1967 waren diese »School Trains« im Einsatz, und Jocelyne Saucier erzählt, dass die Geschichte dieser Züge selbst in Kanada vergessen ist. Schon bei der Recherche zu »Ein Leben mehr« sei sie jedoch Menschen begegnet, die einst in diesen Klassenzimmerwaggons unterrichtet wurden. Jocelyne Saucier reiste selbst mit Zügen in den Norden Kanadas. »There was a novel for me waiting there«, so beschreibt sie selbst ihr Gefühl, dass dort ein Roman auf sie wartete, der geschrieben werden wollte. Jocelyne Saucier gibt im Gespräch interessante Einblicke in die Entstehung des Romans. Das ist es auch, was kanadische Leserinnen und Leser interessiert, denn Lesungen und Lesereisen wie hierzulande kennt man dort nicht. Saucier, Jocelyne; Finck, Sonja (Übersetzer): Was dir bleibt: Roman. Gebundene Ausgabe. 2020. Insel Verlag. ISBN/EAN: 9783458178781.
45:44 13.10.2020
Mit Julius Deutschbauer im Herz der ungelesenen Bücher
Julius Deutschbauer befragt Menschen über Bücher, die sie nicht gelesen haben. Der Österreicher besorgt und sammelt diese Werke, und so ist die Bibliothek der ungelesenen Bücher entstanden. Im Oktober 2020 ist Deutschbauer mit seiner Bibliothek im Herz der Stuttgarter Stadtbibliothek zu Gast. Wolfgang Tischer sprach mit Julius Deutschbauer für den Podcast des literaturcafe.de über ungelesene Bücher. 1997 hat der Wiener Künstler Julius Deutschbauer mit dem Projekt begonnen. Auf seiner Website julius-deutschbauer.com sind über 700 Gesprächstermine zu finden, viele davon als Audio-Mitschnitt. Bevor Deutschbauer die Menschen nach dem Buch fragt, das sie nicht gelesen haben, lautet seine erste Frage stets »Welches Wetter haben wir heute?« Eine Referenz an den Anfang eines Buches, das sehr oft von seinen Interviewgästen genannt wird: »Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften«. Julius Deutschbauer sortiert seine Bibliothek nicht nach den Namen der genannten Autorinnen und Autoren, sondern nach dem Nachnamen der Befragten. Bibliothekarisch ordentlich wird jedes Buch beschriftet mit einer Angabe wie »Dieses Buch hat Julia KÖNIG noch nicht gelesen«. Mehrfach genannte Bücher sind konsequenterweise mehrfach in der Bibliothek der ungelesenen Bücher vorhanden. Neben Klassikern der ungelesenen Bücher wie Joyces »Ulysses«, Hitlers »Mein Kampf« oder »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« von Proust, finden sich dort auch Asterix-Comics oder ein Perry-Rhodan-Sammelband. Fünf Jahre lang war die Bibliothek zunächst im Wiener Museumsquartier beheimatet, doch seit vielen Jahren ist Deutschbauer mit seinen Büchern weltweit zu Gast. Für drei Wochen ist die Bibliothek der ungelesenen Bücher Anfang Oktober 2020 in der Stuttgarter Stadtbibliothek beheimatet. Sie steht im sogenannten Herz des Gebäudes, dem gewaltig hohen Raum in der Mitte des Gebäudes, in dem sich normalerweise nichts befindet. Die Leere ist fast ein Symbol fürs Ungelesene. Während dieser Zeit lädt Deutschbauer Autorinnen und Autoren ein, die in seiner Bibliothek lesen. Zudem animiert er Besucherinnen und Besucher, während der Lesungen oder Vorträge Handarbeiten zu tätigen. Wer weder Wolle noch Nadeln dabei hat, bekommt gerne etwas ausgeliehen. So stehen nicht nur Bücher auf den Regalen, es finden sich dort auch handgestrickte Buchschoner oder Nackenrollen. Und über allem hängt in Stuttgart ein gewaltiger Bibliothekarsmantel. Im Herz der Stuttgarter Stadtbibliothek hat sich Wolfgang Tischer für den Podcast des literaturcafe.de mit Julius Deutschbauer über sein ungewöhnliches Projekt und ungelesene Bücher unterhalten. Was fasziniert den Wiener so an ungelesenen Büchern, und wie stellt man Menschen Fragen zu ungelesenen Büchern? Und was antworten diese? Schämen Sie sich oder sind sie stolz darauf, gewisse Werke nicht gelesen zu haben? Eine Frage stellt Julius Deutschbauer jedoch nie: Warum die Menschen »ihr« Buch noch nicht gelesen haben. Das interessiert Deutschbauer nicht, vielmehr interessieren ihn die Geschichten, die die Menschen über ihr ungelesenes Werk erzählen. Die Antworten verraten viel über die Befragten. Hören Sie das vollständige Gespräch mit Julius Deutschbauer über seine Bibliothek der ungelesenen Bücher im Podcast des literaturcafe.de über den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Aufgezeichnet wurde die Folge am 29. September 2020 in der Bibliothek der ungelesenen Bücher im Herzen der Stuttgarter Stadtbibliothek.
34:40 06.10.2020
Serpentinen und Auerhaus - Der Autor Bov Bjerg im Gespräch
Ende Januar 2020 erschien Bov Bjergs neuer Roman »Serpentinen«. Der Vorgängerroman »Auerhaus« war 2015 ein großer Erfolg, zu dem nicht zuletzt die Empfehlung Maxim Billers im Literarischen Quartett beigetragen hat. »Auerhaus« ist mittlerweile auch als Theaterstück und Film zu sehen. Selbst im Deutschunterricht wird das Buch behandelt. »Serpentinen« wurde nach Erscheinen ebenfalls begeistert besprochen, der Titel war sowohl auf der SWR-Bestenliste als auch auf der SPIEGEL-Bestsellerliste zu finden. Bov Bjerg findet, dass er großes Glück hatte und sein Buch noch große Aufmerksamkeit bekam, bevor vieles Corona-bedingt heruntergefahren wurde. Und der Autor freut sich, dass sich »Serpentinen« unter den 20 Titeln der Longlist zum Deutschen Buchpreis befindet, obwohl es dort normalerweise Frühjahrstitel schwerer haben. Im Podcast des literaturcafe.de wurde jetzt ein Gespräch nachgeholt, das eigentlich am 13. März 2020 auf der Leipziger Buchmesse geplant gewesen war. Ohne den Zeitdruck der Bühne kann im Podcast über weitaus mehr gesprochen werden, als nur über das neue Buch »Serpentinen«. Während Bov Bjerg bei der Aufnahme durch die Straßen Berlins wandert, geht es um das Leben als Autor und wie die drei Romane entstanden sind, die Bjerg bislang verfasst hat. Der Anfang von »Serpentinen« war das erste Mal 2018 beim Bachmannpreis zu hören. Damit gewann Bjerg den Preis von Deutschlandfunk Kultur. »Ein unspektakulär spektakulärer Text«, fasste damals Moderator Christian Ankowitsch die Jury-Beurteilung zusammen. Obwohl sich der Anfang im Buch so gut wie nicht von der »Bachmann-Version« unterscheidet, war damals der Roman noch nicht geschrieben. Bov Bjerg beim Bachmannpreis 2018 Bov Bjerg (links) im Gespräch mit seinem Lektor Gunnar Cynybulk beim Bachmannpreis 2018 Bov Bjerg berichtet im Podcast-Gespräch von der Entstehung des Romans und wie Bjerg als literarisches Spiel Verbindungen zum Vorgänger »Auerhaus« geschaffen hat, ohne dass es so etwas wie ein zweiter Teil wurde. Bov Bjerg lebt seit Mitte der 1980er Jahre in Berlin. Beide Romane spielen auf der Schwäbischen Alb, an deren Rand auch Bjerg aufgewachsen ist. Was macht diese Region in Deutschland so besonders – und warum wird der nächste Roman dort wahrscheinlich nicht mehr angesiedelt sein? Wenn Bov Bjerg die Zeit hat, durch die Straßen Berlins zu gehen, hört er oft Hörbücher. Neben Lucy Frickes »Töchter« empfiehlt er das umfangreiche CD-Paket »Erzählerstimmen« mit Originalaufnahmen von Autorinnen und Autoren. Hören Sie die Podcast-Folge über den Player unten auf dieser Seite. Der Podcast ist zudem auf allen Portalen wie Apple iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu abonnieren. Link ins Web: bjerg.de – Die Website von Bov Bjerg Bjerg, Bov: Serpentinen: Roman. Gebundene Ausgabe. 2020. Claassen. ISBN/EAN: 9783546100038. 22,00 € » Bestellen bei amazon.de Anzeige oder im Buchhandel Bjerg, Bov: Auerhaus: Roman. Taschenbuch. 2017. Aufbau Taschenbuch. ISBN/EAN: 9783746632384
88:19 31.08.2020
Podcast: Cloris, Tristram Shandy, The Last of Us und Sein Reich
Wolfgang Tischer und Fabian Neidhardt sprechen über die Bücher »Cloris« von Rye Curtis und »Sein Reich« von Martin Schäuble, über die Geschichte im Videospiel »The Last Of Us II«, den Klassiker »Tristram Shandy« als Hörspiel und Unterricht mit Neil Gaiman
81:54 22.08.2020