Show cover of History is not the Past

History is not the Past

Für die künftige Gestaltung der Gesellschaft ist der Blick in die Vergangenheit unerlässlich, denn ohne Erinnerung verlieren wir unsere Zukunft. Wie wollen wir in Zukunft zusammen leben? Welche Rolle spielt die Erinnerungspolitik künftig für unsere Demokratie? Welche gesellschaftlichen Werte müssen jetzt gestärkt werden? Die Podcastreihe „History is not the Past“ des NS-Dokumentationszentrums München versammelt vom 18. bis 28. Juni 2020 Beiträge und Diskussionen von Wissenschaftler*innen, Journalist*innen, Kurator*innen, Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Musiker*innen über Gegenwartsfragen und Zukunftsszenarien im Spannungsfeld von Geschichte, Gesellschaft und Kultur. Weitere Informationen zum Podcast gibt es unter www.nsdoku.de.

Titel

Fragen der Solidarität
Die letzte Folge widmet sich Fragen der Solidarität und zivilgesellschaftlichen Bündnissen. Es geht um das Ineinandergreifen von Faktoren des Ein- und Ausschlusses und die Gleichzeitigkeit von Privilegierung und Diskriminierung, Im ersten Beitrag liest der Lyriker Max Czollek zum Thema „komplexe Intersektionalität“ basierend auf seinem Buch “Gegenwartsbewältigung”, das im Sommer 2020 erscheint. Anschließend trägt der Historiker Michael Brenner (LMU München) einen Auszug aus seiner Rede anlässlich der “Weiße-Rose-Gedächtnisvorlesung” 2020 vor. Zum Abschluss sprechen Max Czollek und Michael Brenner mit Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum München) über die Stärkung einer vielfältigen, verschiedenartigen Gesellschaft durch Bündnisse und Schnittmengen der Solidarität.
73:24 28.06.2020
Erinnerung und Institutionen
Mit Stefanie Schüler-Springorum, Charlotte Wiedemann, und Sonja Zekri sowie Clémentine Deliss und Mirjam Zadoff. Welche institutionellen Modelle brauchen wir, um die Vielfalt von Gesellschaft abzubilden? Wie gehen wir mit Ungerechtigkeit und Trauma in der Geschichte und mit deren Wiedergutmachung in der Gegenwart um? Welche Rolle spielen die Erinnerung an den Nationalsozialismus, aber auch an die deutsche Kolonialgeschichte hinsichtlich unserer Vorstellungen von einer pluralistischen, offenen Gesellschaft? Mit der Aufarbeitung der deutschen Geschichte – im Kontext des Nationalsozialismus und der kolonialen Vergangenheit – und der Frage, wie sich die deutsche Erinnerungskultur seit 1945 entwickelt hat, beschäftigt sich das Gespräch zwischen Stefanie Schüler-Springorum, Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin, und Charlotte Wiedemann, Journalistin und Autorin, moderiert von Sonja Zekri (Süddeutsche Zeitung). Im zweiten Beitrag spricht Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrums München) mit der Kuratorin, Autorin und Kulturhistorikerin Clémentine Deliss über die Notwendigkeit neuer Formen von Institutionen. Sie thematisieren kollaborative Praktiken sowie Plattformen der Wissens- und Kulturvermittlung und Deliss stellt ihren Entwurf des „Museums als Lazarett“ vor.
69:15 27.06.2020
Monument Lab: The role of public art in representing society
With Ken Lum and Paul Farber. Artist Ken Lum and curator and historian Paul Farber are the co-founders of “Monument Lab”, a public art and history studio based in Philadelphia that takes collaborative approaches to unearthing and reinterpreting histories. In this episode they discuss the potential of art in re-imaging public spaces, how their work in public art has been impacted by COVID-19, what changes they have observed in the past months and how they consider the pandemic will be memorialized. Ken Lum’s work “Coming Soon” is currently presented in the exhibition “Tell me about y̶e̶s̶t̶e̶r̶d̶a̶y̶ tomorrow” at the Munich Documentation Center for the History of National Socialism.
46:23 26.06.2020
Kunst und Erinnerung
Mit Michaela Melián, Willem de Rooij und Lukas Graf sowie Lena Gorelik. Diese Folge thematisiert künstlerische Auseinandersetzungen mit Erinnerung. Michaela Melián und Willem de Rooij, beide Künstler*innen, deren Arbeiten in der Ausstellung „Tell me about y̶e̶s̶t̶e̶r̶d̶a̶y̶ tomorrow“ präsentiert werden, erläutern im Gespräch mit Lukas Graf ihren künstlerischen Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Erinnerung und zeigen Momente der Kollaboration und die unauflösbare Verbindung von Kunst und Geschichte auf. Michaela Meise interpretiert mit „Hoheslied (Asma Asmaton)“ ein Werk aus Mikis Theodorakis „Mauthausen Kantate“. Basierend auf den Gedichten des Holocaust-Überlebenden Iakovos Kambanellis vertonte Theodorakis, Widerstandskämpfer gegen den Faschismus in Griechenland, die Verse des Dichters von 1988, um so Geschichte in Erinnerung zu rufen. Abschließend liest die Münchner Schriftstellerin Lena Gorelik aus ihrem Text „Ich habe Angst“, den sie ausgehend von Cana Bilir-Meiers Werk in der Ausstellung “Tell me about y̶e̶s̶t̶e̶r̶d̶a̶y̶ tomorrow” geschrieben hat. Gorelik setzt sie sich im Text mit ihrem Unbehagen gegenüber der politischen Stimmungsmache und sozialer Spaltung sowie mit Mechanismen von Ausgrenzung und Formen von Gewalt auseinander.
57:44 25.06.2020
Gegenwartsanalyse und Kulturkritik
Mit Armin Nassehi und Christine Hamel sowie Leon Kahane, Fabian Bechtle und Juliane Bischoff. Die Covid-19-Pandemie hat die Dynamik unseres Alltags ganz plötzlich außer Kraft gesetzt. Zugleich entsteht daraus akuter politischer Handlungsbedarf. Welche Folgen hat die aktuelle Politik der Dringlichkeit für die Demokratie? Und welchen Einblick gibt die Krise in die Funktionsweisen unserer Gesellschaft? Darüber spricht der Soziologie Armin Nassehi (LMU München) im ersten Beitrag mit Christine Hamel. Michaela Meises Lied „Cemalim“ ist den Opfern des rassistischen Terroranschlags in Hanau im Februar 2020 gewidmet. Die Künstlerin, selbst in Hanau geboren und aufgewachsen, hat ein Stück des türkischen Musikers Erkin Koray von 1973 in deutscher Übersetzung eingespielt. Die Aufnahme ist in Kooperation mit der Städtischen Galerie Nordhorn entstanden. Das „Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst“ setzt sich kritisch mit Fragen von Identität in gesellschaftlichen Diskursen auseinander. Vor dem Hintergrund von reaktionären Stimmungen, Populismus und Kulturpessimismus sprechen Leon Kahane und Fabian Bechtle, Gründer des Forums, mit Juliane Bischoff (NS-Dokumentationszentrum München) über die Vereinnahmung und Instrumentalisierung von Kulturbegriffen, Identitätsbegehren sowie antiaufklärerischen Tendenzen. Dabei werfen sie einen kritischen Blick auf die politische und ästhetische Selbstpositionierung von Kunst in der Gegenwart.
65:03 24.06.2020
Digitalität: Freiheit vs. Extremismus
Mit Florian Hartleb, Sahana Udupa und Marie Schoess sowie Georg Diez, und Nicolaus Schafhausen. Der digitale Raum steht im Fokus der beiden Gespräche dieser Folge: Hat sich das 21. Jahrhundert durch die Kommunikation und den Austausch mit Gleichgesinnten im Netz zu einem Jahrhundert des individuellen Terrorismus entwickelt? Die Sozial- und Kulturanthropologin Sahana Udupa (LMU München) spricht mit dem Politikwissenschaftler Florian Hartleb über Online Hate Speech und Radikalisierung im Netz, deren möglichen Ursachen und Wege, darauf zu reagieren. Journalist und Autor Georg Diez und Ausstellungsmacher Nicolaus Schafhausen nehmen sich Fragen nach der Wirksamkeit von Erinnerungskultur in der Prävention von Rassismus und Diskriminierung vor. Was können Institutionen und Medien leisten, wenn es darum geht, die Erinnerung an Vergangenes lebendig zu halten? Zwischen den beiden Gesprächen ist das Stück „Silver“ von Maya Shenfeld von ihrem noch unveröffentlichten ersten Soloalbum zu hören.
83:04 23.06.2020
Generationsfragen - Zukunftsfragen
Mit Luisa Neubauer, Doron Rabinovici und Niels Beintker. Klimawandel, rechter Populismus, Covid-19 – aktuell sieht unsere Gesellschaft sich vielen sozialen, politischen und ökologischen Herausforderungen ausgesetzt. Für alle Generationen heißt dies Verantwortung zu übernehmen, für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Aber der Dialog zwischen den Generationen ist immer wieder emotional aufgeladen, oft geprägt von Vorwürfen und gegenseitigem Unverständnis. Dabei gibt es einige generationsübergreifende Fragen zu klären: Wie hält man die Erinnerung an den Holocaust aufrecht, wenn keine Zeitzeug*innen mehr leben? Wie geht die Gesellschaft mit einem Erstarken der rechten Bewegung in Europa um? Wie erklären wir uns und folgenden Generationen den Raubbau an der Erde? Und wie spielen wir diese verschiedenen Formen der politischen Verantwortung nicht gegeneinander aus? In dieser Episode wird zu einem Gespräch zwischen den Generationen geladen: Luisa Neubauer, die Stimme von Fridays for Future in Deutschland, und Schriftsteller Doron Rabinovici, der seit den 1980er Jahren für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eintritt, tauschen sich über die Untrennbarkeit von Geschichte und Klima beim Engangement für eine gerechte Zukunft aus. Moderiert wird das Gespräch von Niels Beintker (Bayerischer Rundfunk). Anschließend an die Diskussion folgt Musik von Dota Kehr, die Gedichte der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko vertont hat.
58:07 22.06.2020
„Rechte Räume“: Geschichte und Gegenwart
Mit Stephan Tüby und Paul-Moritz Rabe. Architekturtheoretiker Stephan Trüby (Universität Stuttgart) und Historiker Paul-Moritz Rabe (NS-Dokumentationszentrum München) gehen in dieser Folge dem Zusammenwirken von Architektur und Politik nach. Auf Spurensuche in München erkunden sie „rechte Räume“ und begeben sich auf eine Tour vom Königsplatz über das Schlossrondell in Nymphenburg bis nach Neuaubing und Freiham. Sie blicken sowohl auf die nationalsozialistische Vergangenheit Münchens als auch auf aktuelle rechtspopulistische Strömungen und die Herausforderungen an die gegenwärtige und zukünftige Erinnerungsarbeit.
57:46 21.06.2020
Geschichte und Repräsentation
Mit Nora Sternfeld, Christian Fuhrmeister und Magnus Brechtken sowie Christiane Wolf und Gro Swantje Kohlhof. Wie schreibt sich Geschichte in Gegenwart ein, wie bleibt sie in baulichen Strukturen sichtbar und wie kann an die Erfahrungen von NS-Gewalt gedacht werden? In der Diskussion zwischen der Kuratorin Nora Steinfeld (Kunsthochschule Kassel) und dem Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte) werden am Beispiel der „documenta“ Brüche und Kontinuitäten der NS-Vergangenheit, Mythenerzählungen und der Konflikt zwischen Markenbildung und Wahrheit diskutiert. Moderiert wird das Gespräch von Magnus Brechtken (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin). Die Kunsthistorikerin Christiane Wolf (Bauhausuniversität Weimar) stellt in ihrem Vortrag die Geschichte des ehemaligen nationalsozialistischen „Gauforums“ in Weimar und dessen Neugestaltung in der Gegenwart vor. Die von Martin Valdés-Stauber konzipierte und von Gro Swantje Kohlhof gesprochene Lesung (beide Münchner Kammerspiele) zitiert aus Briefen von Opfern der NS-„Euthanasie“-Morde in München und erinnert an Einzelschicksale im verbrecherischen System der Nationalsozialisten.
82:11 20.06.2020
Global developments
With Roger Cohen and Mirjam Zadoff. Roger Cohen, a columnist for the New York Times, speaks with Mirjam Zadoff, Director of the Munich Documentation Centre for the History of National Socialism, about current societal trends in the United States and across the world. Topics range from the uncertainties brought on by social inequality and COVID-19 to populism and the emotionalization of political discourse and beyond, including dealing with grief and trauma and the chance to forge ties through transnational, collective memory. They talk about the internal divisions in the United States and the disastrous Trump presidency and about wishes and hopes for EU politics at the international level. One key question through it all is how to strengthen democracy. The talk is accompanied by music by Dota Kehr, who set poems by Jewish poet Mascha Kaléko to music.
42:12 19.06.2020
Intro: History is not the Past
Mit Juliane Bischoff, Nicolaus Schafhausen und Mirjam Zadoff. Im Spannungsfeld von Geschichte, Politik und Gesellschaft eröffnet der Podcast „History is not the Past“ vielfältige Perspektiven auf das Thema Erinnerung und ihrer Bedeutung für die Zukunft unserer Demokratie. Nicolaus Schafhausen (Künstlerischer Leiter der Ausstellung „Tell me about y̶̶e̶̶s̶̶t̶̶e̶̶r̶̶d̶̶a̶̶y tomorrow“), Juliane Bischoff (Co-Kuratorin) und Mirjam Zadoff (Direktorin NS-Dokumentationszentrum München) nehmen die jüngsten, durch die Covid-19-Krise bedingten gesellschaftlichen Veränderungen in den Blick, die das Programm der „Assembly“ rahmen: von Kontaktbeschränkungen, der Stille im öffentlichen Raum, der Suche nach Nähe und Austausch durch digitale Medien, Solidarität und Ausgrenzung, soziale Ungleichheit, Proteste gegen rassistische Gewalt und die Frage, wie sich die aktuellen Transformationen auf demokratische Prozesse auswirken. Der Podcast nimmt die Frage nach dem kollektiven Umgang mit historischen Erfahrungen und der Bedeutung von Erinnerung für die Demokratie in den Blick. Um die Zukunft gerecht gestalten zu können, müssen wir unsere Verantwortung wahrnehmen, aus der Geschichte zu lernen. Der musikalische Beitrag stammt von Michaela Meise. Ihr Song „Traum vom Fliegen“ ist ein Cover der Chansonsängerin Alexandra, das im Original 1968 erschien. Meises Interpretation ist Teil ihres 2018 veröffentlichten Albums „Ich bin Griechin”.
23:08 18.06.2020
Teaser
Teaser composed by Maya Shenfield for the podcast series "History is not the Past" by the Munich Documentation Centre for the History of National Socialism which offers thoughts and discussions about present-day issues and future scenarios at the intersection of history, society, and culture. | Starting on June 18, 2020
01:00 10.06.2020