Show cover of Carls Café

Carls Café

Carls Café ist ein Podcast über Zukunft und die Menschen, die sie gestalten. Nicht als Vision, sondern als Entscheidung. Zukunftsforscher Michael Carl spricht mit Menschen, die Verantwortung übernehmen – in Unternehmen, Organisationen und Gesellschaft. Menschen, die handeln, auch wenn es Gegenwind gibt. Die nicht alles wissen, aber trotzdem losgehen. Die Gespräche sind ehrlich, persönlich und ungeschönt. Es geht um Haltung statt Buzzwords. Um Entscheidungen statt Konzepte. Um die Frage, was Zukunft im Alltag wirklich kostet – und was sie möglich macht. Carls Café ist kein Zukunftstalk. Es ist ein Ort für Zukunft als Praxis. Mehr über Michael Carl und Carls Zukunft: https://carls-zukunft.de

Titel

Was, wenn Roboter und KI uns künftig nicht nur Arbeit abnehmen – sondern Vermögen schaffen?Für den Volkswirt und Autor Hans-Jörg Naumer liegt darin eine der großen Aufgaben der Sozialen Marktwirtschaft: Wenn Maschinen einen wachsenden Teil der Wertschöpfung übernehmen, müssen möglichst viele Menschen daran beteiligt sein. Nicht nur durch ihr Arbeitseinkommen, sondern als Eigentümer. Durch Aktien, Kapitalbeteiligungen und eigenen Vermögensaufbau. Oder, wie Hans-Jörg es formuliert: Lass die Roboter für dich arbeiten.Das Gespräch beginnt bei den beinahe vergessenen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Von dort führt der Weg zu erstaunlich aktuellen Fragen: Wie viel Staat braucht eine funktionierende Marktwirtschaft? Warum sind Preise und Wettbewerb gerade beim Klimaschutz so wichtig? Welche Regeln brauchen KI und mächtige Tech-Konzerne? Und wie lässt sich das Versprechen „Wohlstand für alle“ in eine Zukunft übersetzen, in der menschliche Arbeit womöglich eine andere Rolle spielt?Ein Gespräch über Freiheit und Verantwortung, Eigentum und Teilhabe – und über eine Soziale Marktwirtschaft, die vielleicht weniger ein Modell der Vergangenheit ist als eine Idee für das, was vor uns liegt.Michael hat gerade einen Podcast zur Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft begonnen. Du findest ihn hier: https://www.carls-zukunft.de/tag/podcast-das-versprechen. Empfehlung!Die in der Folge genannten Werke Hans-Jörgs finden sich u. a. hierMehr Informationen zur Freiburger Denkschrift: https://www.aeu.digital/ueber-uns/wo-wir-herkommen/denkschrift-des-freiburger-bonhoeffer-kreisesZu Gast: Dr. Hans-Jörg Naumer, Volkswirt und Buchautor.Besuche unsere Website für weitere Insights: carls-zukunft.deCarls Café. Wo Zukunft persönlich wird. Ein Format von Carls Zukunft, dem unabhängigen Zukunftsinstitut aus Leipzig.Create your podcast today! #madeonzencastr

03.09.26 • 36:42

Unsere Städte sind für eine andere Welt gebaut: Sie wurden historisch auf den Schutz vor Kälte und Schnee ausgerichtet, anstatt auf extreme Sommerhitze und Trockenheit. Wie können wir den urbanen Raum kurzfristig entsiegeln, den Straßenraum radikal neu verteilen und Lebensqualität trotz steigender Temperaturen sichern? Zukunftsforscher Michael Carl spricht darüber mit Thomas Hug-Di Lena, Stadtplaner und Geschäftsführer der Agentur urbanista.Zu Gast: Thomas Hug-Di Lena, Geschäftsführer von urbanista.Besuche unsere Website für weitere Insights: carls-zukunft.deCarls Café. Wo Zukunft persönlich wird. Ein Format von Carls Zukunft, dem unabhängigen Zukunftsinstitut aus Leipzig.

20.08.26 • 42:21

Warum greifen wir in der Konsumgesellschaft ständig zu Neuware, obwohl Millionen funktionierende Elektrogeräte ungenutzt verstauben? Kilian Kaminski, Co-Gründer von Refurbed, erklärt im Gespräch mit Michael, warum echte Kreislaufwirtschaft nicht teurer als der Status quo sein muss und wie wir aus gebrauchten Ressourcen nachhaltigen Impact schaffen. Kilians Ziel: Wenn refurbed es schafft, selbst Hygiene-Artikel wie Rasierer refurbished zu verkaufen, dann Kreislaufwirtschaft keine Nische mehr, sondern der komplette Mainstream erreicht. Dann geht alles. Zu Gast: Kilian Kaminski, Co-Gründer von RefurbedBesuche unsere Website für weitere Insights: www.carls-zukunft.de/unsere-schubladen-sind-goldminen-kilian-kaminski-von-refurbedCarls Café. Wo Zukunft persönlich wird. Ein Format von Carls Zukunft, dem unabhängigen Zukunftsinstitut aus Leipzig.

06.08.26 • 39:06

Wie gelingt der Durchbruch zu wirklich überzeugenden Milch- und Joghurtalternativen ohne künstliche Zusatzstoffe? Die Antwort liegt nicht in hochkomplexen Molekülen, sondern in der natürlichen Kraft der Hefe-Fermentation. In dieser Episode erfahren wir, wie clevere Materialwissenschaft das Mundgefühl revolutioniert und den Weg für eine echte Clean-Label-Ernährungswende ebnet.Zu Gast: Tomas Turner, Mitgründer & CEO von CosaicBesuche unsere Website für weitere Insights: www.carls-zukunft.de/die-zukunft-auf-dem-teller-tomas-turner-von-coasicCarls Café. Wo Zukunft persönlich wird. Ein Format von Carls Zukunft, dem unabhängigen Zukunftsinstitut aus Leipzig.

23.07.26 • 33:56

Was wäre, wenn die wirkungsvollsten Unternehmen nicht diejenigen wären, die selbst möglichst laut auftreten, sondern diejenigen, die anderen Gehör verschaffen? Für Hilke Krause, Marketing Director bei Lemonaid & ChariTea und zum Zeitpunkt der Aufnahme noch bei bei Ben & Jerry’s, beginnt gesellschaftliche Verantwortung genau an diesem Punkt. Marken sollten ihre Reichweite nicht nur nutzen, um Produkte zu verkaufen oder ihr eigenes Image zu pflegen, sondern um Initiativen sichtbar zu machen, die politische Veränderungen vorantreiben. Ob Sea-Watch, das Bündnis „Ehe für alle“ oder andere zivilgesellschaftliche Organisationen – Unternehmen können ihre Bekanntheit nutzen, damit diejenigen gehört werden, die den Wandel tatsächlich vorantreiben. Aktivismus endet für Hilke nicht am Supermarktregal. Er beginnt dort, wo Unternehmen bereit sind, Haltung zu zeigen – auch wenn das Gegenwind bedeutet.Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch und endet überraschend bei einem zweiten Thema: Führung. Seit Jahren teilt sich Hilke ihre Position mit Anne Wortmann im Jobsharing – erst bei Ben & Jerry’s, heute bei Lemonaid & ChariTea. Beide sind überzeugt, dass Führung nicht schwächer, sondern besser wird, wenn Verantwortung geteilt wird. Zwei Menschen bringen mehr Perspektiven ein, korrigieren blinde Flecken, coachen sich gegenseitig und treffen oft klügere Entscheidungen als eine einzelne Führungskraft. Voraussetzung dafür ist allerdings die Bereitschaft, das eigene Ego hintenanzustellen und Erfolge gemeinsam zu tragen.So verbindet diese Folge zwei Themen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Doch am Ende steht dieselbe Erkenntnis: Die größten Veränderungen entstehen selten durch einzelne Heldinnen oder Helden. Sie entstehen dort, wo Menschen bereit sind, ihre Reichweite, ihre Verantwortung und ihren Erfolg miteinander zu teilen.Zu Gast:Hilke Krause, Marketing Director bei Lemonaid & ChariTea (im Jobsharing mit Anne Wortmann), ehemalige Country Lead DACH bei Ben & Jerry's und Purpose Coach.Create your podcast today! #madeonzencastr

09.07.26 • 44:44

📺 LIEBER ALS VIDEO SEHEN? Hier geht es direkt zur YouTube-Folge mit Marc: https://youtu.be/zJwG3uVCub8Der Krieg der Gegenwart wird nicht mehr auf fernen Schlachtfeldern geführt, sondern ganz unauffällig direkt in unserem digitalen Alltag. Hidden in plain sight. Eine politische Bestandsaufnahme. Wir werden pausenlos mit KI-generierten Videos und Bildern bombardiert, rechte Plattformen kapern den öffentlichen Diskurs mit Millionenbudgets und der zweitmächtigste Mann der CDU ist Teil eines Netzwerks rund um US-Milliardär Peter Thiel. Der hat sein Vermögen u. a. mit Paypal gemacht, steht hinter der Überwachungssoftware Palantir, hat Europa zum Antichristen erklärt und hält Demokratie und Freiheit für unvereinbar. Jedenfalls sind entsprechende Zitate von ihm belegt. Auf den Treffen seines "Dialog-Netzwerks" geht es um Fragen wie "Den Dritten Weltkrieg bewältigen". Jens Spahn hat bestätigt, an fünf dieser Treffen teilgenommen zu haben.Marc fragt, was das über unsere politische Landschaft sagt. Marc ist Publizist, Autor und Politik-Influencer. Mit seinen - sehr erfolgreichen - Büchern streitet er für die Demokratie und warnt vor der Rückkehr des Faschismus. Im Podcast verweist er auf Umberto Ecos 14 Merkmale des Faschismus - und sieht sie in den USA heute alle erfüllt.Die herkömmlichen Medien reagieren darauf oft seltsam ungerührt. Ein Kernthema des Gesprächs zwischen Marc und Michael: Sagen, was ist. Genauer: Klar sagen, was ist. Dazu gehört auch: Das Kieg zu nennen, was heute ein Krieg ist. Und das ist mehr als Panzer auf dem Schlachtfeld. Der Krieg von heute (und morgen) ist nicht darauf ausgelegt, schnell beendet zu werden. Der Gewinn liegt im Krieg, nicht im Sieg. Carls Zukunft hat zu diesem Thema gerade ein "The Elephant"-Journal veröffentlicht.Was also tun? Marcs Antwort ist ebenso pragmatisch wie radikal: Raus aus den toxischen Algorithmen und rein in die physische Realität – „bildet Banden“ im echten Leben! Gleichzeitig braucht es mutige, progressive Investoren, die mit substanziellem Kapital emotionale, demokratische Gegen-Narrative finanzieren. Nur wer die Mechanismen des permanenten Konflikts versteht und sich real vernetzt, kann den schleichenden Angriffen auf die offene Gesellschaft wirksam entgegentreten.Mehr Informationen zu Marcs Buch „Mehr Pogo wagen“: https://www.marcraschke.deMehr Informationen zu unserem erwähnten Journal „The Elephant“ findest du hier: https://www.carls-zukunft.de/journal-03-macht-krieg/Den erwähnten Podcast "Die Peter Thiel Story" findest du hier: https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story-1-6-willkommen-im-thielverse-100.htmlZu Gast:Marc Raschke, Buchautor, Influencer und Journalist.Create your podcast today! #madeonzencastr

25.06.26 • 47:02

📺 LIEBER ALS VIDEO SEHEN? Hier geht es direkt zur YouTube-Folge mit Lilian Boehme: https://www.youtube.com/watch?v=iOQ3jKkYCo0„Klartext“ in Carls Café. Genauer: „Klartext mit Lilly“. Warum soll es eigentlich so schwierig sein, Klartext zu reden? Im Grund wird dann alles doch ganz einfach. Wut ist kein Problem, sondern ein Rohstoff. Lilian Boehme macht daraus „Klartext mit Lilly“ und zerlegt den alltäglichen Wahnsinn aus der Politik, genüsslich und doch gnadenlos. Im Gespräch mit Michael ist sie direkt in Fahrt:Wer sich damit brüstet, 80 Stunden pro Woche zu arbeiten, hat oft vor allem eines perfektioniert: das Delegieren des eigenen Alltags. Während politische und wirtschaftliche Eliten von Überlastung sprechen, erleben Millionen Menschen eine ganz andere Realität – zwischen Kinderbetreuung, Schichtdienst, Papierkram und steigenden Lebenshaltungskosten.Lilian Boehme legt den Finger genau in diese Wunde. Sie beschreibt eine Politik, die sich von den Lebenswelten vieler Menschen entfernt hat und deshalb immer häufiger den Mut zur klaren Position vermissen lässt. Dabei mangelt es weder an Wissen noch an technologischen Lösungen. Ob Energiewende, Bildung oder Digitalisierung: Die entscheidende Ressource ist nicht Innovation, sondern der Wille, Zukunft als Gewinn statt als Verzicht zu erzählen.Besonders scharf fällt ihre Kritik an einer politischen Kultur aus, die Risiken scheut, Debatten verwaltet und Vertrauen verspielt. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn: Demokratie lebt nicht von Zuschauern, sondern von Beteiligung. Wer auf bessere Politik hofft, muss sich einmischen – in Parteien, Initiativen, Vereinen oder einfach dort, wo Entscheidungen das eigene Umfeld prägen.Am Ende steht nur die Frage, ob der Rohstoff Wut in Resignation mündet – oder in Handlung. Denn verloren ist die Zukunft erst dann, wenn niemand mehr bereit ist, für sie zu arbeiten.Die im Gespräch genannte Studie findest du hier: https://www.ioew.de/publikation/staerkung_der_regionalen_wertschoepfung_durch_erneuerbare_energienZu Gast:Lilian Boehme, Kommunikationsexpertin, Influencerin (Klartext mit Lilly) und KommunalpolitikerinCreate your podcast today! #madeonzencastr

11.06.26 • 55:11

Wer mit Katrin spricht, lernt schnell: Beim Mikroplastik fehlt es an allen Ecken – an Bewusstsein, Messdaten und auch ganz schlicht an Vorschriften. Das Plastik darf dort einfach sein. Jedes Stück Plastik, das die Menschheit je produziert hat, existiert noch. Als Tupperdose im Schrank, als Müll auf der Deponie und am Ende als Mikroplastik im Wasserkreislauf. Katrin Schuhen ist Gründerin von „Wasser 3.0“ und hat Mikroplastik zu ihrem Thema gemacht. Und das heißt zunächst einmal: beobachten, messen, Kreisläufe verstehen.Die nüchterne Wahrheit: Mikroplastik ist überall. Im Ozean ist es ein Partikel pro Liter. Auch wenn ein Ozean viele Liter Wasser enthält – das eine Partikel wird man kaum sinnvoll herausfiltern können. Anders in Flüssen, unter Brücken, an Kläranlagen: Da steigen die Werte schon mal auf 1.000. Wiederum: Partikel pro Liter. Im Abwasser von Produktionsbetrieben kann man die Partikel dann teils schon mit bloßem Auge sehen. Das ist, man ahnt es schon, eine erstklassige Rohstoffquelle. Wenn wir sie denn nutzen würden.Katrin plädiert für einen radikalen Perspektivwechsel: weg vom inzwischen kraftlosen Begriff „Nachhaltigkeit“, weg vom „Halt“, hin zu einer echten „Wirkungsbeschleunigung“. Sie sagt: Der Kampf gegen das Mikroplastik funktioniert in der Industrie dann am besten, wenn er handfeste wirtschaftliche Vorteile bringt. Das Abwasserrohr einer Fabrik darf nicht länger als lästiges Abfallproblem verstanden, sondern muss als wertvolle Rohstoffquelle begriffen werden. Wer Mikroplastik direkt an den industriellen Hotspots – wo die Konzentrationen oft milliardenfach höher sind als im offenen Meer – restlos entfernt und im Kreislauf führt, spart teures Frischwasser und Entsorgungsgebühren.Das in der Folge genannte Buch Katrins, „Kriminalfall Mikroplastik“, findet sich hier: https://wasserdreinull.de/kriminalfall-mikroplastik/Zu Gast:Dr. Katrin Schuhen, Gründerin von Wasser 3.0Create your podcast today! #madeonzencastr

28.05.26 • 47:53

Zufriedenheit ist der natürliche Feind der Immobilienwirtschaft. Wer mit dem glücklich ist, was er hat, und nicht ständig nach dem nächsten, größeren Quadratmeter-Upgrade strebt, lässt das Wachstumsmodell des Kapitalismus kollabieren. Für Van Bo Le-Mentzel ist „Small is beautiful“ daher weit mehr als ein ökologischer Slogan – es ist ein hochpolitisches Manifest für das Menschliche und Dezentrale.Van Bo bricht radikal mit dem deutschen Durchschnittstraum vom statischen Einfamilienhaus. Er ersetzt ihn durch das Konzept des „Wem-Wann-Wohnens“. Das starre 150-Quadratmeter-Haus wird so oft zum „Geisterhaus“, in dem Senioren einsam und körperlich überfordert im Erdgeschoss feststecken, während die oberen Etagen verwaisen. Dieser „Lock-in“-Effekt ist das Ergebnis einer Architektur, die keine Veränderung vorsieht.Die Lösung liegt in der Flexibilität und im Teilen. Van Bo schlägt "Joker-Zimmer" mit eigenen Zugängen vor, die sich je nach Lebensphase als Einliegerwohnung, Pflegezimmer oder Airbnb abtrennen lassen. Doch seine Vision geht weiter: Was, wenn wir Parkplätze nicht für Autos, sondern für Tiny Houses nutzen? Ein bedingungsloses Recht auf zwei Quadratmeter Schlafplatz für jeden Menschen könnte den Druck vom Wohnungsmarkt nehmen. Wenn der private Rückzugsort schrumpft, entsteht Raum für das große Gemeinschaftliche. Wahre Freiheit liegt nicht in der Größe der Villa, sondern in der Möglichkeit, sein Fenster jederzeit nach Süden auszurichten. Das Kleine ist kein Mangel, sondern das Rezept für eine gerechtere Welt.Zu Gast:Van Bo Le-Mentzel, Architekt und Gründer der Tiny FoundationCreate your podcast today! #madeonzencastr

14.05.26 • 46:44

„Ih! Gentechnik!“ Wer würde schon freiwillig etwas essen, das gentechnisch verändert wurde? Also schnell den Aufkleber auf die Butter in der Auslage kleben. Das Problem: Jede Nutzpflanze in der Landwirtschaft heute ist das Ergebnis von Zucht. Das heißt: Ihre Gene wurden massiv verändert. Die Reflexe scheinen zu sitzen, wenn „Gentechnik-frei“ im Supermarkt als Gütesiegel auf Lebensmitteln prangt. Ein Paradox, sagt Robert Hoffie. Er forscht am Leibniz-Institut in Gatersleben an Methoden, die Gene von Nutzpflanzen sehr gezielt zu verändern. Das, so Robert, ist auch der entscheidende Unterschied zwischen heutiger Gentechnik und klassischen Zuchtmethoden: Die Zielgenauigkeit. Letzere arbeiten mit ungesteuertem Zufall, die Genschere hingegen erlaubt Eingriffe an der Stelle, wo eine gewünschte Veränderung sitzt.Von einer Generation einer Pflanze auf die nächste gibt es immer wieder Fehler beim Kopieren des genetischen Codes, manchmal schlicht Schäden, jedenfalls Veränderungen. Ein Züchter macht nicht viel mehr, als die Pflanzen mit den passendsten Veränderungen zu identifizieren, um diese wiederum zu vermehren. Ein eher langwieriger Prozess. In den 1920er Jahren haben Züchter diesen Vorgang beschleunigt, indem sie die Pflanzen mit Röntgenstrahlung beschossen haben. Ergebnis: Mehr Mutationen, das freut das Züchterherz. In den 1950ern dann dasselbe mit radioaktiver Strahlung. Lecker. Das Ergebnis wurde „Atomic Gardening“ angepriesen. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar – allerdings gehen nahezu alle Sorten Braugerste, die heute weltweit im Einsatz sind, auf genau dieses „Atomic gardening“ zurück. Prost!Robert weist auf den Faktor Zeit hin. Neben allem anderen braucht klassische Zucht viel Zeit, um eine Generation Pflanze nach der nächsten hervorzubringen. Leider zuviel Zeit, gemessen an unserem knappen Zeitfenster. Die klimatischen Veränderungen, die Böden, neue Schädlinge und Krankheiten, viele Rahmenbedingungen verlangen schon in sehr naher Zukunft Pflanzen, die es so heute noch nicht gibt – und die mit herkömmlicher Zucht auch nicht rechtzeitig entstehen werden. Wenn wir also in zehn Jahren in Mitteleuropa noch Landwirtschaft betreiben wollen ...Da fruchtbares Land unsere knappste Ressource ist, bedeutet wahre Nachhaltigkeit heute: Ertragssicherung auf minimaler Fläche, um der Natur unberührten Raum zu geben. Ein Blick in den Werkzeugkasten der Zukunft – behutsamer, schneller und natürlicher, als es das Etikett im Supermarkt vermuten lässt.Zu Gast:Dr. Robert Hoffie, Biotechnologe am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in GaterslebenCreate your podcast today! #madeonzencastr

30.04.26 • 44:19

Warum trainiert jemand Ratten, um Landminen zu erschnüffeln? Weil es eine radikale Lösung für ein lebensbedrohliches Problem ist. Zarah Bruhn, Gründerin von Social Bee und heute Expertin für gesellschaftliche Sprunginnovationen bei SPRIND, ist angetreten, genau diesen Geist der verrückten Ideen in die deutsche Ordnung zu bringen.Zarah räumt mit dem Vorurteil auf, das Soziale sei ein Feld für Almosen und Wohlfahrt. Für sie ist es nicht nur eine Frage der Würde, sondern auch der ökonomischen Vernunft. Ihre Gründung Social Bee hat die Integration von Geflüchteten professionalisiert: Unternehmen erhalten ein bürokratiefreies Rundum-sorglos-Paket, während der Staat pro Person massiv spart. Ein Social Return on Investment von eins zu 35 ist kein naiver Idealismus, sondern ein Effizienz-Hack für einen Sozialstaat, der sich seit Jahrzehnten kaum im Kern erneuert hat.Heute sucht Zarah bei der Bundesagentur für Sprunginnovationen nach Moonshots, die Millionen Leben verbessern oder dem Haushalt Milliarden sparen könnten. Ob KI-gestütztes Lernen im Matheunterricht oder digitale Townhalls nach dem Vorbild Taiwans – Ziel ist es, das schwindende Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Staat und Gesellschaft durch echte Selbstwirksamkeit zurückzugewinnen. Ihr Credo: Wo das Ehrenamt an seine Grenzen stößt, müssen unternehmerische Strukturen übernehmen, um gesellschaftliche Herausforderungen dauerhaft und messbar zu lösen.Michael und Zarah sprechen über den Mut zum Machen, die ökonomische Kraft der Integration und darüber, wie man den Staat konstruktiv "hackt", um ihn wieder zukunftsfähig zu machen.Zu Gast: Zarah Bruhn, Unternehmerin (Social Bee), erste Beauftragte für Soziale Innovationen der Bundesregierung und SPRIND-Managerin für gesellschaftliche Sprunginnovationen.Create your podcast today! #madeonzencastr

16.04.26 • 40:51

Das verkannte Zukunftsthema in der Energiewende: Ohne Netze ist alles nichts. Ein Gespräch mit Hauke Jürgensen, Senior VP Grid Solutions bei Siemens Energy, über (fast) alles, das man über die Stromnetze von heute und morgen wissen muss. Die Energiewende scheitert nicht zuerst am Windrad, sondern an der Illusion, Strom sei bloß etwas, das aus der Steckdose kommt. Tatsächlich ist Elektrizität ein permanenter Balanceakt im Netz: Frequenz, Spannung, Last, Trägheit. Früher erledigte die Physik einen Teil dieser Arbeit fast nebenbei. Die großen rotierenden Massen der Kraftwerke pufferten das Netz, ohne dass irgendwer darüber sprechen musste. Wann immer alle Haushalte gleichzeitig die Waschmaschine bestückt oder Fabriken große Stromverbraucher angeschaltet haben, die Trägheit der Kraftwerksmaschinen sorgte für Stabilität. Jetzt, da diese Welt verschwindet, muss Intelligenz an ihre Stelle treten - in Form von Software, Leistungselektronik und Maschinen, die in Millisekunden entscheiden und reagieren kann.Hauke Jürgensen, verantwortlich für Stromnetze bei Siemens Energy, beschreibt damit eine stille Revolution. Das Netz wird vom passiven Leitungsgebilde zur lernfähigen Infrastruktur. Wobei: Warum nutzen wir nicht einfach Batterien? Antwort: Viel zu langsam. Hauke beschreibt ein Vorreiterprojekt mitten in Niedersachsen. Hier löst eine neue Generation von Superkondensatoren (für das Bild im Kopf: Jede Menge Coladosen in einer gut abgeschirmten Lagerhalle) das Problem; kann binnen Millisekunden Leistung und Frequenz stabilisieren, bevor der Mensch überhaupt bemerkt, dass etwas aus dem Takt geraten ist. Denn das ist das Ziel: Niemand soll etwas bemerken, dann ist alles gut im Netz. Darin steckt auch eine politische Pointe: Wer über Energie redet, aber Netze übersieht, verwechselt Erzeugung mit Versorgung. Das Rückgrat der neuen Welt sind nicht allein Solarparks und Offshore-Anlagen, sondern Korridore, Schalter, Algorithmen und Menschen, die Unsichtbares beherrschbar machen. Die beste Zukunft des Stroms bleibt deshalb eine, in der alles komplizierter wird – und für uns trotzdem so wirkt, als sei es ganz einfach.Zu Gast: Hauke Jürgensen, Senior VP Grid Solutions bei Siemens EnergyCreate your podcast today! #madeonzencastr

02.04.26 • 43:00

Geht Wirtschaft anders? Ohne Wachstum, ohne Hierarchie, ohne ewigen Vergleich? Uwe Lübbermann, Gründer von Premium Kollektiv, ist angetreten, die Wirtschaft zu hacken. Uwe Lübbermann zuckt mit den Schultern und sagt: Ja. Und macht . Als Gründer des Getränkeherstellers Premium Kollektiv, als Vermieter, als Nachhaltigkeitsmensch der Universität Hamburg und noch weiteren Rollen. Sein eigentliches Gegenmodell richtet sich gegen eine tief verankerte Annahme: dass Wettbewerb und Vergleich notwendig seien. „Der Vergleich ist der erste Feind des Glücks“ – dieser Satz wird zur Kampfansage gegen eine Ökonomie der permanenten Steigerung. Stattdessen setzt Uwe auf Resilienz durch Gemeinschaft, auf Sicherheit durch Beziehung statt Besitz.Ganz praktisch: Ein Kollektiv aus Mitarbeiter:innen und externen Partnern führt Premium, den Getränkehersteller. Nicht einmal Mehrheitsentscheidungen gibt es, Konsens lautet das Ziel. Ein einziges Veto genügt, um Macht zu neutralisieren. Uwe Lübbemann baut darauf ein ganzes Wirtschaftssystem: Konsens statt Mehrheit, Vertrauen statt Vertrag, Gleichwürdigkeit statt Hierarchie. Was wie eine naive Utopie klingt, ist ein präziser Eingriff in die Mechanik des Kapitalismus – ein Hack, der zeigt, dass Besitz nicht zwangsläufig zur Bestimmung über andere führen muss.Alles das ist gewachsen aus einer Enttäuschung. Der Enttäuschung des Kunden Uwe, als seine Lieblings-Cola die Rezeptur veränderte, ohne das mit den Kunden zu besprechen. Und wenn keiner zuhört, muss man eben selber ran. Die Liste der Hacks ist lang: Gleicher Stundenlohn für alle, aber Zuschläge nach Lebensrealität; Urlaub nach Bedarf statt Norm; Entscheidungen als vorläufige Vereinbarungen, nicht als endgültige Beschlüsse. Selbst Vermietung wird zur sozialen Praxis: Mieten entstehen im Gespräch, nicht durch Marktlogik. Gewinn ist kein Ziel, sondern höchstens ein Nebeneffekt langfristiger Stabilität.Michael und Uwe sprechen über Learnings und Enttäuschungen und darüber, wo Uwes Ansätze sich als konfliktreich erwiesen haben und wie sich justieren lassen. Am Ende steht weniger eine Theorie als eine Praxis: Wirtschaft als soziale Infrastruktur, die nicht maximiert, sondern trägt. Zu Gast: Uwe Lübbermann, Unternehmer, Mitgründer von PREMIUM, Pionier für Konsens, Verantwortungseigentum und Wirtschaft ohne klassische HierarchienCreate your podcast today! #madeonzencastr

19.03.26 • 46:24

Sind wir nicht alle ein wenig Ingenieure? Auch die, die das eigene Ingenieursstudium aus irgendwelchen Gründen verpasst haben. Warum sollten wir nicht eine zukunftsfähige Mobilität entwickeln können? Günther Schuh hat den elektrisch betriebenen Lieferwagen entwickelt, mit dem Post Pakete ausliefert - nachdem eine ganze Industrie das Benötigte nicht im Programm hatte. Es folgte ein ebenfalls elektrischer Kleinwagen. Denn warum sollten Autos immer größer werden? Günther Schuh ist ständig unterwegs, mit seinem Lehrstuhl an der RWTH Aachen und weit darüber hinaus. Er sagt: Vergessen ist keine Schwäche, sondern eine Kulturtechnik. Wer Neues denken will, muss den Tisch leer räumen können. Günther nennt das nüchtern „systematisches Vergessen“ – nicht, weil Wissen wertlos wäre, sondern weil Festplatten billiger werden und Aufmerksamkeit nicht. Was zählt, sind Fähigkeiten, nicht das fehlerfreie Archivieren von Formeln.Von dort ist es nur ein Schritt zur Mobilität, die Günther als Freiheitsmaschine verteidigt: Individualverkehr ist für ihn kein Luxus, sondern Selbstbestimmung. Der Fehler beginne, wenn man nicht Emissionen bekämpft, sondern das Auto – als wäre man „gegen den Menschen“. Seine Pointe: Technik ist längst weiter, als die Debatte tut. Dogmen („nur batterieelektrisch!“) kosten Zeit, weil sie Lösungen aussortieren, die je nach Einsatz sogar ökologisch überlegen sein können: intelligente Hybride, Range Extender, Wasserstoff dort, wo Masse und Reichweite zählen.Doch die radikalste Idee liegt nicht im Antrieb, sondern im Umgang mit Dingen. Günther attackiert die Wegwerfökonomie als eigentliche Umweltsünde und skizziert eine „Upgrade Circular Economy“: Produkte werden so gebaut, dass sie Jahrzehnte halten und durch Module erneuert werden – Getriebe repariert man, statt sie zu entsorgen; Batterien zerlegt man nicht vorschnell, sondern nutzt sie als Hausspeicher.Optimismus klingt bei Günther wie Ingenieursjargon: zack – Problem lösbar, wenn wir endlich über Zielfotos streiten statt über Glaubenssätze.Zu Gast:Prof. Dr. Günther Schuh, Professor (RWTH Aachen), Unternehmer, Mobilitäts- und Produktionsexperte (u. a. StreetScooter)Create your podcast today! #madeonzencastr

05.03.26 • 44:08

Noch ein paar Stubenkükenbrüstchenstücke?Essen ist ein Reizthema. Aber vor allem ist es ein Systemthema.Godo Röben sagt: Die Ernährungswende wird nicht durch Verbote entschieden. Sie wird über Preis, Gesundheit und Marktlogik entschieden.Fleisch wird nicht verschwinden. Aber es wird seinen Platz wechseln – vom Alltag zur Ausnahme.Godos These: Die Ernährungswende ist so groß wie Energie- und Mobilitätswende. Und sie ist nicht aufzuhalten.Als prägende Kraft hinter der Transformation der Rügenwalder Mühle hat Godo erlebt, was passiert, wenn ein Traditionsunternehmen sein eigenes Geschäftsmodell infrage stellt. Heute investiert er in alternative Proteine und neue Food-Technologien. Im Gespräch geht es um:Warum Moral Märkte nicht verändertWeshalb der Preis der eigentliche Kipppunkt istWarum tierische Ernährung global mehr Hebel hat als der gesamte VerkehrWieso alternative Proteine zur Notwendigkeit werden – nicht zum LifestyleUnd warum Organisationen oft länger an alten Modellen festhalten als ihre KundenDer entscheidende Moment kommt, wenn pflanzliche Alternativen günstiger sind als tierische Produkte. Ab dann kippt der Markt – nicht aus Überzeugung, sondern aus Gleichgültigkeit. Das Gespräch ist keine Ernährungsdebatte. Es ist eine Debatte über Verantwortung, Märkte und Transformation. Zu Gast:Godo Röben, Investor und Transformationsexperte (u. a. Rügenwalder Mühle)Create your podcast today! #madeonzencastr

19.02.26 • 44:28

Sie klingt nicht müde. Sie macht keine Fehler aus Unachtsamkeit. Und sie fragt nicht nach Feierabend. Daniel Keinrath hat fonio gegründet und baut Stimmen, die einfach funktionieren. Seine KI telefoniert, bucht Termine, beantwortet Fragen – so gut, dass der Unterschied zum Menschen nebensächlich wird. Nicht, weil sie menschlich sein will, sondern weil Effizienz irgendwann überzeugender ist als Authentizität.Daniel rechnet nicht mit Zukunft, sondern mit Gegenwart. Wer wartet, bis KI perfekt ist, verliert Zeit. Und wenn es etwas gibt, das fonio nicht hat, dann ist es Zeit. Die Nachfrage wächst exponentiell, das Angebot auch: In Kürze kommt zum Sprechen und das Schreiben hinzu. Dann kümmert sich die KI von fonio auch um Emails und Nachrichten.Daniel betont: Der Durchbruch passiert nicht beim letzten Prozent Natürlichkeit, sondern dort, wo es praktisch wird. fonio setzt deshalb nicht auf ein allwissendes Modell, sondern auf ein Orchester spezialisierter Systeme: zuhören, verstehen, antworten – modular, austauschbar, auf europäischer Infrastruktur. Unabhängigkeit als Architekturprinzip.Dahinter steckt eine größere These: Technologie ist kein Selbstzweck, sondern ein Hebel. Entlastung statt Ersatz. Wertschöpfung dort, wo heute noch Warteschleifen, Überlastung und verpasste Anrufe stehen. First-Level-Support als einer der größten Arbeitsmärkte der Welt – und einer der repetitivsten. Wer hier automatisiert, gewinnt Zeit, nicht nur Kosten.Unbequem wird es beim Wissen. KI zeigt gnadenlos, was Unternehmen nie sauber aufgeschrieben haben. Implizite Erfahrung ist kein Schutzraum mehr, sondern ein Risiko. Struktur schlägt Bauchgefühl.Am Ende bleibt eine Freiheit, die Druck macht: Europa kann Weltklasse bauen. Nicht mit moralischem Bonus, sondern mit besseren Produkten. Der riskanteste Schritt ist, ihn nicht zu gehen.Zu Gast:Daniel Keinrath, Gründer von fonioCreate your podcast today! #madeonzencastr

05.02.26 • 42:41

Wer weiter rechnet wie gestern, teilt bald durch Null, sagt Stefanie Hauer. Sie investiert nicht in „weniger schlecht“, sondern in Geschäftsmodelle, die Natur aktiv zurückbringen. Stefanie argumentiert: Die Wirtschaft ist keine Gegnerin der Natur, sondern ihr untergeordnet. Wirtschaft als eine Funktion der Natur; wer das verwechselt, mag zwar kurzfristig Gewinne feiern, wird aber langfristig Rohstoffe und Grundlagen verlieren: Wertschöpfung ohne Wert.Weil wir schon lange genug Worte gehört haben, brauchen wir dafür eine Sprache, die wirklich alle verstehen: Geld. Stefanie sagt: „Put your money where you want the world to go“. Konsum, Kapitalanlage, Arbeitsplatz sind Hebel, die nicht erst nach Moral klingen müssen, um zu wirken.Das Spektrum dafür ist größer, als unsere Reflexe zu erlauben scheinen: Kakaopflanzen tragen mehr, wenn sie im Wald und nicht auf der Plantage stehen. Invasive Arten aus Ökosystemen zu entnehmen und sie als Luxusgüter vermarkten, kann die Systeme entlasten. Lieferketten werden per Daten und KI so transparent, dass ökologische Verbesserungen oft gleichzeitig Kosten, Risiken und Compliance voranbringen. Und Renaturierung wird zum Finanzprodukt: Land regenerieren lassen, Ökosystemleistungen verkaufen, Rendite inklusive.Am Ende bleibt es eine unbequeme Freiheit: „Ich allein rette die Welt“ ist nicht bequem, anfangen dagegen ist wirksam.Zu Gast:Stefanie Hauer, Investorin für naturpositive Geschäftsmodelle, Board Member bei NatureRe Capital und Host des Podcasts Planetary BusinessCreate your podcast today! #madeonzencastr

22.01.26 • 48:10

Zahnpasta tötet. Mindestens Tulpen. Axel Kaiser macht daraus kein Geheimnis - und erst recht keinen Marketinggang. Es ist der drastischste Beleg für eine radikale Erkenntnis: Zahnpasta ist nicht nur überflüssig, sondern regelrecht gesundheitsschädlich. Karies ist auch kein natürlicher Zustand, den es zu unterbinden gilt, sondern schlicht das Ergebnis falscher Pflegegewohnheiten, eines fest etablierten Geschäftsmodells und einer festen Überzeugung, die wir seit Kindertagen mit uns herumtragen: Zähneputzen tut Not. Denttabs hält mit Tabletten zur Zahnpflege dagegen, einem Produkt, das nicht heilt, sondern schlicht nicht schadet - und damit alles verändert.Müssten die Großen der Dentalbranche nicht darauf reagieren? Der Bruch mit der Zahnpasta wäre offentlichlich zu groß. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus struktureller Trägheit. Ein Stück Zellulose, also: Holz, soll die Lösung sein?Was also, wenn richtig schon immer falsch war? Axel meint dies durchaus als Aufruf zur Selbstermächtigung. Wer sich gegen die Überzeugungen aus unserer Kindheit entscheidet, gegen Zahnpasta, sagt auch: Ich treffe Entscheidungen selbst. Genau darin liegt der utopische Kern seiner Zahnputztabletten.Axel und Michael sprechen auch über die Geschichte des Unternehmens Denttabs. Der Versuch, einen Investor für Wachstum und Ausbau zu finden, endete im Oktober 2025 - mit der Insolvenz. Was nach Ende klingt, entpuppte sich als Anfang: Eine beispiellose Welle der Solidarität begann auf LinkedIn. Die Verkaufszahlen vervielfachten sich binnen Tagen und schließlich kam eine unverhoffte Lösung in Form einer gemeinnützigen AG zu Denttabs. Es hebe die Hand, wer vorher wusste, dass es die Form einer gAG überhaupt gibt. Über dieses Instrument ermöglicht Denttabs die unkomplizierte Investition - und sobald Gewinne entstehen, kommen die den gemeinnützigen Zwecken der gAG zu Gute. Win win. Und für die Zähne auch: Win.Axel wird ebenso wie der gAG-Investor Mario Erdmann auf dem "The Elephant"-Festival am 13. Januar 2026 in Leipzig sprechen. Wer kurzfristig noch dabei sein will: https://www.carls-zukunft.de/festival-2026-jetzt-die-letzten-tickets-sichern/Zu Gast: Axel Kaiser, Gründer von DenttabsCreate your podcast today! #madeonzencastr

08.01.26 • 54:26

Wenn zwei Sprachbots einen Podcast machen würden, wäre das Resultat vermutlich fehlerfrei, formvollendet – und vollkommen uninteressant. Denn echte Kommunikation lebt von etwas, das jenseits der Rechenleistung liegt: dem Überraschenden, dem Unplanbaren, dem menschlichen Impuls, der nicht nur wiederholt, was schon gesagt wurde. Wolfgang Lüdenbürger-Reidenbach bringt diesen Gedanken mit einer entwaffnenden Klarheit auf den Punkt: Künstliche Intelligenz kann helfen, sortieren, neu kombinieren – aber nicht das echte Neue hervorbringen.Gerade deshalb ist der kreative Spielraum heute größer denn je. Weil generative Modelle Routinearbeit übernehmen, bleibt mehr Raum für Strategien, Ideen, für präzise Visualisierungen und für inklusives Arbeiten – etwa, wenn Menschen mit ADHS durch KI erstmals zusammenhängend schreiben können. 2026, sagt Wolfgang, werde das Jahr der Ideen sein. Ein Jahr, in dem Kommunikation nicht verschwindet, sondern sich neu erfindet.Aber all das ist nicht technikgetrieben, sondern haltungsgeladen. Denn wer Inhalte personalisiert, gestaltet auch Wahrnehmung – und muss sich fragen, wessen Realität er eigentlich reproduziert. Dass KI männliche Gesichter besser generiert als weibliche, ist kein Zufall, sondern ein Bias. Und der ruft nach Aufklärung, nach Transparenz, nach Verantwortung.Was also tun? Sich frisch an die Arbeit machen. Nicht als naiver Optimist, sondern mit einem klaren Blick auf die Unvollkommenheit – und der Überzeugung, dass das Bessere möglich ist.Zu Gast: Wolfgang Lünenburger-Reidenbach, Kommunikations- und Digitalexperte, Managing Director Germany bei DEPTCreate your podcast today! #madeonzencastr

25.12.25 • 43:55

Ein Unternehmen, das rechtsextreme Funktionäre zu seinen Empfängen einlädt, hat sich längst entschieden – nicht für Dialog, sondern für Normalisierung. Franzi von Kempis bringt in ihrer Klarheit auf den Punkt, was viele in diffuse Diskurse verpacken: Haltung beginnt nicht mit der Entscheidung, ob man die AfD „auch mal einladen“ sollte, sondern damit, sich eine rote Linie zu setzen – und ihr treu zu bleiben.Haltung ist kein Selbstgespräch. Sie zeigt sich dort, wo andere zuschauen: im Team, im Unternehmen, auf der Weihnachtsfeier. Wer sich über menschenfeindliche Positionen empört, aber keine Konsequenz folgen lässt, macht Empörung zur Pose. Franzi fordert eine Führungskultur, die sich nicht hinter Unsicherheit versteckt, sondern klar macht: In dieser Organisation gelten Werte – nicht nur in der Schublade, sondern im Alltag.Ihr Blick auf die AfD ist dabei doppelt scharf: als Gefahr und als Symptom. Wer ihre Funktionär*innen einlädt, stellt nicht nur den Stuhl – er stellt auch eine Bühne. Und wer meint, das sei Dialog, verkennt, dass die Gegenseite gar keinen Dialog will. Die Einladung ist kein neutraler Akt, sie ist ein politischer.Die eigentliche Aufgabe liegt bei denen, die sich sicher fühlen dürfen: Haltung zu zeigen, wo andere sich das nicht leisten können. Denn nicht die radikale Minderheit entscheidet über unsere Zukunft, sondern die schweigende Mehrheit – wenn sie endlich aufhört zu schweigen.Zu Gast:Franzi von Kempis, Politik- und KommunikationsberaterinCreate your podcast today! #madeonzencastr

18.12.25 • 43:18

Beton kann mehr als tragen – er kann Verantwortung übernehmen. Ruth Beniermann von ecoLocked zeigt, wie sich die CO₂-Schleuder in eine CO₂-Senke verwandeln lässt. Ihr Ansatz: Biokohle aus Abfallstoffen, die durch Pyrolyse stabilisiert und dem Beton beigemischt wird. Das Ergebnis: ein dunklerer Beton, der nicht mehr nur Fundament ist, sondern Zukunftsspeicher. Drei Kilogramm CO₂ pro Kilogramm Material – nicht als Kompensation irgendwo verrechnet, sondern physisch eingebaut und sichtbar.Ruth denkt diesen Wandel nicht als technologische Spielerei, sondern als systemische Intervention. Denn die grauen Emissionen des Bauens – jene, die entstehen, bevor ein Gebäude überhaupt genutzt wird – sind längst zu den eigentlichen Klimakillern geworden. Doch während der Wille zum Wandel wächst, fehlt oft die Entscheidungsgewalt: Zwischen Projektentwicklern, Investoren, Betonwerken und Architekturbüros verheddert sich die Verantwortung.ecoLocked begegnet dem mit einer Strategie der Allianzen. Überzeugt wird nicht mit Pathos, sondern mit Pilotprojekten. Der Treppenhaus-Test ersetzt die Großbaustellen-Utopie. Es geht um greifbare Beweise, dass Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor, sondern ein Marktargument ist. Und um Haltung. „We are not slowing down“ steht auf ihrer Website – ein Satz, der keine Zukunft verspricht, sondern baut. Schicht für Schicht, Kubikmeter für Kubikmeter.Zu Gast:Ruth Beniermann, Business Development bei ecoLockedCreate your podcast today! #madeonzencastr

11.12.25 • 40:00

Der gefährlichste Irrtum über Datenschutz ist vielleicht der Glaube, es handle sich um ein Verhinderungsrecht. Dabei ist es ein Freiheitsrecht – oder genauer: eine infrastrukturelle Voraussetzung für Freiheit in digitalen Gesellschaften. Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, macht das deutlich, ohne in normativen Pathos zu verfallen. Sie spricht präzise über Machtasymmetrien zwischen Individuen und Behörden oder Konzernen – und über den Anspruch, diese auszugleichen.Im Zentrum ihrer Argumentation steht nicht die Empörung über Überwachung, sondern die Forderung nach Selbstbestimmung. Das klingt nüchtern, ist aber radikal. Denn wer Selbstbestimmung will, muss die Systeme verstehen, die Entscheidungen über uns treffen. Besonders dann, wenn diese Systeme auf Künstlicher Intelligenz basieren, die ihrerseits vergangene Verzerrungen perpetuieren und verstärken kann.Marits Plädoyer: Machtkontrolle beginnt bei den Daten, die noch gar nicht existieren – und bei der Architektur, mit der sie erhoben und verarbeitet werden. Wer hier auf Sorgfalt setzt, nicht auf blinden Fortschrittsglauben, betreibt keine Technikfeindlichkeit, sondern schützt die Grundlage demokratischer Souveränität. Dazu gehört auch, wie Michael Carl zugespitzt formuliert, ein „Planspiel der Abhängigkeiten“: Was passiert, wenn Cloud-Dienste ausfallen oder politische Entscheidungen Zugriff auf unsere Systeme erzwingen?Datenschutz wird in dieser Perspektive zur Verteidigungslinie der Freiheit – nicht gegen Technik, sondern gegen ihre unreflektierte Anwendung.Informationen zur Open-Source-Strategie des Landes Schleswig-Holstein: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/digitalisierung/linux-plus1Zu Gast: Dr. h.c. Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Schleswig-HolsteinCreate your podcast today! #madeonzencastr

04.12.25 • 45:57

In der Podcastreihe „Globale Zukünfte“ fragt Michael, ob es Orte auf der Welt gibt, von denen aus sich die großen Krisen unserer Zeit – Klima, Politik, Gesellschaft – neu denken lassen. Fünf Länder auf fünf Kontinenten sollten dafür den Blick weiten. Die letzte Station führt nach Botswana: ein Land, das viele kaum verorten können – und das gerade deshalb überrascht.Botswana wirkt wie ein afrikanisches Paradox. Gesprächspartner Thilo Schöne, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Gaborone, beschreibt ein Land, das sich aus bitterer Armut heraus zu Stabilität und relativer Wohlhabenheit manövriert hat – ohne den typischen „Ressourcenfluch“ zu erliegen. Diamanten wurden hier nicht zum Motor von Korruption und Oligarchie, sondern zur Grundlage von Infrastruktur, Bildung und öffentlicher Versorgung. Ein Staatsfonds nach norwegischem Vorbild, ein klug verhandeltes 50-50-Modell mit De Beers und eine politische Elite der ersten Generation, die Entwicklung vor Selbstbereicherung stellte, haben ein seltenes Fenster geöffnet: Rohstoffreichtum als gesellschaftlicher Gewinn.Dieser Erfolg ruht jedoch auf einer zweiten, tieferen Säule: einer demokratischen Kultur, die älter ist als die koloniale Moderne. Konsenssuche, lokale Versammlungen, Machtteilung zwischen Chiefs und Räten – Botswanas politische Tradition hat demokratische Elemente hervorgebracht, bevor Demokratie zum Exportbegriff wurde. Streit wird hier nicht als Sieg der Mehrheit über eine Minderheit gedacht, sondern als gemeinsames „talk it out“ bis eine Lösung tragfähig ist. Das Ergebnis ist ein Land, das nach außen ruhig wirkt: wenig Aggression im öffentlichen Raum, hohe Toleranz im politischen Wettbewerb, eine fast unaufgeregte Normalität des Zusammenlebens.Gleichzeitig steht Botswana heute an einer Schwelle. Die Abhängigkeit von Diamanten wird zur gefährlichen Einseitigkeit, seit der Weltmarkt schwächelt. Vor allem junge Menschen spüren das als Zukunftskrise: „Jobs, Jobs, Jobs“ ist der Ruf einer Generation, die auf Teilhabe wartet. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und ein wachsender Frust, der sich nicht in Straßenprotesten entlädt, sondern nach innen kippt – in Depression, Alkoholismus, Gewalt. Hinter dem Bild des „Juwels“ liegen Wunden, die lange übersehen wurden. Gerade hier wird Zukunft zur Frage, ob das Land seine eigene Erfolgsgeschichte modernisieren kann.Botswana ist damit kein idyllischer Ausnahmefall, sondern ein Lernraum. Ein Land, das zeigt, dass demokratischer Fortschritt möglich ist – und dass Stabilität immer wieder neu erfunden werden muss. Die Bereitschaft zur Reform, die neue Regierung und starke zivilgesellschaftliche Kräfte jetzt sichtbar machen, wirkt wie ein Angebot an uns alle: Institutionen nicht nur zu verteidigen, sondern mutig zu erneuern, bevor sie brüchig werden.Zu Gast:Thilo Schöne, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung BotswanaCreate your podcast today! #madeonzencastr

27.11.25 • 41:13

In der neuen Podcastreihe „Globale Zukünfte“ fragt Michael, ob es Orte auf der Welt gibt, von denen aus sich die großen Krisen unserer Zeit – Klima, Politik, Gesellschaft – neu denken lassen. Fünf Länder auf fünf Kontinenten sollen dafür den Blick weiten. Die vierte Etappe führt nach Indien: groß im Maßstab, komplex in seiner Wirklichkeit, und näher an unseren Zukunftsfragen, als man auf den ersten Blick vermutet.Ein Land, das sich nie als geschlossene Einheit verstand, ringt heute mit seiner eigenen Vielschichtigkeit. Gesprächspartner Manuel Vermeer zeichnet Indien als Subkontinent voller Spannungen: ein Demokratieriese, der gleichzeitig in alten sozialen Hierarchien gefangen bleibt; ein wirtschaftlicher Aufsteiger, der Hunger und Bildungsnot noch immer nicht überwunden hat. Moderne Apps erreichen hunderte Millionen Menschen – doch nur wenige Schritte weiter ringt ein Kind um das Nötigste. Zukunft und Vergangenheit liegen hier so dicht beieinander wie nirgendwo sonst.Gleichzeitig lebt Indien von einer tief verwurzelten Dynamik: Vielfalt ist Alltag, nicht Ausnahme. Religionen, Sprachen, Kulturen – sie stehen nicht nebeneinander, sondern ineinander. Konflikte gibt es, doch bemerkenswert selten entladen sie sich in jener Härte, die wir aus anderen Weltregionen kennen. Unterschiedlichkeit wird nicht bekämpft, sondern ausgehalten – und bildet damit ein Fundament für eine Gesellschaft, die Veränderung nicht fürchtet.Indien bleibt ein Ort der Möglichkeiten – nicht trotz, sondern wegen seiner Widersprüche. Die junge Bevölkerung drängt nach vorne, Gründergeist ist allgegenwärtig, und die Überzeugung, dass Zukunft gestaltbar ist, trägt weiter als jede wirtschaftspolitische Strategie. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Auch in Indien liegen die globalen Konflikte offen – sie zeigen sich nur in anderer Gestalt.Zu Gast:Dr. Manuel Vermeer, Asienstudien, Berater und AutorCreate your podcast today! #madeonzencastr

20.11.25 • 40:43

In der Podcastreihe „Globale Zukünfte“ fragt Michael, ob es Orte auf der Welt gibt, von denen aus sich die großen Krisen unserer Zeit – Klima, Politik, Gesellschaft – neu denken lassen. Fünf Länder auf fünf Kontinenten sollen dafür den Blick weiten. Nach Neuseeland und Estland führt die dritte Etappe der Reise an das sprichwörtliche Ende der Welt: nach Chile.Ein Land, das in seiner Länge von Finnland bis Spanien reichen könnte, doch im Durchschnitt nur 120 Kilometer breit ist – und ebenso schmal scheint manchmal der Grat zwischen Hoffnung und Ernüchterung. Gesprächspartnerin Gitte Cullmann, Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Santiago de Chile, beschreibt ein Land voller Gegensätze: stabil und unruhig zugleich, von ungeheurer Energie und tiefen Widersprüchen durchzogen.Chile ist ein Land im Dauerzustand der Transformation. Nach den gewaltigen Protesten von 2019, den sogenannten Estallido Social, träumte die Gesellschaft von einem neuen Gesellschaftsvertrag. Zwei Anläufe für eine neue Verfassung – einer progressiv, einer konservativ – scheiterten. Der Wille zur Veränderung ist groß, die Angst davor ebenso. Zwischen neoliberaler Tradition und sozialer Erneuerung tastet sich das Land an ein neues Gleichgewicht heran.Hinter der Fassade wirtschaftlicher Stärke verbirgt sich eine der größten sozialen Ungleichheiten im OECD-Raum. Renten, Bildung, Gesundheit – alles ist privatisiert. Wer es sich nicht leisten kann, fällt durchs Raster. Das Chile der Chicago Boys war einst das Labor des Neoliberalismus. Heute kämpft es mit dessen Spätfolgen: hoher Verschuldung, schwindender Chancengleichheit und einer tiefen gesellschaftlichen Unzufriedenheit.Gleichzeitig ist Chile eines der rohstoffreichsten Länder der Welt – und könnte damit eine Schlüsselrolle in der globalen Energiewende spielen. Kupfer, Lithium, grüner Wasserstoff: kaum ein Land ist besser aufgestellt, um die Dekarbonisierung voranzutreiben. Doch noch wird zu wenig Wertschöpfung im eigenen Land gehalten. Gitte spricht von einem „Gefühl der ökologischen Kolonie“ – Europa profitiert von den Ressourcen, Chile trägt die ökologischen Kosten. Der Anspruch auf Partnerschaft „auf Augenhöhe“ bleibt oft ein Lippenbekenntnis.Auch die Klimakrise trifft das Land härter als viele andere. Dürren, Waldbrände, Wassermangel – Chile ist eines der verwundbarsten Länder der Erde. Doch die politische Aufmerksamkeit liegt anderswo. „Klimapolitik spielt im Wahlkampf keine Rolle“, sagt Gitte. Und doch zeigt sich in der Anpassungsfähigkeit der Chilenen eine Form der Resilienz, die Hoffnung macht. Katastrophen gehören zum Alltag – Erdbeben, Überschwemmungen, Brände. Die Menschen leben mit der Natur, nicht gegen sie. Diese Haltung teilt die indigene Bevölkerung schon seit Jahrhunderten.Indigene und nicht-indigene Perspektiven prallen aufeinander: hier der extraktivistische Blick des globalen Marktes, dort die Vorstellung von Pachamama, der Erde als Teil des eigenen Lebens. Diese unvereinbaren Weltbilder prägen die gesellschaftliche Debatte – und zeigen, dass Zukunft in Chile mehr ist als technologische Modernisierung. Sie ist ein kulturelles Aushandeln darüber, was Fortschritt bedeutet.Chile könnte ein Zukunftslabor werden – wenn es gelingt, gesellschaftliche Kreativität, ökologische Verantwortung und internationale Kooperation zu verbinden. Schon heute stammt über zwei Drittel der Energie aus erneuerbaren Quellen, Kohle ist fast Geschichte. Doch der Weg bleibt lang. Zukunft entsteht hier nicht aus Reichtum, sondern aus Bewegung.Chile ist dynamisch und divers – in seinen Landschaften, in seinen Ideen, in seinen Konflikten. Wer sich von Widersprüchen nicht abschrecken lässt, sondern von ihnen anregen lässt, wer Wandel nicht fürchtet, sondern sucht, findet hier vielleicht den spannendsten Zukunftsort der Welt: am Ende der Welt, wo die Zukunft schon begonnen hat.Zu Gast:Gitte Cullmann, Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Santiago de ChileCreate your podcast today! #madeonzencastr

13.11.25 • 38:38

In der Podcastreihe „Globale Zukünfte“ fragt Michael, ob es Orte auf der Welt gibt, von denen aus sich die großen Krisen unserer Zeit – Klima, Politik, Gesellschaft – neu denken lassen. Fünf Länder auf fünf Kontinenten sollen dafür den Blick weiten. Die zweite Etappe führt nach Estland: klein an Fläche, groß in Vision.Ein Land, das seine digitale Infrastruktur nicht als Zukunftsversprechen, sondern als Gegenwartsnormalität begreift. Gesprächspartner Ralph Wrobel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, beschreibt Estland als europäisches Zukunftslabor: technikaffin, pragmatisch und entschlossen. Wo Deutschland noch diskutiert, hat Estland längst gemacht. Der Staat agiert proaktiv, nicht reaktiv – und begegnet der Welt mit einer fast trotzig optimistischen Haltung.Gleichzeitig lebt Estland im Schatten Russlands – geostrategisch verletzlich, historisch geprägt von Fremdherrschaft und doch bemerkenswert souverän. Die Bedrohung wird nicht verdrängt, sondern ernst genommen: militärisch, gesellschaftlich, mental. Zwischen digitaler Avantgarde und strategischer Wehrhaftigkeit entsteht ein Zukunftsbild, das so nüchtern wie ermutigend ist.Estland ist kein Zufluchtsort, sondern ein Möglichkeitsraum. Wer hier über die Zukunft spricht, spricht nicht über Utopien, sondern über Haltung. Und über die Entscheidung, sie nicht länger aufzuschieben.Zu Gast:Prof. Dr. Ralph Wrobel, Volkswirt, Historiker, Westsächsische Hochschule ZwickauCreate your podcast today! #madeonzencastr

06.11.25 • 38:53

In der neuen Podcastreihe "Globale Zukünfte" fragt Michael, ob es Orte auf der Welt gibt, von denen aus sich die großen Krisen unserer Zeit – Klima, Politik, Gesellschaft – neu denken lassen. Fünf Länder auf fünf Kontinenten sollen dafür den Blick weiten. Den Anfang macht Neuseeland: weit entfernt und doch nah an unseren Zukunftsfragen.Ein Land, das sich einst als "besseres Britannien" verstand, ringt heute mit seiner eigenen Gegenwart. Gesprächspartner Patrick Köllner, Direktor des GIGA-Instituts für Asienstudien Hamburg, zeichnet Neuseeland als Ort voller Widersprüche: einst Vorreiter des Sozialstaats, heute Spielball neoliberaler Kräfte. Die Kühe, Symbol für wirtschaftlichen Erfolg, sind zugleich die Methanquellen eines ökologischen Rückschritts. Eine Klimapolitik, die sich der Agrarlobby beugt, ist Sinnbild für eine verlorene Zukunftsorientierung.Gleichzeitig lebt Neuseeland von einer tief verwurzelten Dynamik: Migration ist gelebte Normalität, nicht Bedrohung. Maori und weiße Siedler teilen sich die Bühne einer bikulturellen Nation – und ringen aktuell um die Frage, wie viel kulturelle Sichtbarkeit gerecht ist. Der Kulturkampf um Identität, Sprache und Privilegien wird mit einer Schärfe geführt, die man sonst nur aus gesättigten Demokratien kennt.Neuseeland bleibt ein Sehnsuchtsort – nicht trotz, sondern wegen seiner Abgeschiedenheit. Die “Tyrannei der Distanz”, einst Nachteil, wird zur Hoffnung für jene, die in einer verwirrenden Welt Ordnung suchen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Selbst hier, am Rand der Welt, lassen sich globale Konflikte nicht abschütteln – sie zeigen sich nur in anderer Gestalt.Zu Gast:Prof. Dr. Patrick Köllner, Direktor des GIGA-Instituts für Asienstudien, HamburgCreate your podcast today! #madeonzencastr

30.10.25 • 42:02

Wenn Maschinen zu Spiegeln werden, dann sehen wir uns selbst – aber verzerrt. Die klügste Idee dieses Gesprächs zwischen Michael und Manuela Lenzen ist vielleicht genau dieser Gedanke: Künstliche Intelligenz wirkt wie ein elektronischer Zerrspiegel, der uns neue Perspektiven auf das Wesen menschlicher Intelligenz eröffnet. Nicht das Schachspiel oder der IQ-Test definieren, was uns ausmacht, sondern das, was Maschinen gerade nicht leisten können: Kindheit, Körperlichkeit, Evolution, Emotion.Gerade weil wir uns so gerne mit KI vergleichen, verkennen wir unsere Eigenheiten. Und gerade weil die Maschinen immer menschlicher wirken, ist es umso verführerischer, ihnen ein Bewusstsein zuzuschreiben – eine kognitive Abkürzung, die uns in die Irre führen kann. Doch dieser Trugschluss ist auch eine Chance: Wir lernen präziser zu denken, wir reflektieren, was Intelligenz überhaupt bedeutet, woher sie kommt, was ihr fehlt.Lenzen denkt weiter: Künstliche Intelligenz könnte uns helfen, endlich jene langweiligen, stumpfen Aufgaben abzugeben, für die unser biologisch-soziales Wesen ohnehin nicht gemacht ist. Aber im falschen System – dem kapitalistischen – wird sie zum Gegenteil: Zum Verstärker ökonomischer Ungleichheit. Die Maschinen schreiben Gedichte, wir füllen Excel-Tabellen.Die eigentliche Zukunftsfrage lautet also: Können wir mit Maschinen so kooperieren, dass nicht ihre Logik unsere ersetzt, sondern unsere erweitert? Die Hoffnung liegt im Werkzeug – nicht im Kollegen. In der Renaissance unserer Körperlichkeit. Und in der menschlichen Fähigkeit, sich zu langweilen – und daraus Neues zu schaffen.Zu Gast:Dr. Manuela Lenzen, Wissenschaftsjournalistin und AutorinCreate your podcast today! #madeonzencastr

23.10.25 • 46:40

Falsches wird zum Normalfall – nicht, weil wir dümmer, sondern weil wir überfordert sind. Matthias C. Kettemann beobachtet eine kommunikative Überlastung, die unser „kognitives Immunsystem“ schwächt. Inmitten digitaler Dauerreizung reagieren Menschen wie Allergiker auf zu viele Pollen: verunsichert, panisch oder gar wütend. Doch Matthias bleibt Optimist. Für ihn ist Bildung das stärkste Gegenmittel – nicht allein in Schulen, sondern als gesamtgesellschaftlicher Prozess, der selbst Großeltern erreicht.Auffällig ist seine Warnung vor einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Wer zu viel über Desinformation redet, sieht bald nichts anderes mehr. Die permanente Beschwörung von Manipulation erschafft ein Klima der Ohnmacht – ein Zustand, in dem Zornunternehmer einfache Erklärungen bieten: Schuld sind „die Ausländer“, „die Öffentlich-Rechtlichen“, „die da oben“. Das Problem ist weniger der Fake als die verlorene Fähigkeit, mit Ambiguität umzugehen.Matthias plädiert für eine neue Diskursökologie: Plattformen müssen transparent machen, was sie verstärken. Algorithmen sollen nicht nur Klicks fördern, sondern Debatten ermöglichen. Und Nutzerinnen und Nutzer – wir alle – müssen unsere Aufmerksamkeit wieder als politisches Gut begreifen. Der Ausweg aus der digitalen Betäubung beginnt nicht mit Technikregulierung, sondern mit einem selbstkritischen Blick auf das eigene Scrollverhalten. Der Off-Button ist da. Wir müssen ihn nur drücken.Zu Gast:Matthias C. Kettemann, Internetforscher am Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut), HamburgCreate your podcast today! #madeonzencastr

16.10.25 • 37:30

Der Satz „Wir stehen an der Schwelle zu einer autoritären Wende in der westlichen Welt“ wirkt wie ein Alarmknall in einer Landschaft, die sich selbst noch für einen sicheren Ort hält. Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker und Analytiker des postkommunistischen Europas, seziert mit ruhiger Schärfe, warum dieser Satz kein Alarmismus ist, sondern eine nüchterne Beschreibung der Gegenwart.Demokratie, so zeigt er, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine tägliche Aufgabe. Und: Sie wird nicht durch äußere Mächte gefährdet, sondern durch Gleichgültigkeit, durch Schweigen und durch die Abwesenheit von Autoritäten, denen man traut. Gerade in Ostdeutschland, das Ilko als ein „Laboratorium der Moderne“ beschreibt, lassen sich Phänomene wie Institutionenverachtung, symbolischer Autoritätsverlust und radikale Tabubrüche früh und deutlich beobachten – Entwicklungen, die längst auf ganz Europa ausstrahlen.Die Pointe liegt jedoch nicht in der Warnung, sondern in der Erkenntnis: Eine selbstbewusste Demokratie lebt von Partizipation, Streit und von Menschen, die sich einmischen. Nicht das ständige Erregen, sondern das beharrliche Diskutieren – auch über Wehrpflicht, Migration oder gesellschaftliche Werte – schafft Bindung. Ilko appelliert, der Versuchung zu widerstehen, die lauten Extreme zum Maßstab zu machen. Nicht „Nie wieder“, sondern: „Es hat schon begonnen.“ Und genau deshalb gilt es, jetzt Haltung zu zeigen.Zu Gast: Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker und AutorCreate your podcast today! #madeonzencastr

09.10.25 • 45:28

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