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AUDIOFEATURE

Gleich vorweg: Die Komplexität einer abendfüllenden Oper passt natürlich nicht in ein 15-minütiges Audiofeature. Aber die Lust darauf, den Abend in der Oper zu verbringen vielleicht schon. Der Musikjournalist Holger Noltze, Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund, kreiert eine maßgeschneiderte Audioreihe zu den diesjährigen Premieren. Immer ab dem jeweiligen Premierentag ist das Feature online abzurufen. Dort wird es neben den Stückbasics – Handlung, Rezeption, Komposition und Libretto – auch um die Münchner Besonderheiten der Inszenierung gehen. Neben Stimmen aus der Produktion wird vor allem eine Akteurin zu hören sein: Die Musik. Und zwar nicht nur im Hintergrund oder als Nebenbei, sondern als das, was alles zusammenhält. Die Grenzen werden fließend: Information, starke Stimmen und Audiokunst.

Titel

AUDIOFEATURE zu LOHENGRIN
Es sollen uns die Sinne vergehen: Weltentrückt, in himmlischen Höhen, beginnt Richard Wagners Oper Lohengrin. Ein unbekannter Ritter erscheint, um einer bedrängten Unschuld beizustehen. „Elsa! Ich liebe dich,“ singt er. Die junge Frau ergibt sich dem, der ihr als Held und Retter vorkommt. Doch dann bricht sie das Verbot, ihn nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen, und alles Glück ist dahin. Eine verpasste Begegnung des Irdischen und des Wunderbaren. So ist das letzte Wort ein kollektives „Weh!“. Der neue Lohengrin in einer Inszenierung von Kornél Mundruczó an der Bayerischen Staatsoper zeigt unsere Sehnsucht nach Erlösung als großen Versuchsaufbau. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher:innen: Kornél Mundruczó, Monika Pormale, Johanni van Oostrum, Cathrin Störmer, François-Xavier Roth Schnitt: Thomas Rott Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
14:05 29.11.2022
AUDIOFEATURE zu COSÌ FAN TUTTE
Die Revolution des Begehrens: „Die Schule der Liebenden“, so der Untertitel von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Così fan tutte, fängt lustig an, als kreuzweise Treueprobe. Am Ende aber herrscht Verstörung, denn Dorabella und Fiordiligi, die Verlobten der beiden Jungens Guilelmo und Ferrando, erweisen sich als sehr wohl verführbar, eine früher, eine später. Was aber heißt das für die Idee von der wahren Liebe? Und was für die heile Welt unserer Gesellschaft, die auf Heirat, Kinder, Festanstellung … baut? Behält Don Alfonso Recht, der lebenserfahrene „Philosoph“ und Regisseur des abgründigen Spiels, der zu wissen meint: Così fan tutte, so machen es alle (Frauen) –? Oder gibt es, nachdem hier zwei Paare durch das Feuer des Zweifels und der Verzweiflung gegangen sind, noch mehr zu lernen? Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher:innen: Magda Willi, Benedict Andrews, Vladimir Jurowski, Cathrin Störmer Schnitt: Thomas Rott Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
14:32 25.10.2022
AUDIOFEATURE zu CAPRICCIO
Ob in einer Oper der Text oder die Musik wichtiger sei: Darüber hatte schon der alte Salieri eine Oper-über-Oper komponiert. Der späte Richard Strauss nimmt sich das Thema in seinem letzten Bühnenwerk noch einmal vor. Ein Dichter und ein Komponist werben um die Liebe einer schönen und kunstsinnigen Gräfin: Wen wird sie erhören? – Strauss hat in sein „Konversationsstück für Musik“ lauter letzte Worte zur Kunst komponiert, voller reifer Meisterschaft und mit dem Rücken zur eigenen Gegenwart, denn 1942 hatte das Publikum eigentlich andere Sorgen. Capriccio, uraufgeführt am Münchener Nationaltheater, wurde ein Erfolg, trotzdem oder gerade drum? Das Nationaltheater wurde bald zerbombt, „Capriccio“ blieb. Die Bayerische Staatsoper zeigt es neu. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecherin: Diana Damrau, Cathrin Störmer Schnitt: Sven Eckhoff und Thomas Rott Betreuung: Anna Blei Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
13:21 16.07.2022
AUDIOFEATURE zu DIE TEUFEL VON LOUDUN
Schlaflos liegt die Priorin Jeanne in ihrer Zelle, bedrängt von Visionen: Bis zum Wahnsinn begehrt sie den Pater Grandier, den attraktiven, charismatischen Prediger der Kleinstadt Loudun. Weil er für sie unerreichbar ist, wird sie ihn denunzieren, die Nonnen im Kloster zur Wollust behext zu haben. Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki schuf 1969 aus Aldous Huxleys Skandalroman The Devils of Loudun seine erste, kühnste Oper: Die Teufel von Loudun. Radikales Musiktheater, maßlos in seinen Mitteln, erschütternd in der Darstellung dessen, was Menschen Menschen antun. Am Ende steht der Scheiterhaufen. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Vladimir Jurowski, Simon Stone Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Rheinklang Agentur Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
14:20 24.06.2022
AUDIOFEATURE zu THOMAS
Viel wird gestorben in der Oper; fast immer, wenn es nicht gut ausgeht. Durch Gift und Dolch, an Lungenkrankheit oder an gebrochenem Herzen, aus Liebe oder aus Versehen. Hier ist das anders: Ein Mensch im Sterben, so, wie heute meistens gestorben wird, in einem Krankenhausbett. Und noch etwas ist anders: Sonst kommt der Tod am Ende eines Opernabends, hier ereignet er sich zu Beginn. Hier kommt ein atmender Organismus zu seinem Ende. Thomas - vom Komponisten Georg Friedrich Haas und Librettisten Händl Klaus - ist ein Musiktheater vom Sterben des Menschen Matthias und, mehr noch, der Trauer seines Partners Thomas. Fein oszilliert, was im Sterbezimmer des Matthias zu hören und zu sehen ist, zwischen der sogenannten realen Welt und ihren Besorgungen und Beileids-Banalitäten und der Durchlässigkeit für das extrem Übernatürliche, als das uns das Sterben in einer Welt vorkommt, die den Tod abgeschafft hat. Und es geschieht am Ende das Ungeheuerliche. Allein mit dem Toten, erscheint es Thomas, sein geliebter Matthias beginne wieder zu atmen, so wie es Isolde erscheint, wenn sie Brustkorb des toten Tristan sich wieder bewegen zu sehen meint. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Händl Klaus Sprecherin: Cathrin Störmer, Anna-Sophie Mahler Schnitt: Sven Eckhoff Betreuung: Anna Blei Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
09:44 01.06.2022
AUDIOFEATURE zu BLUTHAUS
Nadja möchte ihr Haus abstoßen. Das hat gewichtige Gründe: Es ist ihr Elternhaus. Ein Bluthaus. Nadjas Eltern sind tot, das Blut der Eltern wird während der ganzen Oper von ihr von den Fliesen geschrubbt. Aber warum sind Nadjas Eltern tot? Die Musik vom Komponisten Georg Friedrich Haas lässt es erahnen, es ist etwas Grauenhaftes passiert. Nadja wurde von ihrem Vater sexuell missbraucht. Ob sie oder ihre Mutter den Vater erstochen hat, bleibt ungewiss. Dass er ermordet wurde, ist klar. Das Unheil sitzt in den Wänden, und wenn sie noch so weiß gestrichen sind. Der Makler Axel Freund ist beauftragt das Haus zu veräußern, die Menschen, die das Haus besichtigen scheinen wie ein allegorischer Zusammenschnitt der österreichischen Gesellschaft. Böse Nachbarn stoßen hinzu und verraten, dass es sich bei diesem Haus um ein Bluthaus handle, weil es besudelt ist mit dem Blut der Eltern, die als Untote immer noch hier spuken. Am Ende sind die Interessenten geflohen, auch für das persische Ehepaar, das zu spät kam, als hier alles schon in Entsetzen und Auflösung war, dass sich nicht so leicht schrecken lässt, weil es selbst einem Schrecken entflohen ist, auch für sie wird das Bluthaus keine Zukunft sein. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Claus Guth, Händl Klaus Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Sven Eckhoff Betreuung: Anna Blei Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
12:28 25.05.2022
AUDIOFEATURE zu LES TROYENS
Hier sind zwei Welten festgehalten: eine im Krieg, eine im Frieden - in der riesenhaften französischen Grand Opéra Les Troyens von Hector Berlioz. Es ist ein Wahnsinn der Extreme. Wohl kein Komponist tauchte je tiefer in die Stoffe, die ihn zu Musik bewegten, und bei Berlioz sind es immer die größten: Faust, Romeo und Julia, Hamlet, darunter macht er es nicht – doch der Untergang Trojas, des trojanischen Feldherren Aeneas‘ Flucht nach Karthago, wo er die Königin Dido liebt und sie verlässt, weil er nach Italien weitermuss, seinem Auftrag folgen, ein Held sein, Rom, die Stadt und ein Weltreich zu gründen – diese Geschichte durchdrang den romantischen Extremisten Hector Berlioz ein Künstlerleben lang. So rückt nach vorn, worauf auch Berlioz grandiose und maßlose Musik zielt: Auf das, was tief in seinen Figuren west, und was den kleinen Hector erschütterte, ihre Gefühle, Ängste, ihre Sehnsüchte. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Daniele Rustioni Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Jan Beckhaus Betreuung: Anna Blei Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
11:38 04.05.2022
AUDIOFEATURE zu L'INFEDELTÀ DELUSA
Männer und Frauen: eine beliebig verwirrende Geschichte, schon in Joseph Haydns 18. Jahrhundert, und heute erst recht. In München haben gottlob einstweilen die jungen Frauen in L’Infedeltà delusa die Nase vorn. Die Geschichte ist ein typischer Opera buffa-Stoff: Nannis Vater Felippo hat einen reichen Mann für seine Tochter Sandrina erkoren. Sinn und Zweck der Ehe ist alles, nur eben nicht ihre Selbstbestimmung oder gar Selbstverwirklichung. Aber hier zum Glück mitnichten! Sandrina hat sich nämlich bereits verliebt. Und zwar in eine junge Frau. Denn es wird in der Münchner Inszenierung Zeit für soziale Grenzüberschreitungen. Regisseurin Marie-Eve Signeyrole knöpft sich die patriarchale Grundstruktur der Oper vor und besetzte Nanni, das Objekt der Begierde Sandrinas, in eine Frau um. Aus einem Bass wird ein Mezzosopran, die Liebe der Sandrina damit eine lesbische. So wird aus der Coming of Age- obendrein eine Coming Out-Tragödie in einem Mädcheninternet der 1950er. Es ist ein Blick in das männliche und heteronormativ dominierte Korsett unserer Vergangenheit und mitunter Gegenwart. Happy End: Leider Fehlanzeige. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecherin: Marie-Eve Signeyrole Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Sven Eckhoff Betreuung: Anna Bleib Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
11:22 19.03.2022
AUDIOFEATURE zu PETER GRIMES
Die Masse gegen den Einzelnen! Peter Grimes, ein im britischen Küstenort Aldeburgh festverwurzelter Fischer, wird verdächtigt, für den Tod seines Fischerlehrlings verantwortlich zu sein. Der richterliche Freispruch interessiert die Dorfgemeinschaft herzlich wenig, für sie stand bereits vor Prozessbeginn fest, dass der sonderbare Grimes schuldig ist. Und so entlädt sich der Hass. Rumor has it! Peter Grimes, die erste Oper von Benjamin Britten, 1945 uraufgeführt, seziert die Mechanismen, die greifen, wenn Menschen sich zu einem Kollektiv gegen ein einzelnes Individuum zusammenschließen. Es ist ein feinfühliger, mitunter verstörender Blick auf die Natur des Menschen – so unkontrollierbar und erbarmungslos wie die See selbst. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Stefan Herheim Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Thomas Rott, Sven Eckhoff Betreuung: Anna Bleib Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
13:07 06.03.2022
AUDIOFEATURE zu DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN
Was ist der Mensch doch für ein seltsames Tier? Der passionierte Waldgänger, Vogelstimmensammler und Komponist Leoš Janáček versammelt schwermütige Hunde, kreischende Hühner, stotternde Froschkinder und im Zentrum von all dem eine schlauköpfige Füchsin zu einem der witzigsten und weisesten Stücke über das Menschsein und den Kreislauf allen Lebens. Sein Schlaues Füchslein von 1924 tönt traumhaft, fantastisch, düster bedrohlich und hell leuchtend. Wie Regisseur Barrie Kosky sich der Aufgabe stellte, all das ohne Waldkulissen und Tierkitsch zu erzählen, davon ist im neuen Audiofeature der Bayerischen Staatsoper zu hören. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Barrie Kosky Sprecherin: Mirga Gražinytė-Tyla Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Thomas Rott Betreuung: Anna Bleib Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
13:43 31.01.2022
AUDIOFEATURE zu GIUDITTA
Diese Liebesgeschichte ist ein Zeitpanorama von 1920-35! Wie klingt eine Liebe? Wie eine ganze Zeit? Giuditta war ein sensationeller Erfolg, mehr als 120 Radioanstalten sendeten 1934 die Uraufführung der Spieloper von Franz Lehár in die Welt hinaus. Ein italienischer Hauptmann, dem das Leben betont lebenswert erscheint, verliebt sich, verlässt die Geliebte, weil er in ein Militärkommando nach Libyen zieht. Die Liebe zerbricht an dieser Entscheidung. Für immer. Die Münchner Neuinszenierung verbindet und verblendet dieses Werk mit anderen künstlerischen Reaktionen auf die damalige Zeit von Kollegen Lehárs, nicht als Demontage. Nein, Montage! Christoph Marthalers Radikalität bedeutet radikale Poetisierung. So landet das Stück bei uns im Heute. Was das alles bedeuten soll und warum Ödön von Horváth eine so bedeutende Rolle spielt, das alles ist im Audiofeature der Bayerischen Staatsoper nachzuhören. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Malte Ubenauf, Thomas Anzenhofer Schnitt: Sven Eckhoff Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
14:01 17.12.2021
AUDIOFEATURE zu DIE NASE
Nase weg! Was passiert, wenn ein 22-jähriger junger Wilder eine Oper komponiert auf der Grundlage einer absurden Geschichte: Ein Mensch verliert seine Nase? Dmitri Schostakowtisch rüttelt 1928 mit Die Nase an den Konventionen der Operngeschichte, komponiert wild mit Faggotfürzen, einer singenden Säge, einem Personalbedarf auf der Bühne, der seinesgleichen sucht. Wie das klingt, was das alles soll und wieso in der Münchner Neuinszenierung von Kirill Serebrennikow zeitgleich zum Nasenverlust hingegen unzählige Polizist:innen mit Nasen im Gesicht übersät sind, ist im Audiofeature der Bayerischen Staatsoper nachzuhören. Autor und Sprecher: Holger Noltze Sprecher: Kirill Serebrennikow Sprecherin: Cathrin Störmer Schnitt: Thomas Rott Dramaturgie und Projektleitung: Christopher Warmuth
14:19 22.10.2021