Show cover of Märchenpott

Märchenpott

Es waren einmal der Christian, die Jenny und die Elena. Die drei kennen sich schon sehr lange und sie haben eine Gemeinsamkeit: ihre Begeisterung für Märchen. Diese Begeisterung möchten sie hier mit euch teilen. Doch Märchen einfach nur zu erzählen, reicht ihnen nicht. Sie wollen darüber reden und zeigen, wie vielschichtig, komplex und zeitlos Märchen sind. Dazu unterteilen sie ihre Folgen in Märchenstunde und Märchenkunde. In der Märchenstunde sprechen sie euch ein Hörspiel ein. In der darauf folgenden Märchenkunde tauschen sie sich dann darüber aus und analysieren und diskutieren Aspekte zu einem bestimmten Oberthema. Dazu betrachten sie Märchenklassiker von ganz neuen Seiten und nehmen euch mit in (un-)bekannte Märchenwelten. Das ist mal lustig, mal nostalgisch, mal blutrünstig und auch mal kitschig – aber niemals altmodisch oder Kinderkram. Vielmehr geht es um Geschichte, Literatur, Popkultur samt Film und Fernsehen sowie die großen Themen der Menschheit – eben um all das, was in der scheinbar so simplen Textsorte Märchen steckt.

Titel

Es waren einmal… drei Schwestern, ein verzauberter Schwan, hilfreiche Tiere und ein paar handfeste, aus Neid gesponnene Intrigen. Klingt nach einem klassischen Märchen – und doch steckt dahinter viel mehr: Alexander Sergejewitsch Puschkin, einer der bedeutendsten russischen Dichter des 19. Jahrhunderts. In dieser Folge tauchen wir ein in Puschkins Märchenwelt, die einerseits vertraut wirkt, andererseits aber voll spannender Überraschungen und neuer Entdeckungen steckt. Denn Puschkin geht über das “einfache” Märchenerzählen hinaus. Er macht aus Märchen eine literarische Kunstform. Wie ihm das gelingt, welche russischen Märchenmotive wir in seinen Märchen finden und wie Puschkin selbst gelebt hat, all das schauen wir uns in dieser Folge an. Ausgangspunkt ist dabei das Märchen „Vom Zaren Saltan“: Wir sprechen über Form und Inhalt dieses Märchens und deren Besonderheiten. Auch hier darf natürlich der zeitgeschichtliche Kontext nicht fehlen: Wie prägten das Russland des 19. Jahrhunderts, die gesellschaftliche Ordnung und die Herrschaft von Zar Nikolaus I. Puschkins Märchen? Neben Schwanhilde, Hummelflug und Zarenglanz hat uns hier ein Schriftsteller verzaubert, der Märchen nicht einfach nacherzählt, sondern daraus seine ganz eigene literarische Welt erschafft. Wir sind Fangirls.

04.10.26 • 93:49

Es war einmal… eine Geschichte, die beginnt, mit einem hohen Herren, der seine Dame find’. Eine von dreien ist sie, die träumen am Spinnerädchen, mehr zu sein als gewöhnliche Mädchen. Und weil wir in Rossija sind, im fernen Land, würden sie Zarin genannt. Doch nur eine von dreien kann’s sein, wenn auch jede ihrer Absichten ist fein. Die Erste denkt an Feiern und Feste, die Zweite würde nähen das Beste, doch nur die Dritte weiß: Viel wicht’ger als Feste und Fleiß, Was das Höchste für Zar und Thron, ist ein rechter Heldensohn. Der Zar ist entzückt und nimmt sie zur Frau, doch was folgen? Neid und Missgunst, genau. Denn während Saltan in den Kriege zieht, seine Frau in den Wehen liegt. Ein Sohn wird geboren, Gwidon genannt, doch fernab vom eigenen Land, Saltan die böse Nachricht erhält, sein Sohn sei ein Ungeheuer und entstellt. Damit ist das Unheil gesät, für Mutter und Sohn ist es zu spät. Beide werden in ein Fass gesteckt und wären bestimmt auf dem Meere verreckt, wenn wir nicht im Märchen wären, in denen sich Probleme klären. Denn das Meer ist nicht nur Gefahr und Tod, es macht eine Tugend aus der Not und führt Gwidon in ein neues Leben, das ihm hat eine Menge zu geben. Auf der Insel Bujan geschehen seltsame Sachen: Ein Eichhörnchen bringt goldne Nüsse zum Knacken. Dreiunddreißig Recken steigen aus den Wogen empor, und die geheimnisvolle Schwanhilde tritt schließlich hervor. Doch während sein Reich prächtiger wird und gedeiht, lauern weiter Missgunst und Neid. Da ist noch ein Zar, der von all dem nichts weiß und ihr ahnt, es ist nur eine Frage der Zeit, bis Vater und Sohn sich wiedersehen. Was bis dahin wird noch alles geschehen, hört euch in Puschkins Märchen an: “Das Märchen vom Zaren Saltan”.

20.09.26 • 37:30

Es war einmal... zwei Brüder, die die Idee verfolgten, altes Volksgut zu bewahren. Dazu wollten sie durchs Land ziehen und sich diese Geschichten direkt von den Menschen selbst erzählen lassen. Heute wissen: Dieser Plan der Brüder Grimm hat nicht funktioniert. Und auch sonst sah es erstmal gar nicht danach aus, dass die Kinder- und Hausmärchen ein weltweiter Erfolg werden würden. Ganz im Gegenteil: Die erste Ausgabe des Grimmschen Märchenbuchs war sogar ein ziemlicher Flop. Die Brüder machten sich an die Überarbeitung und passten die Märchen dem Zeitgeist an. Das bedeutete: Sie schnitten die Geschichten auf ein kindlichen Publikum zu und stellten die pädagogische Aussage der Märchen besonders heraus. Und damit trafen sie einen Nerv, denn zur Zeit des Biedermeier entwickelte sich eine Kinder- und Jugendliteratur, die Kinder bilden und erziehen sollte. Obwohl Märchen ursprünglich nicht für Kinder gedacht waren, vollzieht sich hier also die Verknüpfung zwischen Märchen, Kindheit und Erziehung. Bis heute haben Märchen einen Platz in vielen Kinderzimmern, allerdings nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Denn Märchen sind umstritten, vor allem wegen veralteter Geschlechterrollen und ihrer Grausamkeit. Aber haben Märchen deswegen wirklich keinen bildenden Wert mehr? Und ist die Pädagogik, die Märchen wirklich so schwarz, wie oft dargestellt? Diesen Fragen gehen wir in der heutigen Folge nach. Dazu schauen wir uns den zeitgeschichtlichen Kontext genauer an und tauchen ein in die Zeit des Biedermeier, der auch für unser heutiges Verständnis von Kindheit von Bedeutung ist. Außerdem analysieren und interpretieren wir das wohl pädagogischste und zugleich biedermeiserlichste Märchen in der Sammlung der Grimms: "Schneeweißchen und Rosenrot." Zum Vergleich zu der im Märchen dargestellten Tugendhaftigkeit und Harmonie ziehen wir das Paradewerk der Schwarzen Pädagogik heran: "Der Struwwelpeter". Und wir zeigen, wie Märchen in der NS-Zeit missbraucht werden, um Kindern die nationalsozialistische Ideologie einzuimpfen.

06.09.26 • 110:49

Es war einmal... Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttchen, und vor dem Hüttchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen; und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbäumchen, und das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot. Sie waren aber so fromm und gut, so arbeitsam und unverdrossen, als je zwei Kinder auf der Welt gewesen sind – ein Vorbild an Tugendhaftigkeit, Frömmigkeit und Liebreiz eben. Bedroht werden die guten Mädchen durch einen raffgierigen Zwerg, der ihre Hilfbereitschaft nicht zu schätzen weiß. Der gute Bär dafür umso mehr... Viel Spaß bei Hören!

23.08.26 • 13:19

Es war einmal... die große Frage danach, was eigentlich gerecht ist. Sie prägt politische Debatten ebenso wie unser alltägliches Miteinander: Wie können Chancen fair verteilt werden? Was ist eine angemessene Strafe? Wann ist eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt? Ob es um soziale Gerechtigkeit, Steuergerechtigkeit, Klimagerechtigkeit oder Generationengerechtigkeit geht – kaum ein Begriff ist so präsent und zugleich so unterschiedlich interpretierbar wie der der Gerechtigkeit. Die Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit ist keineswegs ein modernes Phänomen. Schon lange bevor Philosophinnen und Philosophen, Juristinnen und Juristen oder Politikerinnen und Politiker darüber stritten, verhandelten Menschen Fragen von Recht, Unrecht, Schuld und Vergeltung in ihren Geschichten. Hier kommen die Märchen ins Spiel. Märchen erzählen von der Hoffnung, dass am Ende eine gerechte Ordnung hergestellt wird – dass das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Eine simple Gleichung, die in der Realität oft nicht aufgeht. Und auch die Märchengerechtigkeit ist häufig weitaus komplexer, zumal sie mit unseren heutigen Vorstellungen von Fairness nicht immer vereinbar scheint. In dieser Folge werfen wir einen Blick auf die unterschiedlichen Formen von Gerechtigkeit im Märchen. Warum erscheinen manche Strafen aus heutiger Sicht unverhältnismäßig? Weshalb werden Tugenden wie Fleiß, Bescheidenheit oder Mitgefühl so häufig belohnt? Und welche Werte spiegeln diese Geschichten über die Gesellschaft wider, aus der sie stammen? Anhand des Märchens “Die ungleichen Kinder Evas, das ihr euch in unserer letzten Folge (Nr. 126) anhören könnt, betrachten wir, wie moralische Ordnung hergestellt wird, welche Rolle Schicksal, Eigenverantwortung und Zufall spielen und welche Funktion Gerechtigkeit im Märchen erfüllt. Dabei geht es auch um die Frage: Sind Märchen wirklich gerecht oder erzählen sie vielmehr von dem Wunsch nach einer gerechten Welt? Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören!

09.08.26 • 97:39

Es waren einmal... Adam und Eva, die, nachdem sie aus dem Paradies vertrieben waren, sich auf unfruchtbarer Erde ein Haus bauen und im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen mussten. Adam hackte das Feld und Eva spann Wolle. Eva brachte jedes Jahr ein Kind zur Welt, die Kinder waren aber ungleich, einige schön, andere häßlich. Nachdem eine geraume Zeit verlaufen war, sendete Gott einen Engel an die beiden und ließ ihnen entbieten, daß er kommen und ihren Haushalt schauen wollte. Eva, freudig, daß der Herr so gnädig war, säuberte emsig ihr Haus, schmückte es mit Blumen und streute Binsen auf den Estrich. Dann holte sie ihre Kinder herbei, aber nur die schönen – und diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für ihre Kinder, vor allem für die hässlichen ... Dieses Legendenmärchen ist deutlich kürzer als das Märchen in unserer letzen Märchenstunde, hat es aber in sich. Das werdet ihr in der nächsten Folge hören, wenn wir uns näher damit beschäftigen. Das Thema ist ernst, beim Einlesen haben wir uns aber so beömmelt wie selten.Deswegen gibt es diesmal ein paar Outtakes hinten dran. Das entspannt vielleicht auch ein wenig das Gemüt, Elena zum Beispiel hat sich über das Märchen etwas aufgeregt. Viel Spaß beim Hören!

26.07.26 • 06:02

Es waren einmal… zwei Brüder, drei Federn, sieben Raben, zwölf Feen… Ist euch schon mal aufgefallen, dass in fast jedem Märchen Zahlen auftauchen? Und dass manche Zahlen uns immer wieder begegnen? Doch warum gibt es ausgerechnet drei Wünsche, sieben Zwerge und die böse dreizehnte Fee? Handelt es sich dabei um zufällige Mengenangaben oder erzählen uns Zahlen etwas, das weit über die eigentliche Handlung hinausgeht? Genau diesen Fragen gehen wir in dieser Folge nach. Grundlage dafür ist das Märchen unserer letzten Märchenstunde (Folge 124): “Die zwei Brüder”. Es ist nicht nur eine der komplexesten Geschichten (oder vielleicht sogar die komplexeste?) der Kinder- und Hausmärchen, sondern steckt voller Zahlen. Und die sind weit mehr als dekoratives Beiwerk. Deswegen bilden wir Queersummen, errechnen unsere Lebenszahl, lernen, wie Zahlen den bösen Blick heraufbeschwören und müssen mal wieder feststellen: Auch nach einhundertfünfundzwanzig Folgen Märchenpott gibt es sie noch, die neuen und großen Erkenntnisse über Märchen.

12.07.26 • 92:27

Es war einmal... zwei Brüder, ein reicher und ein armer. Der Reiche war ein Goldschmied und bös von Herzen; der Arme nährte sich davon, dass er Besen band, und war gut und redlich. Der arme hatte zwei Kinder, das waren Zwillingsbrüder und sich so ähnlich wie ein Tropfen Wasser dem andern. Die zwei Knaben gingen in des Reichen Haus ab und zu und erhielten von dem Abfall manchmal etwas zu essen. Es trug sich zu, dass der arme Mann, als er in den Wald ging, Reisig zu holen, einen Vogel sah, der ganz golden war und so schön, wie ihm noch niemals einer vor Augen gekommen war. Ja, und damit nimmt eines der komplexesten Grimm-Märchen seinen Lauf. Und an manchen Stellen fühlt man sich fast schon wie in einer Fantasy-Geschichte. Viel Spaß beim Hören!

28.06.26 • 44:50

Es war einmal... das Märchen vom berühmten Goldesel. Gebt zu: Beim Thema "Geld im Märchen" habt auch ihr zuerst an "Tischlein deck dich" gedacht. Wenn ihr unsere letzte Märchenstunde (Folge 122) schon gehört habt, habt ihr aber schon gesehen, dass wir als Basis für diese Folge nicht "Tischlein deck dich", sondern "Die Bremer Stadtmusikanten" ausgesucht haben. Kommt darin überhaupt Geld vor? Nicht so wie erwartet und doch ziemlich viel. Wir schauen uns die Bedeutung des Geldes in diesem und in anderen Märchen an. Dem berühmten Goldesel begegnen wir dabei zwar nicht, dafür aber einer Puppe mit Biss.

14.06.26 • 97:27

Es war einmal... ein Mann, der hatte einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, daß kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen; dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden. Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. Und es sollte nicht der einzige Gefährte sein, den er auf seinem Weg nach Bremen traf...

31.05.26 • 07:16

Es war einmal… dieses Gefühl, das oft mit diesem kurzen Stich beginnt. Dieses Zusammenziehen in der Brust oder im Bauch, anfangs oft ganz flüchtig, aber ausreichend, um seinen giftigen Stachel zu säen. Dann mischt sich Unruhe hinein. Die Gedanken beginnen zu kreisen: Warum nicht ich? Was fehlt mir? Ich will das auch! Eine Mischung aus Sehnsucht und Frust, bis eine gewisse Schärfe hinzu kommt. Missgunst, Eifersucht. Ein innerer Druck, der dir unablässig zu raunt: “Da draußen ist etwas, das du willst.” Und du willst es so sehr, dass es bald dein ganzes Denken bestimmt… Dieses Gefühl kennen viele Märchenfiguren. Es ist Neid. Die böse Stiefmutter spürt ihn, die Stiefschwester auch. Die Magd, die Hexe, Prinzessinnen, Königinnen und Nachbarn – sie alle sind neidisch. Neid funktioniert im Märchen wie ein Motor, der die Handlung auslöst und antreibt. In dieser Märchenkunde schauen wir uns dieses ebenso mächtige wie gefährliche Gefühl genauer an: Welche Figuren im Märchen sind neidisch? Ist Neid im Märchen vor allem ein weibliches Phänomen? Und, in Bezug auf das japanische Märchen unserer letzten Märchenstunde: Warum bringt Neid so viel Leid? Was sagt die Darstellung von Neid im Märchen über uns als Menschen aus? Wie passt das in unsere heutige Neidgesellschaft? Und vor allem: Ist Neid das vielleicht böseste aller Gefühle, nicht nur im Märchen?

17.05.26 • 81:03

Es war einmal… vor langer Zeit, da lebte in einem kleinen Städtchen ein alter Mann. Dieser hatte in seinem ganzen Leben jedermann nur Gutes getan, war fromm und gut. Deshalb hatten ihn auch alle Leute lieb, obgleich er arm war. Gerade gegenüber dem Hause dieses guten alten Mannes wohnte ein anderer alter Mann, der sehr reich war, aber nicht gut, sondern habgierig und alles, was er sah, gern haben wollte. Und so holte er sich alles von dem, der eigentlich viel weniger hatte und doch der Reichere von beiden war: seinem armen Nachbarn. Am Ende steht jedoch die bittere Erkenntnis: Neid bringt Leid, nicht nur dem, den er beneidet, sondern auch ihm selbst.

03.05.26 • 07:26

Es war einmal... die Königin, die Schneewittchen mit einem Apfel vergiftet. Die Mutter, die ihre Kinder im Wald aussetzt. Die Hexe, die die Königin im Bade erstickt. Und die Alte, die ihrer Stieftochter den Kopf abschlagen will. Was alle diese Frauen gemeinsam haben? Sie gehören zu den Top-Bösewichten im Märchen, vielleicht ist sogar niemand böser als sie. Denn sie sind: die böse Stiefmutter. In dieser Märchenkunde schauen wir uns eine der bekanntesten und charakteristischsten Figuren des Märchens genauer an. Wir beleuchten den Trope der bösen Stiefmutter und vergleichen die Rolle von Stiefmutter und leiblicher Mutter im Märchen sowie ihre Wechselwirkung. Außerdem schauen wir uns die historischen Hintergründe an: Woher kommt die Idee, dass Stiefmütter so böse sind? Hat das einen historischen Bezug? Gibt es dafür wissenschaftliche Belege? Und vor allem: Wie kommt es, dass kein Märchen-Topos so große Auswirkungen auf die Wirklichkeit hat wie der der bösen Stiefmutter?

19.04.26 • 84:00

Es war einmal... eine Frau, die war eine rechte Hexe, und hatte zwei Töchter, eine hässlich und böse, und die liebte sie, weil sie ihre rechte Tochter war, und eine schön und gut, die hasste sie, weil sie ihre Stieftochter war. Soweit, so bekannt. Auch der Plan der bösen Stiefmutter ist für Märchenkenner*innen erstmal keine Überraschung: Die ungeliebte Tochter soll sterben. Ab diesem Zeitpunkt schwenkt die Familientragödie um und es entspinnt sich eine richtige Horrogeschichte aus Splatter und Mystery-Grusel. In dem Moment, in dem man denkt, dass alles vorbei ist und ein gutes Ende nimmt, setzt das Märchen vom Liebsten Roland dann noch ein Liebesdrama obendrauf. Viel Spaß beim Hören!

05.04.26 • 08:54

Es waren einmal... Märchen, bei denen sich eine Handlung in einer wiederholenden, „kettenartigen“ Struktur entfaltet. Sie bilden eine eigene Unterkategorie der Märchen: die Kettenmärchen. Ein bekanntes Beispiel dafür haben wir in unserer letzten Märchenstunde (Folge 116) kennengelernt: das Märchen "Vom dicken fetten Pfannekuchen". In dieser Märchenkunde schauen wir uns natürlich noch weitere Kettenmärchen an. Die Geschichte von der Rübe dürfte dem einen oder der anderen vielleicht auch noch aus der Kindheit bekannt sein. Weniger bekannt ist, wie überraschend vielfältig Kettenmärchen sind. Sie haben nicht nur einen hohen Unterhaltungswert, sondern durchaus einen tieferen Sinn. Und ihre Unterkategorien sind ziemlich unterhaltsam. Also lasst euch nicht täuschen: So theoretisch wie sie klingt, ist diese Folge auf keinen Fall. Das liegt nicht nur daran, dass wir ein ausgiebiges Wiedersehen mit Robinson feiern.

22.03.26 • 74:50

Es waren einmal... drei alte Weiber, welche gern Pfannkuchen essen wollten. Also backten sie einen. Es wurde ein dicker fette Pfannekuchen. Doch kaum war der dicke fette Pfannekuchen fertig, richtete er sich in der Pfanne auf, hüpfte hinaus und lief den drei alten Weibern weg, kantapper, kantapper in den Wald hinein. Wem der dicke fette Pfannekuchen da so begegnet, hört ihr in dieser Folge.

08.03.26 • 02:44

Es war einmal... die Katze. Elegant und tollpatschig. Würdevoll und komplett am Ausrasten. Königlich und gleichzeitig bereit, einen Karton anzubeten. In einem Moment Schmusekätzchen, im nächsten Jägerin. Wenn sie nicht will, dann will sie nicht. Aber wenn sie dir ihre Aufmerksamkeit schenkt, fühlst du dich auserwählt. Sie kann 16 Stunden schlafen und trotzdem aussehen, als hätte sie einen anstrengenden Tag gehabt. Sie verhungert mindestens zehn Mal täglich und stimmt auch nachts um vier gerne mal das Lied ihres Volkes an. Und wenn sie dich anschaut, ist da immer dieses Gefühl, als wisse sie mehr als du. Ihre Gesellschaft ist beruhigend, ihr Schnurren heilsam, die Beziehung zu ihr komplex. Denn mit einer Katze zusammenzuleben bedeutet: Grenzen akzeptieren. Nähe verdienen. Geschickte Räuberin, launische Diva, drolliger Kasper, treue Gefährtin, aufmerksame Wächterin, liebevolle Trösterin, kleiner Pausenclown, zärtlicher Schmusetiger und ganz klar die Herrin des Hauses: Kein Tier ist uns so nah und gleichzeitig noch immer ein Rätsel. Spiegelt sich das auch im Märchen wider? Welche Rolle nimmt die Katze da ein? Zeigt sich auch im Märchen ihr ambivalentes Wesen? Und wie steht es um die Beziehung zwischen Mensch und Katze? In dieser Märchenkunde gibt es jede Menge Cat Content. So viel können wir verraten: Die Katze im Märchen ist nicht weniger faszinierend als die Katze in der realen Welt.

22.02.26 • 97:04

Es war einmal... in Böhmen eine alte, sehr arme Frau, die drei Söhne hatte, von denen der eine Dusolino, der zweite Thesifone und der dritte Costantino Fortunato hieß. Sie besaß auf der Welt nichts weiter von Wert als drei Dinge: einen Backtrog, in dem die Frauen den Brotteig kneten, einen Brotkorb und eine Katze. Als die Mutter hochbetagt starb, vermachte sie ihrem ältesten Sohn den Backtrog, dem zweiten den Brotkorb und Costantino, dem jüngsten, die Katze. Und auch wenn die Katze für die Brüder das schlechteste Los zu sein scheint: Aus der Grimm-Variante dieses Märchens wisst ihr bestimmt: Ist sie nicht. Diese Version von "Der gestiefelte Kater" stammt von Giovanni Francesco Straparola und damit von einem Autor, der hiermit seine Märchenpott-Premiere feiert. Viel Spaß beim Hören!

08.02.26 • 09:15

Es waren einmal... nebelige Moorlandschaften, halbnackte Krieger mit wallendem Haar und mystischen Zeichen auf der Brust und weißbärtige Naturmagier, die in Eichenhainen Rituale abhalten und in kryptischen Rätseln sprechen. Gepaart mit satten grünen Landschaften und jeder Menge Irland-Romantik sind wir mittendrin in den gängigen Klischees über Kelten. Doch was ist wirklich “typisch keltsich”? Gibt es so ein Label überhaupt? Und finden wir es auch im Märchen? In dieser Folge begeben wir uns auf die Reise in die Anderswelt. Wir machen den Kelten-Klischeecheck, sprechen über die keltische Erzähl- und Märchentradition und schauen uns an, inwiefern Märchen und Mythologie miteinander verwoben sind. Dabei landen wir an magischen Übergangsorten, begegnen frechen Trickstern und der allgegenwärtigen Anderswelt. Vor allem aber stellen wir fest: Es ist gar keine so andere Welt.

25.01.26 • 91:53

Es war einmal… ein kleiner Bursch, der hatte seine Mutter verloren und sein Vater verheiratete sich zum zweiten Mal. Aber seine Stiefmutter taugte nichts. Zu seiner Nahrung gab sie ihm nichts als alte schimmelige Brotkrusten, und wenn er aufs Feld ging, musste er sie in der Quelle aufweichen, bevor er sie aß. Eines Tages, da er sich neben dem Wasser niedergekauert hatte, ging ein armer Mann vorüber – und da wir uns in einem Märchen befinden, wissen wir, das passiert nicht einfach so, sondern hat Folgen. Die titelgebenden drei Gaben, die übrigens nichts mit Bechsteins Märchen "Die drei Gaben" zu tun haben, spielen dabei natürlich eine Rolle. Und drei Wünsche, die nicht nur absurd sind, sondern diese Geschichte zu einem Märchen machen, wie ihr es unter dem Label “keltisch” wahrscheinlich nicht erwartet hättet.

11.01.26 • 05:51

Es war einmal... ein Mädchen namens Dorothy. Das lebte mit seinem Onkel und seiner Tante in einem kleinen Haus in Kansas. Das Leben dort war grau und öde, nicht einmal das Gras war grün. Doch eines Tages geschah etwas Seltsames. Ein Wirbelsturm kam auf, brachte das Haus zum Schwanken und Wackeln, drehte es wirbelnd um sich selbst und hob es hoch in die Luft, trug es höher und höher und Dorothy und ihren treuen Hund Toto meilenweit weg von Kansas, in ein geheimnisvolles, smaragdgrünes Land namens Oz... Ob das fantasievolle Buch von L. Frank Baum, die ikonische Verfilmung von 1939 oder die Bühnenfassung: "Der Zauberer von Oz" gehört auch bei uns zu einer der bekanntesten Kindergeschichten. Was weniger bekannt ist: "Der Zauberer von Oz" ist ein Märchen. Warum das so ist, welche Aussageabsicht der Autor mit seiner Geschichte verfolgte und wie er mit den klassischen Märchenelementen umgeht, schauen wir uns in dieser Folge an. Und wenn wir uns schon auf den Weg über die Yellow Brick Road in die grüne Smaragdstadt begeben, überprüfen wir natürlich auch, wie wundervoll der Zauberer von Oz tatsächlich ist. Falls euch die Hexen aus Oz inzwischen ebenfalls grünifiziert haben, dann ahnt ihr, dass dort nichts so ist, wie es scheint und dass auch die scheinbar so eindeutigen und aus Märchen bestens bekannten Zuschreibungen von "Gut" und "Böse" hier dringend hinterfragt werden sollten. Genau das macht "Wicked". Denn auch “Wicked” hat etwas mit Märchen zu tun. Es liefert nicht nur eine Phrase, die perfekt in jedes Märchen passen könnte: "Keiner weint um Hexen". Wicked dekonstruiert Märchen und zeigt damit auf seine ganz eigene Weise, warum diese Textsorte immer noch so spannend ist und wie sie immer wieder Stoff für neue Geschichten liefert.

28.12.25 • 86:04

Es war einmal... eine goldene Lockenpracht, ein schneeweißes Kleidchen, rote Bäckchen und Flügel. Vielleicht kommt noch ein bisschen Lametta ins Haar. Doch ob mit oder ohne Glitter, ob als religiöser Bote, Hoffnungsträger oder Dekoobjekt: Der Engel ist eine Figur, die fest in der Weihnachtszeit verankert ist. Aber auch darüber hinaus kommt dem Engel, durchaus losgelöst von seinem theologischem Hintergrund, eine starke spirituelle und kulturelle Bedeutung zu. Und auch im Märchen taucht er immer mal wieder auf. Aus diesem Grund haben wir den Engel zum Hauptdarsteller unsere diesjährigen Weihnachtsfolge ernannt. Wir schauen uns an, was Engel eigentlich sind und welche Rolle sie in Judentum und Christentum, aber auch in anderen Religionen und Weltanschauungen spielen. Außerdem betrachten wir die Darstellung des Engels in Kunst und Literatur, hier natürlich mit besonderem Schwerpunkt auf die Rolle des Engels in unserem letzten Märchen, "Der Engel" von Hans Christian Andersen. Und auch den Weihnachtsengel, eine besondere Ausprägung der Engelsfigur, nehmen wir uns vor. Das geht natürlich nicht ohne Rauschgold und ein bisschen Kitsch. Aber diese Folge hat auch einen therapeutischen Effekt. Denn Christian kann tatsächlich sein etwas problematisches Verhältnis zu Engeln überwinden.

14.12.25 • 108:32

Es war einmal... ein Engel, der erzählte Folgendes: "Jedesmal, wenn ein gutes Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine Arme, breitet die großen, weißen Flügel aus und pflückt eine ganze Handvoll Blumen, die er zu Gott hinaufbringt, damit sie dort noch schöner als auf der Erde blühen. Gott drückt sie dort an sein Herz, aber der Blume, die ihm die liebste ist, gibt er einen Kuß, und dann bekommt sie Stimme und kann in der großen Glückseligkeit mitsingen." Der Engel erzählte all dies, während er ein totes Kind zum Himmel forttrug – und damit beginnt eine Geschichte voll melancholischer Schönheit, nachdenklich stimmender Tiefe und gesellschaftskritischen Tönen. Typisch Andersen eben.

07.12.25 • 05:18

Es war einmal... der Oberschurke im Märchen. Unter den männlichen Bösewichten ist das ganz klar der Wolf. Er begegnet uns als der gefräßige und einfältige Gierschlund in "Der Wolf und der Fuchs", als der hinterhältige und nimmersatte Eindringling in "Der Wolf und die sieben Geißlein" und als der ebenso durchtriebene wie gefährliche Lüstling in "Rotkäppchen". Das Märchen, so scheint es, zeichnet ein ganz klares Bild von ihm: Der Wolf ist gefährlich. Und auch in der realen Welt hat der Wolf noch immer ein Imageproblem. Denn das Bild vom bedrohlichen Raubtier hält sich bis heute. In dieser Märchenkunde gehen wir ihm auf den Grund. Wir schauen uns an, wie der Wolf zu seinem richtig schlechten Image gekommen ist und was die historischen Ursachen sind. Auf Basis unseres Märchenstunde-Märchens "Der Wolf und der Fuchs" (Folge 107) beleuchten wir die Darstellung des Wolfes im Märchen im Speziellen, aber auch im Allgemeinen. Und ja, wir haben tatsächlich auch ein Märchen gefunden, das zur Ehrenrettung des Wolfes beiträgt. Wer bei diesem Thema außerdem nicht fehlen darf: der Werwolf. Denn auch er hat nicht nur in Sagen, sondern auch in das ein oder andere Märchen Einzug gehalten.

30.11.25 • 100:32

Es war einmal... der Wolf, der den Fuchs bei sich hatte, und was der Wolf wollte, das musste der Fuchs tun, weil er der schwächste war, und der Fuchs wäre gerne des Herrn los gewesen. Es trug sich zu, dass sie beide durch den Wald gingen, da sprach der Wolf: "Rotfuchs, schaff mir was zu fressen, oder ich fresse dich selber auf." Was der Fuchs daraufhin tut, warum der Wolf einfach lernresistent ist und ob es dem Fuchs gelingt, sich aus der Abhängigkeit des Wolfes zu befreien, hört ihr in diesem Märchen der Brüder Grimm.

16.11.25 • 04:08

Es war einmal... der kultivierte Gentleman, der nachdenkliche Fürst der Finsternis, der coole und witzige Antagonist, das Ungeheuer im Blutrausch. Seine Erscheinungsformen sind vielfältig, ebenso wie seine Namen. Wir kennen ihn als Dracula oder Nosferatu, als Graf von Krolock, als Spike oder Angel, als Stefan oder Damon Salvatore, als Blade oder Selene, als Edward Cullen oder als Lestat de Lioncourt. Nur wenige Figuren des Volksglaubens sind so fest in der Popkultur verankert wie der Vampir. Er fasziniert uns bis heute – und genau dieser Faszination gehen wir in dieser Folge nach. Wir haben uns nämlich gefragt: Was ist eigentlich mit Vampiren im Märchen? Hexen, Zwerge, Nixen, alles typische Märchenfiguren. Aber fällt euch ein Märchen mit Vampiren ein? Wir haben mal recherchiert und uns zunächst den Vampir im Volksglauben angesehen, seine theologischen und historischen Ursprünge ergründet und gesammelt, welche Darstellungen von Vampiren es gibt. Dabei führt natürlich kein Weg am literarischen Obervampir vorbei: Dracula. Wie hat er unser popkulturelles Bild vom Vampir geprägt? Und finden wir diese Einflüsse auch in der epischen Textsorte Märchen wieder? Wir stoßen auf die große Vampirangst des 18. Jahrhunderts, begegnen Vlad dem Pfähler und der Blutgräfin, treffen auf Blutsauger, Nachzehrer und andere Nachtgestalten und merken dabei vor allem eines: Von Ängsten, Begierden, Sehnsüchten und Sünden – der Vampir sagt vielleicht mehr über uns aus als jede andere mythische Sagengestalt. Genau deswegen zieht er uns an. Und genau deswegen brauchen wir ihn.

02.11.25 • 111:33

Es war einmal... eine Frau, die war sehr arm. Nicht weit von ihr lebte ein Vampir. Der zog sich eines Abends in der Dunkelheit schöne Kleider an, nahm die Gestalt eines jungen Burschen an, ging in das Haus der Frau und sagte: "Guten Abend, Mutter, ich komme zu dir als Freier; ich will deine Tochter heiraten, wenn es dir recht ist, sie mir zu geben. Ich weiß, du bist arm, deswegen will ich auch keine Mitgift, ja, ich will dir noch helfen, die beiden jüngeren zu verheiraten." Für eine arme Frau ein verlockendes Angebot und so sie willigt ein. Doch wie ihr euch denken könnt, ist es eher keine gute Idee, einen Vampir zu heiraten. Das muss nicht nur die älteste Tochter feststellen, mit der es kein gutes Ende nimmt. Auch die zweite und die dritte Tochter landen in der unterirdischen Behausung des Vampirs. Ob sie ihm entkommen und warum der Vampir erst der Auftakt zu einem noch viel größeren Abenteuer ist, hört ihr in diesem bulgarischen Volksmärchen, in dem der Vampir etwas anders auftrittt, als wir es gewohnt sind. Viel Spaß beim Hören.

19.10.25 • 12:13

Es waren einmal... funkelnde kleine Punkte am Nachthimmel, hinter denen sich riesige, selbstleuchtende Kugeln aus heißem Gas verbergen, zusammengehalten durch ihre eigene Schwerkraft. Ihr Licht, teilweise Millionen von Lichtjahre entfernt, erreicht uns manchmal erst, wenn der Stern selbst schon lange verglüht ist. Wir sehen Bilder in ihnen und glauben daran, dass sie uns Wünsche erfüllen, wenn sie uns als Sternschnuppe begegnen. Und wenn wir in einer lauen Sommernacht im Gras liegen und die unzähligen Sterne am Himmel sehen, bekommen wir eine ganz kleine Ahnung davon, was für ein winzig kleiner Teil wir selbst in diesen unerforschten Weiten sind. Deswegen sind es die Sterne, mit denen wir unsere kosmische Trilogie von Sonne, Mond und Sternen beenden. Im Märchen von Allerleirauh ist das Sternenkleid der Höhe- und Wendepunkt der Geschichte, in ihm findet sie ihre Erlösung. Aber spielen Sterne im Märchen sonst überhaupt eine Rolle? Welche Vorstellungen über Sterne finden wir im Märchen wieder und welche Bilder von Sternen haben Kulturen weltweit? Und was hat das Märchen unserer letzten Märchenstunde, “Das Sternenkind”, damit zu tun? All das und noch vieles mehr schauen wir uns in dieser Folge an. Und da Elena sich damals in Folge 7 ja für Allerleirauhs Kleid von den Sternen entschieden hat, weiß sie natürlich auch schon ganz genau, wie dieses Kleid aussehen soll.

05.10.25 • 83:27

Es waren einmal... zwei arme Holzfäller, die durch einen großen Tannenwald nach Hause gingen. Es war Winter, und die Nacht war bitterkalt. Der Schnee lag tief auf der Erde und hoch auf den Zweigen der Bäume. Der Frost zerbrach die kleinen Äste auf beiden Seiten, wo sie vorübergingen; und als sie zu dem Gebirgsbach kamen, hing er bewegungslos in der Luft, denn der Eiskönig hatte ihn geküsst. Und während in dieser Kälte selbst die Tiere zitterten, beklagten die zwei ihr Elend, denn sie hatten nicht viel. Da geschah plötzlich etwas Seltsames: Vom Himmel fiel ein glänzender und schöner Stern. Und dann lag da ein Tuch aus goldenem Gewebe, seltsam mit Sternen besetzt und in viele Falten geschlungen. Sie dachten zunächst, es müsse sich Gold darin befinden, doch als sie die Falten lösten, entdeckten sie etwas ganz anderes… Das Kunstmärchen von Oscar Wilde erzählt die Geschichte vom Sternenkind als Beispiel über Hochmut und den tiefen Fall. Gesellschaftskritisch und tiefgründig beleuchtet Wilde Themen wie Selbstfindung, Schönheit, die blendet, die Suche nach Glaube und Wahrheit und die Gefahr blinder Gefolgschaft. Ein Märchen, das nachdenklich macht und anders ändert, als man es von einem Märchen typischerweise erwartet.

21.09.25 • 35:23

Es war einmal... unser Nachbar, der Mond. Ein natürlicher Satellit, der uns umkreist und uns in den Weiten des Universums nicht nur nah ist, sondern auch ein Teil von uns. Denn vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstand er aus Trümmern einer kosmischen Kollision mit der frühen Erde. Vielleicht fühlen wir uns deswegen irgendwie verbunden mit ihm, vielleicht sagen wir ihm deswegen allerlei Einfluss auf uns nach. Der Neumond sorgt für den Wetterumschwung und bei Vollmond sind die Nächte besonders kalt, sagen etwa Bauernregeln. Mondholz stammt von Bäumen, die zu bestimmten Mondphasen geschlagen werden. Es soll besser als normales Bauholz sein, weil es angeblich weniger schwindet, reißt und knackst. Die am weitesten verbreitete Mondthese lautet sinngemäß: Alles, was zunehmen soll, tue bei zunehmendem Mond. Also Haus bauen und Geld investieren zum Beispiel. Alles, was abnehmen soll, tue hingegen bei abnehmenden Mond. Eine Diät ist dann an dieser Stelle immer die Empfehlung. Die Liste an Weisheiten und Aberglauben rund um den Mond ließe sich ellenlang fortsetzen. Fakt ist: Zum Mond haben wir Menschen eine besondere Beziehung. Und in dieser Märchenkunde schauen wir uns genau die mal näher an. Wie viel Einfluss hat der Mond wirklich auf unser Leben? Welches Bild vom Mond haben alte Völker und Kulturen? Und natürlich die Masterfrage: Was davon finden wir im Märchen wieder? Teil II unserer kosmischen Trilogie steht ganz im weißen Licht des Mondes und da es Christians Folge ist (er hatte sich ja damals in Folge 07 Allerleirauhs Mondkleid ausgesucht), verrät er uns natürlich auch, wie er zum Mond steht und warum er als Kind felsenfest davon überzeugt war, dass der Mond sein Freund ist.

07.09.25 • 82:48

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